Die Geschichte der Ortsumgehung ist so alt wie die Republik. In Stadtsteinach erzählt man, dass sich schon "gleich nach dem Krieg" Johann ("Hans") Hümmer (1912 bis 2000), seines Zeichens Amtrat am Landratsamt Stadtsteinach, für den Bau einer Umgehung der Stadt eingesetzt habe. Er sei "bis nach Bonn gefahren", um die ersten Anträge zu übergeben. Damals sei aus der Straße aber nichts geworden, da sich Landwirte und Gewerbetreibende aus Stadtsteinach geweigert hätten, ihre Felder dafür herzugeben. Zudem befürchteten die Gewerbetreibenden Umsatzeinbußen. Seit dem 18. Februar ist jetzt die Regierung von Oberfranken am Zug.
Über die Vordringlichkeit des Baus einer Ortsumgehung sind sich heute alle Parteien im Stadtrat einig. Wobei das Projekt keine Angelegenheit des Stadtrats, sondern eine des Staatlichen Bauamts in Bayreuth ist, denn es handelt sich um eine Bundesstraße. Die Stadt ist jedoch als Träger öffentlicher Belange mitbeteiligt. Die Vorstellungen im Rathaus sind allerdings nicht alle deckungsgleich.


Die Bürger aktivieren

Die Freien Wähler wollen sich jetzt verstärkt engagieren und die Bürger aktivieren, sich für eine Aufstufung der Dringlichkeit der Umgehung im aktuellen Bundesverkehrswegplan einzusetzen (siehe Bericht gestern). Im Prinzip favorisieren sie eine Führung der Neubautrasse, bei der der Durchgangsverkehr aus Zaubach bis hinter Stadtsteinach ferngehalten wird.
Komplexere Vorstellungen hat die SPD/Offene Liste im Stadtrat. Deren Fraktionsvorsitzender Knud Espig erklärt dazu: "Unsere Fraktion ist seit Jahren bestrebt, die Ortsdurchfahrt von Stadtsteinach vom Schwerlastverkehr zu entlasten, die Situation der Anwohner zu verbessern und die Sicherheit der Bürger zu erhöhen. Hierfür kann eine Ortsumgehung, die auch die vitalen und touristischen Belange unserer Heimat berücksichtigt, eine Lösung sein."


Verbesserungen notwendig

Die SPD/OL kämpfe dafür, dass die Planung der Ortsumgehung diese vitalen und touristischen Interessen berücksichtigt. Hierzu müsse sie entsprechend abgeändert werden. So müssten Geländeeinschnitte und Aufschüttungen von bis zu elf Meter Höhe reduziert, Lärmschutzmaßnahmen optimiert, die Anbindung zum Steinachtal verbessert und weitere Querungsmöglichkeiten durch beziehungsweise über die neue Trasse geschaffen werden.
"Diese Verbesserungen wurden auch bereits nach Mehrheitsbeschluss des Stadtrats beim Staatlichen Bauamt eingefordert", so Espig. Ferner müssten Maßnahmen eingeleitet werden, "die verhindern, dass durch den dann an Stadtsteinach vorbeigeleiteten Verkehr unser Handel, unsere Gaststätten, unsere Gewerbe und unsere Serviceleister wirtschaftliche Nachteile erleiden".
Bis zu einer Realisierung der Ortsumgehung Stadtsteinach, die nach realistischer Einschätzung bis zu zehn Jahre dauern kann, sei es das Ziel der SPD/OL, "dass Entlastungsmaßnahmen wie der Einbau von Flüster- oder Matrixasphalt, die Einrichtung von Tempo-30-Bereichen und die Ausweisung von Tonnagebeschränkungen für den Schwerlast-Transit-Verkehr vorgenommen werden".


Zeitnah bis zum Kreisel

Auf die geplante Gesamtlösung Stadtsteinach-Zaubach werde man wohl zehn bis 15 Jahre warten müssen, schätzte CSU-Fraktionschef Klaus Witzgall die Lage bereits Ende 2014 ein. "Die CSU-Fraktion ist ganz klar für den zeitnahen Bau der Umgehung Stadtsteinach bis zum Kreisel, weil in Stadtsteinach die Hauptproblempunkte liegen." Diese seien am Marktplatz und an den dazugehörigen Steigungen und Gefällen.
Ab dem Kreisel in Höfles gibt es differenzierte Meinungen, da im weiteren Verlauf existenzbedrohende Einschnitte für Landwirte und starke Umweltbelastungen vorliegen. Wie in Untersteinach wird daher eine Abtrennung notwendig werden. "Im Bereich Zaubach sind berechtigte Klagen angekündigt", verdeutlicht Witzgall.


Macht Trennung Sinn?

In die gleiche Richtung, nämlich hin zu einer Abtrennung der Planung für den Bereich Zaubach, argumentierte auch der Landtagsabgeordnete Ludwig von Lerchenfeld (CSU) bereits im Oktober. Er berichtete von einem Gespräch mit Staatssekretär Gerhard Eck im bayerischen Innenministerium, nach dem "die vorliegenden Einwendungen darauf hindeuten, dass vor allem im nördlichen Bereich, mit dem Unter-/Oberzaubach umfahren werden sollte, noch Detailfragen zu klären sind". Um nicht die Gesamtmaßnahme zu gefährden, sei auch eine Teilung der Maßnahme vorstellbar, so Lerchenfeld.