von unserem Mitarbeiter Klaus Klaschka

Kronach — Der demografische Wandel ist kein drohendes Problem, sondern lediglich eine kreative Aufgabe. Und die Demografie Pilotregion Oberfranken, das ist der Landkreis Kronach, ist seit 2014 eine von 55 ausgewählten Regionen in Deutschland, die eine andere Sichtweise umsetzt. Auf Einladung der Aktionsgemeinschaft "Engagierte Stadt Kronach" dröselte in diesem Sinn Uwe Amrhein, Leiter des Generali-Zukunftsfonds, im Pavillon der Sparkasse Knoten auf, wie dies aussehen wird.
"Es wird Änderungen geben - aber nicht, weil wir es tun müssen, sondern weil wir es wollen. Und das ohne Abstriche von dem, was wir als Lebensqualität empfinden", sagte Amrhein. Die Voraussetzungen für die Umsetzung seien regional schon vorhanden. Es gelte nur, diese effektiv zu vernetzen. Hier ein Projekt, dort ein Projekt - das führe nicht zu dauerhaften Lösungen. "Projekte stagnieren oder gehen unter, sobald die Subventionsphasen auslaufen." Es sei bekannt, so Uwe Amrhein weiter, dass der Generationenvertrag ab 2030 nicht mehr funktioniere. Dann würden die "Babyboomer" (die in den 1960er-Jahren Geborenen) in den versorgungsberechtigenden Ruhestand gehen. Dann müsste ein Erwerbsfähiger aus den geburtenschwächeren Jahrgängen sich, einen Rentner und die Kosten der Energiewende finanzieren.


Problem nicht politisch lösbar

Dennoch sei es falsch, jetzt von "Überalterung" zu reden, denn die Alten seien nicht die Alten von früheren Zeiten. Im Allgemeinen fühlten sie sich fitter, besser gesagt, angetriebener, sich weiterhin nach ihren Interessen und Fähigkeiten zu betätigen. Man sollte eher von "Unterjüngerung" sprechen, denn bei höheren Geburtenraten wäre das Problem nicht vorhanden. Aber dieses Problem sei offensichtlich nicht gesamtstaatlich politisch lösbar. Egal, welche Familien- und sonstigen Förderungen eingeführt wurden: Die Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau ist nicht gestiegen.
Die Lösung liege also im Regionalen, so Uwe Amrhein. Und dabei brauche man einen neuen Arbeitsbegriff zu drei Teilen: Erwerbsarbeit (gegen Lohn), Arbeit in der Familie (Haus, Kinder usw.) und Arbeit im öffentlichen Raum (bürgerliches Engagement, Ehrenamt). Der Mensch sei tatsächlich so gepolt, dass er Arbeit als "im Angesicht anderer tätig sein" versteht. Und das unabhängig vom Lebensalter. In den beiden letzten Verständnissen von Arbeit liege genau das gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Potenzial der Älteren.
Das verbreitete Pauschalbild vom Rentner, der entweder das ganze Jahr nur auf Kreuzfahrt ist oder aber sich einsam am Rollator durch die Gassen quält sei nicht die volle Realität. Seriöse und repräsentative Erhebungen des Allensbacher Forschungsinstituts ergäben ein ganz anderes Bild. Demnach hätten, ganz grob gesagt, die Hälfte der Versorgungsberechtigten das Bedürfnis, sich weiterhin ("im Angesicht anderer") zu betätigen. Davon die Hälfte hat dies bereits früher getan, die andere Hälfte beginnt damit erst ab dem 65. Lebensjahr.
Unter dem Mantel der Demografie Pilotregion Oberfranken vernetzen sich derzeit die Aktionsgemeinschaften "Kronach Kreativ" und "Engagierte Stadt Kronach" ganz konkret. Eine große Anzahl von Vereinen, karitativen Organisationen, Bildungsträgern, auch Banken und die Kirchen schließen sich zusammen, nutzen immer mehr gemeinsam spezielle Fähigkeiten und Ressourcen.
In Kronach gibt es derzeit fünf Handlungsfelder. Eine Bestandsaufnahme ist derzeit in Arbeit, wobei man noch bis Monatsende auf den Rücklauf der Fragebogen wartet. Dann muss die Kommunikation angekurbelt werden, wofür ein Marketing-Manager gesucht wird. Das Zusammenwirken wird gefördert; die Caritas wird in der Stadt eine Beratungsstelle schaffen für an Mitarbeit Interessierte. Von Seiten der Bildungsträger werden Qualifizierungen und Coachings ermöglicht. Außerdem werden für Kronach ganz konkrete Perspektiven eruiert, Ziele und Handlungskonzepte beschrieben.
Etwa 50 Repräsentanten von Gruppen und bereits öffentlich Engagierte trafen sich in der Sparkasse, um sich das gemeinsame Konzept weiter zu vergegenwärtigen und um sich in persönlichen Begegnungen näher- zukommen.