Michael Busch Ein wenig unwohl fühlt sich der Kunde schon, wenn er beherzt den Einkaufswagen aus dem Depot holt, um seine Einkäufe auf de Weg durch den Supermarkt in Selbigen zu verstauen. Vor allem beim Griff, fragt man sich schon mal, wer zuvor diesen Wagen geschoben hat. Ob vielleicht eine Corona-Gefahr droht?

"Das Thema hat uns beschäftigt", gibt Ingo Gartner zu. Denn in der Coronazeit seien die Menschen vorsichtiger und empfindlicher als zuvor. Zwar haben viele Märkte schnell reagiert und Desinfektionsmittel an den Eingängen angebracht, aber der Wagen, da dieser letztlich von Hand zu Hand gereicht wird, war nicht jedem geheuer.

"Die Einkaufswagen stellen einen direkten Kontaktpunkt für den Endkunden dar und beeinflussen sie daher im Vorfeld bei ihrer Entscheidung für den Besuch eines bestimmten Geschäftes", bringt es der geschäftsführende Gesellschafter der IG Franken Gebäudereinigung, Ingo Gartner, auf den Punkt. Bereits im März habe das Unternehmen entsprechende Gespräche mit Besitzern von Märkten geführt, um eine Lösung für dieses Problem zu finden.

Eine mobile Station namens "reiner", die den Griff desinfizieren kann, wurde nun beim Herzogenauracher Edeka Bächmann vorgestellt und in Betrieb genommen. Ein kreativer Erfindergeist führte zu einer Station auf vier Industrierollen, um an jeglicher Stelle im oder vor dem Markt diese Dienstleistung zur Verfügung zu stellen. Marktleiter Dominic Muscara ist begeistert: "Die Station gefällt mir auch optisch." Wichtig: Durch die runden Oberflächen besteht kein Verletzungsrisiko.

Experimente für die Sicherheit

Unter dem Eindruck Coronas hatten die "Erfinder" nicht allzu viel Zeit, um die Idee umzusetzen. Dennoch dauerte es bis August bis der erste Prototyp in die Testphase gehen konnte. "Gerade das Desinfektionsmittel beschäftigte uns einige Zeit", gibt Gartner zu. Das eine Mittel beinhaltet Chlor, das griff die Stangen an, das andere Mittel war mit zuviel Alkohol versetzt, die Brandgefahr bei der Zerstäubung war zu groß.

Nun ist es ein Mittel, das perfekt für die Wagendesinfektion ist, aber auch keinen Schaden anrichtet, wenn jemand auf den aktivierenden Schalter tritt und seine Hände nicht rechtzeitig weggenommen hat. "Das ist kein Problem, aber wir haben an der Station auch ein Mittel angebracht, was schonender ist", weist Gartner auf die angebrachte, handelsübliche Desinfektionsflasche hin. Warnschilder weisen dennoch darauf hin, dass zum Beispiel auf ihre Kinder aufpassen sollten. Denn mit den Kleinwagen und bei einer Größe unter 1,20 Meter könnten Kleinwagen und Kleinkind zusammen desinfiziert werden.

"Es wird eine Weile dauern, aber ich bin mir sicher, dass die Kunden das Angebot annehmen werden", erläutert der Marktleiter. Die Station passe sich letztlich hervorragend in das bestehende Hygienekonzept ein. In dem Herzogenauracher markt werde sehr genau darauf geachtet, ob die Maskenpflicht beachtet wird, ob die Abstände eingehalten werden. "Der Kunde hat diese Regeln mittlerweile auch gut akzeptiert", sagt Muscara und ergänzt, dass es so gut wie keine Beanstandungen gebe.

Ohne Corona auch verwendbar

Und tatsächlich: Nach wenigen Minuten betrachten drei Jugendliche die Station genauer. Zwar ohne Einkaufswagen, aber das Händedesinfektionsmittel wird schon mal genutzt. Bei weiterer Beobachtung stellt der Betrachter fest, dass es immer einen braucht, der den Anfang macht. Sobald ein Kunde die Station anfährt, stellen sich weitere an, um den eigenen Wagen ebenfalls zu desinfizieren.

Im rostfreien Edelstahl-/Aluminiumkorpus des Geräts versteckt sich allerdings noch eine weitere, attraktive Zusatzfunktion, erklärt Gartner. "Die Station verfügt serienmäßig über ein zweites, autarkes Schlauch- und Düsensystem. Dieses ist mit Hochdruckleitungen einschließlich 15 integrierten Spezialdüsen ausgestattet und an ein Hochdruckpumpensystem gekoppelt." Es können nicht nur mit einer Kanister-Füllung bis zu 700 Desinfektionen ermöglicht werden, es kann bei der Verwendung von Wasser auch eine komplette Wagenwäsche vollzogen werden. Somit bleibt das rund 5000 Euro teure Gerät auch nach der Coronazeit eine Anschaffung, die nicht in den Keller wandern muss, sondern weiter genutzt werden kann.

Für Gartner, der in der Region mit seiner Firma einige Objekte mit Hygieneschutzmaßnahmen betreut, gibt es aber noch weitere Aufgaben. "Wir haben noch einige Ideen." Auch unabhängig von Corona.