Für Kinder psychisch kranker oder stark belasteter Eltern, die von der Geschwister-Gummi-Stiftung betreut werden, sind Stabilität, Strukturen und Verlässlichkeit besonders wichtig. Ehrenamtliche Paten können mit ihrer Zeit, Geduld und Wertschätzung einen Beitrag zur gesunden Entwicklung der Mädchen und Jungen leisten.

Ein Brettspiel, ein Kochabend oder eine Fahrradtour: Die Interessen und Bedürfnisse von Kindern sind wohl so unterschiedlich wie sie selbst - und wie ihre Paten. Im Projekt "DoMiNo" der Gummi-Stiftung begleiten Paare, Familien oder Alleinstehende Kinder und Jugendliche, die psychisch kranke oder emotional belastete Eltern haben und dort entweder ambulant oder stationär betreut werden. Für Kinder sind die geschenkte Zeit und die Aufmerksamkeit besonders wichtig.

Großes Herz gefragt

"Die Paten nehmen die Kinder mit in einen normalen Familienalltag. Sie sind für ihre Patenkinder da", weiß Sandra Klötzer, die das Projekt leitet. Dabei benötige es kein pädagogisches Vorwissen, sondern nur ein großes Herz. Zuverlässigkeit und die Bereitschaft regelmäßig und langfristig für ein Kind da zu sein, seien ebenso Voraussetzung für eine Patenschaft. "Ein Stück weit sollte man auch emotional belastbar sein", rät Klötzer. "Denn jedes Kind bringt eine Geschichte mit."

Karin (Name geändert) lässt ihr Patenkind auf sie zukommen, wenn es das Bedürfnis hat. Detailliert geplante Ausflüge seien eine Seltenheit, der "Trott" im Alltag der Familie biete dem Mädchen dagegen Sicherheit und Verlässlichkeit. Die Unsicherheit vor Beginn der Patenschaft sei bei ihrer Familie groß gewesen. Durch das gegenseitige Kennenlernen, viele Gespräche und Unterstützung durch das Team der Gummi-Stiftung "ziehen heute alle mit", erzählt die Patin.

Nach den jeweiligen Bedürfnissen und Interessen wählt Sandra Klötzer die passenden "Duette" aus. "Manche Kinder brauchen für sich den Kontakt zu anderen, manche benötigen ungeteilte Aufmerksamkeit. Manche wollen aktiv sein und Fußball spielen, andere brauchen jemanden zum Vorlesen oder Reden."

Der erste Kontakt zwischen Paten und Kind findet gemeinsam mit dem Fachpersonal statt: Spiele, Basteleien und Gespräche sind hier oft die Regel. Erst, wenn beide der Patenschaft zustimmen und eine erste Verbindung zueinander aufgebaut haben, kann ein regelmäßiger Umgang auch alleine erfolgen.

"Sie vertraut mir"

Dieser ist für Patin Alexandra und den ihr anvertrauten siebenjährigen Jungen längst selbstverständlich. Neben dem gemeinsamen Kochen, Spielen und Basteln kuschelt er gerne mit ihr auf dem Sofa. "Es ist sehr erfüllend und es macht Spaß, Zeit mit ihm zu verbringen", erzählt sie. "Natürlich ist es auch anstrengend. Ich habe selbst keine Kinder und musste mich erst darauf einstellen, er ist ein quicklebendiger Junge." Manchmal müsse sie ihm auch Grenzen setzen - etwa bei den Hausaufgaben.

Alexandra kennt sogar die Mutter des Jungen. Die beiden tauschen sich oft aus, man könne sogar von einer Freundschaft sprechen. "Sie vertraut mir."

Für Fragen im Vorfeld und während der Patenschaft stehen Sandra Klötzer und ihr Team jederzeit zur Verfügung. Normalerweise finden ein regelmäßiger Fach- und Erfahrungsaustausch statt. Derzeit sind coronabedingt jedoch nur Einzelgesprächen möglich.

Dem gemeinhin verbreiteten Irrtum, während der Corona-Krise seien neue und zusätzliche Kontakt nicht notwendig, steht der erhöhte Bedarf an Zuwendung für Kinder und Jugendliche entgegen: Der Wegfall vieler Sport- und Freizeitangebote bedeutet auch, dass wertvolle Alltagsstrukturen und Chancen zur Kompensation fehlen. Auch der regelmäßige Umgang mit Freunden und Bezugspersonen außerhalb des familiären oder pädagogischen Umfelds wird erschwert. Umso wichtiger sind deshalb die Patenschaften der Geschwister-Gummi-Stiftung durch Ehrenamtliche.

Mehr Informationen finden Interessierte im Internet unter www.gummi-stiftung.de/domino und bei Sandra Klötzer, Telefon 09221/828212. red