Sabine Memmel Ein bisschen Weihnachtsdeko hat schon seinen Weg ins Zimmer gefunden. Neben den Tabletten, der Tasse Tee und ein paar Zeitschriften steht auf dem kleinen Esstisch nun ein goldener Weihnachtsengel. Auch ein kleiner künstlicher Weihnachtsbaum soll bald ins Zimmer einziehen, in dem es sich Hund Sunny, der tagsüber den Bewohnern Gesellschaft leistet, gerade bequem macht.

Die Vorfreude auf Weihnachten bei Waltraud Schön (95) aus Ebermannstadt und Rosemarie Wolf (80) aus Morschreuth ist groß. Seit zweieinhalb Jahren teilen sich die beiden Damen ein Zimmer im Pflegezentrum Fränkische Schweiz in Ebermannstadt. Der erste Lockdown war hart. "Meine fünfjährige Urenkelin habe ich seit Beginn des Jahres nicht gesehen", sagt Waltraud Schön traurig.

Ab sofort Corona-Schnelltests

Doch das wird sich jetzt ändern. An Weihnachten darf sie nach Hause zu ihren drei Söhnen. Genauso wie Rosemarie Wolf, die von ihrer Tochter abgeholt wird. "Ich freue mich schon auf die Gans", lacht Schön, die gebürtig aus dem Sudetenland kommt.

Ein Besucher pro Tag ist derzeit im Pflegezentrum erlaubt. Anders als in der Klinik selbst, die sich im selben Gebäude befindet. Hier herrscht aktuell absolutes Besuchsverbot. "Bei uns soll sich einfach niemand isoliert und einsam fühlen", begründet die Pflegedienstleiterin Andrea Schlegel. Seit über einer Woche werden alle Besucher einem Corona-Schnelltest unterzogen. "Auch die 44 Bewohner und das Personal wurden durchgetestet. Es waren alle negativ", sagt Schlegel. Alle zwei Wochen sollen die Tests nun wiederholt werden. Alles unter ständiger Absprache mit dem Landratsamt. Die Zusammenarbeit klappe laut Schlegel wunderbar.

Schöns Söhne und Wolfs Tochter kommen regelmäßig ins Pflegezentrum. Sie dürfen auch direkt aufs Zimmer kommen. Ganz anders ist es bei Erna Feterowski. Für sie ist es das erste Weihnachtsfest im Ebermannstadter Seniorenzentrum Fränkische Schweiz des Diakonischen Werks Bamberg-Forchheim. Die 87-Jährige wohnt hier seit August. In Schlesien zur Welt gekommen, lebte sie bis zuletzt in Forchheim.

Zunächst durfte sie ihre Kinder im Zimmer empfangen. Seit November gibt es allerdings einen speziellen Besuchsbereich. Hier müssen sich Angehörige telefonisch anmelden. Es darf nur ein Besucher pro Bewohner für gerade mal eine halbe Stunde kommen. "An einem Tisch zwar, aber durch eine Plexiglasscheibe getrennt. Vor der Scheibe fiel mir wenig ein und eine halbe Stunde ist ja fast nix", sagt Feterowski.

Deswegen nutzt sie jetzt die Möglichkeit, mit ihrem Besuch nach draußen zu gehen. "Natürlich mit Maske und den bekannten Regeln. Draußen dürfen wir uns einfach länger treffen. Und die frische Luft tut mir gut."

Ihre Vorfreude auf Weihnachten hält sich derzeit in Grenzen. Feterowski hat eine große Familie: Sie hat drei Kinder, sechs Enkel und drei Urenkel. "Ich weiß nicht, ob ich meine Urenkel sehen kann. Wir sind Weihnachten sonst immer alle einmal zusammen gekommen", schwelgt sie in Erinnerungen.

Besuchszeiten erweitern

Nun hofft sie, dass Besuche zu Weihnachten möglich sein werden. "Meine Kinder sind immer für mich da. Sie rufen auch regelmäßig an und kümmern sich." Wie sie die Weihnachtsfeiertage im Seniorenzentrum verbringt? "Es gibt schon jeden Tag Angebote, zum Beispiel basteln wir gemeinsam einen großen Adventskalender. Die werden sich schon was einfallen lassen."

Sorgen wegen Corona macht sie sich weniger wegen sich selbst, sondern besonders wegen der Kinder. "Meine Urenkel mit 2, 10 und 13 Jahren - werden Sie später einmal entsprechende Ausbildungsplätze finden?", gibt Feterowski zu bedenken.

Ralf Hartmann, der für die Betreuung verantwortliche Sozialpädagoge, blickt mit gemischten Gefühlen auf die kommenden vier Wochen. "Ich bin über 20 Jahre in Diensten der Diakonie, die Adventszeit war in all den Jahren nie die stade Zeit, sondern die Hoch-Zeit der Veranstaltungen. Es gab Jahre, da hatten wir jeden Tag eine andere Adventsveranstaltung zusätzlich zu unserem regelmäßigen Betreuungsprogramm", blickt er gerne zurück.

In diesem Jahr ist alles anders. Advent und Weihnachten werden nicht ausfallen, aber eingeschränkt stattfinden. Die Besuchszeiten sollen erweitert und nach Möglichkeit mehr Besuchsplätze angeboten werden. Der Zuspruch aus der Öffentlichkeit sei groß: "Eine Kindertagesstätte hat uns Hoffnungslichter geschickt, eine Grundschule Fensterbilder gebastelt, ein Tenor hat eine Weihnachts-CD eingespielt."