Schafe und Ziegen, aber auch motorisierte Spezialmäher leisten wichtige Dienste in der Landschaftspflege im Landkreis Kronach. Der Landschaftspflegeverband Frankenwald, Landkreis Kronach (LPV) organisiert Landschaftspflegearbeiten, die in der Regel von ortsansässigen Landwirten ausgeführt werden. Er ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, in dessen Vorstand Vertreter aus Landwirtschaft, Kommunalpolitik, und Naturschutz mit gleichen Rechten und Pflichten vertreten sind.
Seit 1992 besteht der LPV. Wir waren mit dem Geschäftsführer Dietrich Förster unterwegs und zogen Bilanz mit ihm. Der LPV arbeitet erfolgreich. Jährlich werden so Arbeiten für mehr als 170 000 Euro (2015 waren es 170 450 Euro) für die Landschaftspflege und Erhalt der Artenvielfalt und besonderen Landschaftskultur vergeben.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass großflächige Standardkonzepte wenig erfolgreich sind. Behutsame Konzepte, die vor Ort entwickelt werden, beziehen dagegen die speziellen Eigenarten jeder Biotopfläche ein. Dabei kann man jeweils den vorhandenen Pflanzen- und Tierbestand optimal berücksichtigen. Der LPV Frankenwald Landkreis Kronach hat sich deshalb zweierlei zur Aufgabe gemacht: "Zunächst wollen wir bestehende Flächen mit Pflegemaßnahmen erhalten und zudem neue, miteinander vernetzte Lebensräume anlegen. So gewinnen weite Bereiche unserer heimischen Kulturlandschaft an Wert."
Die Anlage und Pflege von Biotopen wird aus verschiedenen staatlichen Programmen unterstützt. Das Bayerische Umweltministerium gibt in der Regel einen Zuschuss von 70 Prozent der Kosten. Weitere 15 Prozent werden vom Landkreis zur Verfügung gestellt. Die restlichen 15 Prozent sind Eigenanteil für die jeweilige betreffende Kommune oder auch Privatbesitzer.
Aufgrund der Landschaftsentwicklung und der heute reich strukturierten Kulturlandschaft weist der Frankenwald einen besonderen Artenreichtum auf und bietet auch vielen seltenen Arten Lebensraum. Im Rahmen der Landschaftspflege entsteht eine Vielfalt an wertvollen Erzeugnissen. Sie alle werden umweltverträglich hergestellt, überzeugen durch hervorragende Qualität und werden als Spezialitäten in der Region vermarktet. Der Verbraucher leistet mit dem Kauf dieser Produkte seinen Betrag zur Pflege und Erhaltung der Kulturlandschaft Frankenwald.
Mit Dietrich Förster besuchten wir die Schafe- und Ziegenzuchtgemeinschaft Bahr-Biedermann in Weißenbrunn und den auf Hangmäharbeiten spezialisierten Udo Bätz im Grümpeltal. Circa 15 Hektar Wiesen in schwer zugänglicher Hanglage mäht Udo Bätz mit seinem motorisierten Spezialfahrzeug. Im ähnlich schwierigen Terrain halten sich die Rassetiere von Dieter Bahr und Ulrich Biedermann auf Wiesen und vorher entbuschten Hanglagen auf. Die Beweidungsflächen werden über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm gefördert. Über Landschaftspflege erfolgte die vorausgegangene Entbuschung, das heißt die Vorbereitung der Flächen zur Beweidung. Angefangen haben beide im Jahr 2007 mit Rhönschafen (heute zehn an der Zahl mit Bock und Nachzucht) und Waldschafen (heute 16 mit Bock und Nachzucht) und 2011 kamen Burenziegen dazu (heute vier Mutterziegen, ein Bock, sieben Lämmer). Ihre Flächen die von den vierbeinigen Mähern abgegrast werden, erstrecken sich auf circa 14 Hektar.
Ulrich Biedermann hielt schon länger Schafe und Ziegen und weil es schwierig ist, irgendwann mal in Urlaub zu fahren kam die Idee der Zuchtgemeinschaft auf, erzählen sie und arbeiten seit 2007 zusammen. Die Burenziegen sind friedfertige Tiere und sind außerdem als gute Fleischrasse bekannt. Zur Motivation der Schafhaltung sagen sie, Rhön- und Waldschafe sind in ihrer Rasse bedroht. Ein weiterer Grund ist natürlich neben dem Einsatz in der Beweidung an sonst schwer zugänglichen Hanglagen, die Fleischgewinnung: "Ihr Fleisch ist bei Gourmets anerkannt, wir suchen aber immer noch Metzger, die regionale Fleischerzeugnisse in hoher Qualität anbieten möchten", erklären sie und meinen, dass es wohl noch nicht so publik seit, dass sie im Landkreis Kronach solche Nutztiere züchten. Dass Bedarf in der Landschaftspflege im Frankenwald vorhanden ist, zeigen die jährlichen Planungen, die über das Machbare hinausgehen. eh