Auf ein ganzes Jahrhundert Zeitgeschichte kann Rosa Vogel aus eigenem Erleben zurückblicken: die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg, die Gründung der BRD, der Fall der Mauer, die Wiedervereinigung, das Wirtschaftswunder und die Weltwirtschaftskrise sowie unzählige weitere politische und gesellschaftliche Ereignisse. Alle diese historischen Meilensteine hat die zauberhafte alte Dame miterlebt.

Dabei käme beim Betrachten der liebenswerten Seniorin wohl niemand ernsthaft auf die Idee, dass diese bereits 100 Lenze zählt. Vielmehr strahlt sie noch immer Lebensfreude, gepaart mit einer in sich ruhenden Gelassenheit, Fröhlichkeit sowie tiefem Gottvertrauen aus.

Rosa Vogel stammt aus dem Sudetenland. Nachdem sie nach dem Krieg aus ihrer Heimat vertrieben wurde, kam sie mit ihrer Tochter Gitta - damals noch ein Baby - in Zopten, einem Ortsteil von Probstzella, unter. Leider blieb ihr erster Mann im Krieg. In Zopten lernte sie ihren späteren zweiten Ehemann Bruno Vogel kennen. Beide zogen nach ihrer Heirat im Jahr 1949 nach Ludwigsstadt in das Itting-Gebäude, wo die Jubilarin noch immer lebt. 1950 kam Tochter Bärbel auf die Welt. Leider verstarb Bruno Vogel bereits vor rund 50 Jahren. Mittlerweile komplettieren drei Enkel, acht Urenkel sowie mit dem kleinen, am 1. Juli dieses Jahres geborenen Ilyas sogar ein Ururenkel die große Familie.

Rosa Vogel leitete zunächst die Milchhalle in Ludwigsstadt und zeichnete dabei insbesondere für den Verkauf zuständig. Später verdingte sie sich bis zu ihrem Ruhestand mit etwa 85 (!) Jahren bei der Firma Itting.

Zu den Hobbies der sehr geselligen und kontaktfreudigen, in Ludwigsstadt allseits geschätzten und beliebten Jubilarin zählt nach wie vor das Stricken. Noch immer versorgt sie all ihre Lieben mit kuschlig-warmen Socken. Alle zwei Wochen, immer dienstags, besucht sie das Kaffeekränzchen im BRK-Seniorenhaus Ludwigsstadt, wo sie ein gerngesehener Gast ist.

Treppensteigen mit "links"

Rosa Vogel versorgt sich komplett selbst und erledigt alle Dinge des täglichen Lebens sowie im Haushalt anfallende Arbeiten ohne fremde Hilfe. Auch die vielen Stufen, die zu ihrer Wohnung in der dritten Etage hinaufführen, meistert sie scheinbar mit "links". Sie geht eigenständig einkaufen, zum Friseur und - als tiefgläubige Christin - regelmäßig zum Gottesdienst.

"Ich danke jeden Abend meinem Herrgott für den guten Tag und die gute Nacht und bitte ihn darum, wenn es geht, mich noch ein wenig leben zu lassen", erzählt die Jubilarin, die trotz aller Schicksalsschläge immer mit großem Gottvertrauen positiv und voller Optimismus nach vorne geschaut hat. Sehr interessiert zeigt sie sich nach wie vor auch am städtischen sowie weltlichen Geschehen, wobei das Zeitungslesen "natürlich" für sie zu ihrem Tagesablauf zählt.

Besonders freute sie sich an ihrem Ehrentag über die Glückwünsche ihrer Familie sowie vieler weiterer Gratulanten. Für die Stadt Ludwigsstadt gratulierte Bürgermeister Timo Ehrhardt herzlich. Er überreichte ein Geschenk seitens der Stadt und zudem eine schöne Patrona-Bavariae-Silber-Münze im Auftrag des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Die Segenswünsche des Landkreises Kronach entrichtete Landrat Klaus Löffler, der die Jubilarin ebenfalls beschenkte. Beide wie auch Dekan Thomas Hauth, der namens der Pfarrei Ludwigsstadt gratulierte, wünschten der überaus rüstigen Jubilarin noch viele erfüllte Jahre bei bestem Wohlergehen und weiterhin guter Gesundheit. hs