Bei der zweiten konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung Sinntal ist Brigitte Hartmann (BWG) zur neuen Vorsitzenden gewählt worden. Der Wahl der ersten Frau an der Spitze der Gemeindevertretung waren Unstimmigkeiten innerhalb des Parlaments sowie der Abbruch der Sitzung vor nunmehr zwei Wochen vorausgegangen.

Bereits am 26. April hatte sich die Sinntaler Gemeindevertretung zusammengefunden, um sich zu konstituieren. Als Kandidat der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG), mit zehn Sitzen stärkste Kraft im Parlament, war Wilhelm Merx, Ortsvorsteher von Sterbfritz, zur Wahl angetreten. Mit 13 Gegenstimmen bei zwölf Ja-Stimmen war der Kandidat der BWG jedoch von der Gemeindevertretung abgelehnt worden, woraufhin die konstituierende Sitzung abgebrochen worden war.

Dass die Wahl von Wilhelm Merx im ersten Wahlgang gescheitert ist, bezeichnet BWG-Fraktionsvorsitzender Mike Richter nach wie vor "der parlamentarischen Arbeit für unwürdig". Merx sei ein versierter Kommunalpolitiker, der sich engagiert für die Belange der Bürger einsetze. "Wir wollten, dass er dies weiterhin motiviert angeht und haben ihn deshalb aus dem unfairen politischen Kreuzfeuer genommen", erklärt Richter die Entscheidung, Merx nicht erneut als Kandidaten für den Vorsitz der Gemeindevertretung aufgestellt zu haben.

Mit 16 Ja-Stimmen bei acht Enthaltungen ist nun Brigitte Hartmann zur Vorsitzenden der Gemeindevertretung gewählt worden. Nachdem sie ihren Platz neben Bürgermeister Carsten Ullrich (SPD) vor den Gemeindevertretern eingenommen hatte, richtete sie Dankesworte an das Parlament und die rund 20 anwesenden Gäste: "Ich bedanke mich bei Ihnen für das entgegengebrachte Vertrauen der soeben erfolgten Wahl, auch wenn mir nicht alle Gemeindevertreter aus persönlichen oder politischen Gründen ihre Stimme geben konnten."

Hartmann verband mit ihrem Dank auch die "hoffnungsvolle Erwartung einer respektvollen Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen". Diese sei wichtig, um die Herausforderungen für die Entwicklung der Gemeinde zu meistern. Leider werde zu oft vergessen, dass die Bereitschaft, Gemeindevertreter zu sein, eine freiwillige Tätigkeit sei, die dem Einzelnen einiges abverlange. Deshalb freue sie sich, neue und junge Gesichter in der Gemeindevertretung zu sehen. "Es liegt jetzt an uns, in den nächsten fünf Jahren kritisch, aber konstruktiv zu handeln, um das Vertrauen in die Politik zu sichern und zu stärken. Als gewählte Vorsitzende der Gemeindevertretung werde ich das mir Mögliche dazu beitragen", schloss Hartmann.

20 Jahre Erfahrung

"Mit Brigitte Hartmann haben wir eine Frau mit großer kommunalpolitischer Erfahrung in den Ring geschickt, die ihren Posten ausfüllen wird", betont Richter. Hartmann kann auf 20 Jahre Erfahrung als Kommunalpolitikerin zurückblicken.

Der Vorsitz der Gemeindevertretung stellt zugleich den Beginn ihrer dritten Amtszeit als Gemeindevertreterin dar. Zuvor war sie Ortsbeiratsmitglied und fünf Jahre Ortsvorsteherin in Weichersbach. Von 2006 bis 2016 war sie Mitglied der Gemeindevertretung. Zuletzt war sie als Beigeordnete im Gemeindevorstand tätig, aus dem sie nun ausschied. Hartmann ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder sowie drei Enkel.