Allein der frühere Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hat dem Coburger Stadtarchiv im vorigen Jahr 65 Kartons voller Akten hinterlassen: In über 20 Amtsjahren als Bürgermeister und Oberbürgermeister war da einiges zusammengekommen. Rund 50 Regalmeter Akten und Unterlagen habe das Stadtarchiv aus dem Büro des Oberbürgermeisters übernommen, schätzt Stadtarchiv-Leiter Michael Tröbs. Das war nicht der einzige Zuwachs, der Tröbs und seinen Mitarbeiterinnen im Jahr 2020 beschert war: Aus der Bauverwaltung kamen 1000 Akten, und auch die Standesämter in Sonnefeld, Lautertal und Großheirat schicken nun ihre aufzubewahrenden Unterlagen ins Coburger Archiv. Das ist Teil des Vertrags, nachdem das Coburger Standesamt Dienstleistungen für die Standesämter der Landkreisgemeinden übernimmt.

Das Stadtarchiv bewahrt auf, was vom Gesetz her für die Nachwelt erhalten werden muss - und noch vieles mehr. Zum Bestand gehören zum Beispiel die Einwohnerverzeichnisse des 17. bis 20. Jahrhunderts, die Zuzugs- und Wegzugslisten des 19. und 20. Jahrhunderts, die Standesamtsbücher, die Gewerbekartei ab 1945, Einwohnverzeichnisse aus den Stadtteilen, die einst selbstständige Gemeinden waren und - nicht zu vergessen - rund 120 000 Fotos.

Und es kommen nicht nur amtliche Unterlagen dazu. Voriges Jahr zum Beispiel gelangte der Nachlass des früheren Oberbürgermeisters Wolfgang Stammberger (1920 - 1982) ins Stadtarchiv, der bis dahin bei der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung aufbewahrt war. Stammberger (damals SPD) war von 1970 bis 1978 Oberbürgermeister in Coburg.

All die Akten, Bücher, Fotoalben und Glasnegative werden in der Steingasse 5 nicht nur aufbewahrt, sondern auch registriert, digitalisiert und erschlossen: Zu jedem Stück wird der wesentliche Inhalt erfasst, so dass gezielt mit Stichworten gesucht werden kann. Die Digitalisierung würde es auch möglich machen, dass Urkunden und Akten online zugänglich gemacht werden könnten. Doch so weit sei das Stadtarchiv noch nicht, wie Tröbs sagt. Eine gemeinsame Online-Plattform für die kleineren Archive in Bayern sei zwar seit langem im Gespräch, aber bislang nicht zustande gekommen. Tröbs bedauert es selbst: "Corona hat gezeigt, dass die Leute so etwas erwarten", sagt er.

685 Nutzer suchten 2020 das Archiv auf. Waren früher solche Besuche noch spontan möglich, so müssen wegen der Corona-Restriktionen nun Termine vereinbart werden, per Telefon oder per E-Mail. Tröbs will diese Terminvergabe beibehalten, weil sie sich bewährt habe, wie er sagt: Die Archivare könnten die gewünschten Unterlagen heraussuchen, bis der Nutzer kommt, und es werde in dem nicht gerade großen Leseraum des Archivs nie zu voll.

Archivgut braucht vor allem Platz. Auf 2100 Regalmeter summieren sich die Bestände des Stadtarchivs inzwischen, und in der Steingasse wird es langsam eng. Ein Regalmeter Akten bedeutet 20 000 Blatt Papier. Deshalb ist die Stadt dabei, ein Magazingebäude zu schaffen. Der Standort ist Tröbs zufolge schon gefunden: Der ehemalige Supermarkt in Scheuerfeld gehört bereits der Stadt. Bis 2023 soll das neue Magazin bezugsfertig sein.