Feiner Regen hängt in der Luft an diesem Samstagabend. Nicht die beste Assoziation zu Afrika, denkt man schlendernd über den Basar, der rund um die Kaiserpfalz aufgebaut ist.
Doch der Organisator der Afrika-Kulturtage 2017, Hubert Forscht, weiß Rat. "Im südlichen Afrika ist jetzt Regenzeit; da muss sich unsere Sängerin nicht umgewöhnen", verkündet er mit Blick auf das bald beginnende Konzert von Nomfusi Gotyana und ihrer Begleitband "Lucky Charms" im Innenhof der Forchheimer Kaiserpfalz.


Trommeln im Pfalzgraben

Zuerst aber locken die African Brothers Acrobatik aus Ghana. Zum Klang von Trommeln und Kuhglocken jonglieren sie, windet sich der eine durch einen Tennisschläger ohne Bespannung, wirbelt der andere in akrobatischen Sprüngen über das Gras des Pfalzgrabens. Das Publikum - dem Aussehen nach von allen Kontinenten - lässt sich gerne anstecken und imitiert die einfachen Tanzbewegungen begeistert.


Kalter Kaffee

Für andere dagegen sind die Stände mit afrikanischen Speisen der Anziehungspunkt schlechthin, gleich ob Ghana, Senegal oder Ostafrika als Herkunftsküchen angegeben sind. Kaffee aus Ostafrika oder Minztee aus dem Maghreb sind die interessantesten Getränke-Alternativen. An einem Stand erfahren die Gäste, dass gemahlene Kaffeebohnen auch kalt aufgesetzt werden können. Nach zwölf Stunden hat man ein reichlich koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk.


Wissens-Transfer

Gleich daneben sitzen Frauen in malerisch bunter Kleidung um eine Feuerstelle, auf der eine Kaffeekanne erhitzt wird, und plaudern. Sie sind der Blickfang für die "German Eritrean Training Partnership", eine von Erlanger Medizinern ins Leben gerufene Hilfsorganisation, die an ihre ostafrikanischen Kollegen Fachwissen besonders auf dem Gebiet der Gastroenterologie weitergibt, wie der Onkologe Jürgen Maiß aus Baiersdorf erläutert.
Breit vertreten ist bei den Ständen das Kunsthandwerk. Von marokkanischen Töpferwaren reicht das Angebot über viele modische Textilien bis zu Metall-Flechtkörben aus Südafrika und Schmiedearbeiten aus Madagaskar, um es in seiner geografischen Spannbreite zu beschreiben. Viele Produkte stammen aus Kooperativen Einheimischer, die so eine besondere Erwerbsmöglichkeit haben.
Doch zurück zur Hauptbühne: Forscht bemüht sich zusammen mit Tonbela die schwierigen Knacklaute der Xhosa-Sprache hervorzubringen, denn sofort anschließend wird Nomfusi sich bei ihren Liedern dieses südafrikanischen Idioms bedienen.
Und da wirbelt sie schon auf die Bühne, eine kleine zierliche Frau in Latexhose und traditionellem Turban. Es braucht zwar einen kleinen Anlauf, bis die meist in Regencapes gehüllten Zuhörer so richtig mitmachen. Aber dem Temperament der 28-Jährigen kann sich kaum jemand entziehen.


Queen of Soul

"Queen of Soul" nennt man sie und zu den Herzen will sie sprechen, wie sie selber auf Englisch ansagt. Das gelingt ihr im Konzert durch ihre ausdrucksstarke Stimme; aber auch ihre Lebensgeschichte berührt. Denn sie ist in einer Township von Port Elizabeth in schlimmen Verhältnissen geboren. Mutter und Tante hat sie als Kind als Aids-Opfer verloren, konnte aber dennoch eine Ausbildung als Buchhalterin machen, bis ihre Stimme entdeckt wurde...
Seit rund zehn Jahren tourt sie mit ihrer Begleitband "Lucky Charms" durch Afrika und Europa. Viele ihrer Lieder stehen im Kontext zum ersten schwarzafrikanischen Präsidenten ihres Heimatlands, Nelson Mandela.