von unserem Redaktionsmitglied 
klaus schmitt

Kreis Haßberge/Haßfurt — Am Freitag, 6. Juni, war der D-Day. Genau an diesem Tag vor 70 Jahren sind alliierte Truppen in der Normandie gelandet, um von dort aus Europa vom Nazi-Regime zu befreien. Ein knappes Jahr später war der Zweite Weltkrieg vorbei. Millionen von Menschen hatten ihr Leben verloren. Aber die Hitler-Diktatur war besiegt. Deutschland bekam eine neue Chance, begann von vorne und ist heute ein wichtiges Mitglied in der Völkergemeinschaft.
Am Freitag versammelten sich an den Küsten Frankreichs, an denen die alliierten Verbände gelandet waren, die Mächtigen dieser Welt, um an den D-Day vor 70 Jahre zu erinnern. Es waren aber weniger die Bilder der Staatsmänner und -frauen, die bewegten, sondern vielmehr eine Umarmung zwischen einem ehemaligen deutschen Soldaten und einem früheren alliierten Kämpfer. Die einstigen Feinde sind Freunde geworden - mehr Symbolkraft kann ein Bild nicht haben.
Einen Tag später trat diese Symbolik erneut hervor, auf regionaler Ebene und ein paar Nummern kleiner, aber trotzdem von Bedeutung. In Haßfurt starteten auf dem Marktplatz zwölf Läufer zu einem Non-Stop-Lauf in das französische Saint-Paul-Trois-Châteaux.
Das ist die Partnerstadt von Eltmann und liegt im Distrikt Tricastin, dem Partner-Gebiet des Landkreises Haßberge. 1267 Kilometer legen die zwölf Sportler zurück, und sie haben eine Botschaft im Gepäck, die beim Start am Samstag kurz nach 18 Uhr in Haßfurt unterstrichen wird.
Kurt Sieber, früherer Bürgermeister von Königsberg und Kreisrat sowie Beauftragter des Landkreises für die deutsch-französische Partnerschaft und Vorsitzender des Freundeskreises Haßberge-Tricastin, bringt es auf den Punkt: Der Lauf sei ein "sehr großes Ereignis". Damit werde das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen dem Landkreis Haßberge und dem südfranzösischen Distrikt Tricastin begangen. Die Läufer, betont Sieber, trügen den "Willen hinüber, dass die Partnerschaft weitergeht". Seit 40 Jahren sei die Partnerschaft lebendig, sagt er. Am deutlichsten wird sie im stetigen Austausch von Schülern.
"Wege verbinden", setzt der neue Landrat Wilhelm Schneider (CSU) den Gedanken Kurt Siebers fort. Mit dem Lauf "werden Brücken geschlagen". Er hofft, dass die Freundschaft zwischen dem Landkreis Haßberge und dem Distrikt Tricastin weiterhin bestehen bleibt.
Die ersten Kilometer nach dem Start in Haßfurt läuft Wilhelm Schneider selbst mit. Er hat schon Marathonläufe absolviert und ist immer noch gut in Form. Für einen Marathon würde es derzeit zwar nicht reichen, gesteht er lächelnd unserer Zeitung, aber bis Gädheim will er mithalten. Und er hofft, dass er bei der Ankunft der Gruppe in Saint-Paul-Trois-Châteaux am Donnerstag dabei sein und erneut mitlaufen kann.
Am Ziel möchte auch Michael Ziegler mit von der Partie sein, allerdings nicht als Läufer. Der Eltmanner Bürgermeister und stellvertretende Landrat (auch CSU), der am morgigen Mittwoch nach Saint-Paul-Trois-Châteaux reist, hält viel von der deutsch-französischen Partnerschaft. Mindestens einmal im Jahr finde ein Treffen zwischen Vertretern aus Eltmann und aus der Partnerstadt statt, schildert er unserer Zeitung.
1267 Kilometer legt die insgesamt 18-köpfige Gruppe (zwölf Läufer, vier Fahrradbegleiter sowie zwei Techniker) zurück, hauptsächlich auf Radwegen entlang am Main, Rhein, Rhein-Rhône-Kanal, der Saône und der Rhône. Thomas Götz (ebenfalls als Läufer dabei) hat den Streckenverlauf ausgearbeitet und für die Navigationssysteme vorbereitet. Neben Götz sind als Läufer oder Radfahrer angetreten: Uschi und Richard Banner, Karin und Oliver Fesser, Andrea Fleischmann, Evi Motschenbacher-Hauck, Reinhold Hauck, Gudrun und Franz Heinrich, Rainer Kirchner, Stefan Michalicka, Olli Müller, Ulli und Matthias Pfuhlmann, Diethard Sahlender sowie Elisabeth Schneidawind und Thorsten Suckfüll.

Vier Teams

Die zwölf Läufer sind in vier Teams mit je drei Sportlern eingeteilt. Sie werden von einem Radfahrer begleitet, und für jede Gruppe steht ein mitfahrendes Wohnmobil (fürs Schlafen und die Versorgung) zur Verfügung.
Immer ein Läufer ist auf der Strecke. Jeder (jede) muss täglich etwa einen Halbmarathon absolvieren (gut 20 Kilometer). Am Ziel in Frankreich wird jeder Starter über 100 Kilometer zurückgelegt haben.
Ist das möglich? "Das werden wir schaffen, ganz sicher", zeigt sich Oliver Fesser optimistisch am Start. Der Schatzmeister des Freundeskreises Haßberge-Tricastin läuft selbst mit und hat im Vorfeld einen großen Teil der Organisationsarbeit erledigt. Dafür erhält er ein Lob des Vorsitzenden des Freundeskreises, Kurt Sieber: Der Lauf "ist geplant wie eine Weltraumfahrt."
Auch sich selbst hat Oliver Fesser in Form gebracht. Fünf Mal in der Woche hat er zuletzt trainiert. Rund 80 Kilometer hat er dabei pro Woche zurückgelegt. Er ist fit.
Etwas weniger hat Franz Heinrich trainiert. Aber er muss auch nicht laufen, sondern begleitet die Läufer mit dem Rad. Wenngleich: Er muss die dreifache Wegstrecke zurücklegen, denn der Radler begleitet jeden Läufer aus dem Team.
Sorge, dass es nicht klappt? Nein, auch Franz Heinrich ist zuversichtlich. Probleme könnte es vielleicht wegen des Tag-Nacht-Rhythmus‘ geben, spekuliert er, und spannend sei natürlich, wie es unterwegs wird, wie die Gruppe zusammenhält und wie das Wetter mitspielt.