Eberhard Kotschenreuther hat sich stets in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Am Donnerstag starb er im Alter von 79 Jahren.

Kotschenreuther war das, was man mit Fug und Recht ein Original nennen kann. Wesensprägend für das Stadtsteinacher Urgestein war die Zigarre.

Gestalten - das war seine Lesart der praktizierten Demokratie. Und dabei immer sachlich bleiben. Ideologische Grabenkämpfe, politische Scharmützel oder populistische Parolen waren nie sein Ding. Er schätzte den offenen Diskurs: "Do muss me drüber reden", sagte er oft.

Die Wähler honorierten das: Immer wieder statteten sie Kotschenreuther mit einem komfortablen Stimmenpolster für die Arbeit im Stadtrat aus.

Dem gehörte der Verstorbene von 1972 bis 2008 an. Seine menschlich verbindliche, offene Art machten ihn über alle Parteigrenzen hinweg zu einem hoch respektierten Gesprächspartner. Und mit seinem Fachwissen trug er maßgeblich dazu bei, die ehemalige Kreisstadt voranzubringen.

Der frühere Klärwärter war bestens bewandert in allen Fragen der Abwasserentsorgung. Dies kam der Kommune zugute, als sie mit ihr Kanalnetz ertüchtigen musste.

Eberhard Kotschenreuther war ein Wegbereiter dieser Idee. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Stadtsteinacher Ortsgruppe im Bund Naturschutz. Einige Zeit diente er ihr sogar als Ortsvorsitzender. Die heute noch durchgeführte Bachreinigungsaktion ist maßgeblich auf seine Initiative zurückzuführen.

Daneben wirkte er mit in einer Vielzahl von Vereinen und Verbänden: Dazu gehören die Faschingsgesellschaft, der TSV, der Musikverein, der Gartenbauverein, der Frankenwaldverein und der Schützenverein.

Seine größte Leidenschaft aber galt dem Angeln. Über 50 Jahre hinweg hatte er das Fischrecht inne. Angesichts seiner Treue und Verdienste ernannte ihn der Bezirksfischereiverein Oberfranken zum Ehrenmitglied. Die politischen Verdienste Kotschenreuthers würdigte die Stadt mit der Verleihung der Bürgermedaille. Der Bezirk Oberfranken verlieh ihm die Medaille für Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung. Und der CSU-Ortsverband verneigte sich vor seinem lang gedienten Mitstreiter mit der Ehrenmitgliedaschaft.

Politische Familie

Weit über 50 Jahre hinweg gehörte er der CSU an. Diese Affinität kam nicht von ungefähr: Politische Themen gehörten in seinem Elternhaus zum Tagesgespräch, Vater Egid wirkte bis 1968 als Erster Bürgermeister. Dieses Faible reichte Eberhard weiter an seinen Sohn Bernd, der nach ihm in das Gremium einzog.

Am Mittwoch nimmt die Trauergemeinde bei einem Requiem in der Stadtpfarrkirche St. Michael für immer Abschied von ihrem verdienten Mitbürger. Die Hinterbliebenen bitten um Verständnis, dass die Trauerfeier aufgrund der Corona-Bestimmungen nur in reduziertem Umfang stattfinden kann. Klaus Rössner