Tradition hat in der evangelischen Kirche der zeitlich befristete Posten des Urlauber- und Kurseelsorgers, der im Sommer für mehrere Wochen eine bestimmte Gemeinde betreut. Die vakanten Stellen werden in der Regel bereits viele Monate vorher ausgeschrieben, interessierte Geistliche können sich bewerben.

In diesem Jahr ist in Bad Brückenau Pfarrer i.R. Peter Michael Fischer zu Gast, der bei seinem Abstecher in die Rhön von seiner Ehefrau Regina begleitet wird. Dem Paar, das in Wanne-Eickel wohnt, ist der Freistaat mittlerweile schon ans Herz gewachsen. "Bis auf eine Ausnahme sind wir seit 2008 regelmäßig an etlichen Orten in ganz Bayern tätig gewesen, und zwar vom nördlichsten Franken bis hin zu den Alpen", weiß der 67-Jährige aus der abwechslungsreichen Vergangenheit zu berichten. "Die Ziele suchen wir immer gemeinsam aus", ergänzt seine Frau.

Bayern als "gelobtes Land"

Nach Fischers Erfahrungen bietet Bayern für Urlauber- und Kurseelsorger bundesweit nicht nur die meisten Stellen an, hier finde er "auch in finanzieller Hinsicht" beste Bedingungen vor. Darüber hinaus habe er in über einem Dutzend Jahren die gesamte Bandbreite des Gemeindelebens in diesem Bundesland kennengelernt. Da gäbe es doch je nach Region und Mentalität der Menschen schon spürbare Unterschiede.

Auch Fischer hat im Laufe seiner Zeit als Urlauber- und Kurseelsorger festgestellt, dass die Frequenz der Gottesdienstbesucher abgenommen hat, "und zwar nicht erst seit Corona". Früher seien wirklich noch vermehrt Personen bei den Predigten anzutreffen gewesen, für die ein Gottesdienst am Ferienort auch eine gewisse Form der Abwechslung und inneren Einkehr darstellte. "Heute kommen größtenteils nur noch diejenigen Leute, die auch an ihrem Heimatort am Sonntag regelmäßig in die Kirche gehen."

Zeitgemäßes Angebot bieten

Mittlerweile völlig gestrichen aus seinem Repertoire hat der Geistliche weitergehende Gesprächskreise oder Vorträge, "die aktuell überhaupt nicht mehr gefragt sind".

Der Pastor aus Wanne-Eickel überlegt: "Vielleicht sollten andere Veranstaltungen am Urlaubsort direkt mit den spirituellen Angeboten verknüpft werden." Einiges werde in diesem Zusammenhang auf gemeindlichen Ebenen schon erfolgreich praktiziert. Da reiche die Palette der Ideen von der Wanderung bis hin zum Wirtschaftsseminar. Endgültig bewerten will er diese relativ neue Entwicklung aber noch nicht.

Bis einschließlich 22. August hält sich das Ehepaar Fischer in Bad Brückenau auf. Diverse Gottesdienste wird der Pastor sowohl in der Friedenskirche in der Stadt als auch in der Christuskirche im Staatsbad halten und darüber hinaus bei den Sprechstunden der Kurseelsorge in der Villa Schwan präsent sein.

Für die verbleibende Freizeit existieren bei den Fischers auch schon ganz konkrete Pläne: "Wir wollen mehrere Bekannte in der Region besuchen und unbedingt noch einmal eine Tagestour nach Erfurt unternehmen". Und da das Essen bekanntlich Leib und Seele zusammenhält, werden sich die gebürtigen Westfalen natürlich vorrangig mit bayerischen Köstlichkeiten stärken.