von unserer Mitarbeiterin heike schülein

Kronach — "Die CSU hat nur plumpe Argumente" oder "Die CSU ist in sich uneinig, unprofessionell, unvorbereitet und enttäuschend": Es ist harte Kritik, die der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag von den Fraktionsvorsitzenden der SPD, der Grünen und der Freien Wähler entgegenschlägt - festgehalten im "Blättla". Verantwortlich dafür, dass die neuesten Infos in Sachen Gesetzesentwurf zur Bekämpfung der Jugendkriminalität in Bayern schnell an die Leser gebracht werden, zeichnen die vier Jung-Redakteure Moritz Kühnel, Pascal Rost, Nadja Grasser und Markus Vereschinski.
Die angehenden Elektroniker beteiligten sich - wie rund 70 weitere Schüler verschiedener Ausbildungsrichtungen - am Planspiel "Der Landtag sind wir! - parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren". Das interaktive Lernprojekt - eine Kooperation des Bayerischen Landtags und der Forschungsgruppe Jugend und Europa - gibt es seit 2006. Die Ausgangskonstellation, die Spielregeln und das Szenario werden im Vorfeld festgelegt. Das Spielergebnis aber bestimmen die Teilnehmenden selbst. Ausgehend von einer fiktiven Ausgangssituation schlüpften die vier in die Rolle der Pressevertreter und begleiteten die in den verschiedenen Klassenzimmern abgehaltenen Fraktions- und Ausschuss-Sitzungen bis hin zur Abstimmung über die Beschlussempfehlung.

Reichlich Diskussionsstoff

Und darum ging es: In ihrem Gesetzentwurf fordert die CSU ein beschleunigtes Strafverfahren und den Ausbau des Jugendarrests für straffällig gewordene Jugendliche. Dieser Gesetzentwurf wurde im Ausschuss für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport behandelt. Die CSU schlug vor, dass jugendliche Täter spätestens sechs Wochen nach einer Straftat vor Gericht müssen, die SPD plädierte auf eine Verhandlung nach spätestens vier Wochen.
Außerdem wurde über die Zahl der Jugendarrestplätze in Bayern diskutiert. Diese soll - auf Antrag der CSU - von derzeit 183 auf 500 erhöht werden. Hier setzte sich die SPD dafür ein, Jugendarrestplätze abzubauen und die Strafen zu mildern. Für Diskussionsstoff war also reichlich gesorgt.
Den teilnehmenden Schülern wurden verschiedene Rollen mit einem individuellen Rollenprofil zugeteilt. Moritz Kühnel, Pascal Rost, Nadja Grasser und Markus Vereschinski durften sich ihre fiktiven Rollen als Pressevertreter aber aussuchen. "Wir haben uns freiwillig gemeldet, weil uns das schon immer interessiert hat", erklären die "Presseleute".

Viel gelernt

Ihre Arbeit war durchaus stressig. "In den Sitzungen haben alle so schnell geredet, da konnte man gar nicht so schnell mitschreiben", meint Pascal. Moritz schließt sich ihm an: "Die waren wirklich voll dabei, als ob sie tatsächlich im Landtag seien", lacht der Auszubildende. Die vier 18-Jährigen fanden das Planspiel eine gute Sache, obwohl es sechs Schulstunden dauerte. In spielerischer Art und Weise habe man gelernt, wie eine solche Beschlussfassung abläuft - von der ersten Diskussion bis zur Abstimmung. Ob sie sich später einmal politisch engagieren, wissen sie noch nicht genau. "Interessant ist das schon. Momentan haben wir aber einfach nicht die Zeit. Wir gehen auf die Arbeit und in die Berufsschule. Außerdem sind wir noch in Vereinen oder machen Sport", erklärten sie.
Betreut und "angelernt" wurden die rund 70 Schüler durch drei Mitarbeiter der Forschungsgruppe Jugend und Europa (FGJE) der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Das Projekt eignet sich für alle Schularten ab der 8. Klasse.
"Live"-Einblicke gaben die Landtags-Abgeordneten Ulrike Gote (Bündnis 90/Die Grünen) und Klaus Adelt (SPD). Adelt legte den Schülern ans Herz, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. So sah es auch Gote, die appellierte: "Engagieren Sie sich für die Allgemeinheit. Es gibt die vielfältigsten Möglichkeiten."

Besseres Verständnis

Seitens der Schule zeichnete die Lehrerin Ursula Lieb für die Veranstaltung verantwortlich. Sie hoffte, dass bei den Schülern durch das eigene Handeln und Nachspielen die komplexen Zusammenhänge des politischen Handelns deutlich geworden seien.