Die laut Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft "interessante Verteidigungsstrategie" bei einem Strafprozess am Amtsgericht Haßfurt wegen einer Trunkenheitsfahrt mit 1,75 Promille war - sieht man sich das Urteil an - ein Schlag ins Wasser. Ein selbstständiger Handwerker (58) behauptete in seinem Einspruch gegen den Strafbefehl, gar nicht selber gefahren zu sein.
Es gab zwar keine Augenzeugen, aber die Aussagen einer anderen Verkehrsteilnehmerin und von zwei Polizeibeamten reichten dem Gericht: Der Beschuldigte wurde zu einer Geldstrafe von 2400 Euro verurteilt, verbunden mit dem Entzug der Fahrerlaubnis für zwölf Monate.
Die Tat ereignete sich kurz vor Weihnachten letzten Jahres. Am 21. Dezember gegen 17 Uhr schlingerte ein BMW im nördlichen Landkreis auf der B 279. Wie das konkret ausgeschaut hatte, schilderte eine 62-jährige Autofahrerin, die direkt dahinter fuhr. "In großen Schlangenlinien", beschrieb sie den Vorgang, "ist der Wagen vor mir von einer auf die andere Seite gefahren". Längere Zeit habe sich das Fahrzeug mit etwa 60 Stundenkilometern sogar auf der Gegenfahrbahn befunden. "Ich habe mich nicht getraut zu überholen", sagte die Zeugin.
Mithilfe ihrer Freisprechanlage rief sie schließlich die Polizei an und gab das Kennzeichen des Autos durch. Da dessen Autoscheiben verdreckt waren, konnte sie nicht erkennen, wer hinterm Steuer saß. Die Beamten ermittelten schnell den Halter und 20 Minuten später war ein Streifenwagen bereits an dessen Wohnort in einem kleinen Dorf in den Haßbergen. Dort stand der BMW und dass er erst kurz zuvor abgestellt worden war, bemerkten die Uniformierten daran, dass der Auspuff noch warm war.
Als die Polizisten an der Haustür klingelten, öffnete der Selbstständige die Tür. Seine Alkoholisierung war unschwer erkennbar, weil er lallte und eine Fahne hatte. Den Ordnungshütern gegenüber gab er an, dass nicht er, sondern seine Frau gefahren sei. Die sei aber nun in Coburg. Das klang wenig glaubwürdig, denn: Um das in der kurzen Zeit zu bewerkstelligen, hätte sie gerast sein müssen.
Nachdem ein Atemalkoholtest positiv reagiert hatte, packten die Beamten den Mann und fuhren ihn zur Blutentnahme ins Krankenhaus. Offenbar verplapperte sich der Angeklagte im Polizeiauto: Als sie nämlich durch ein Dorf fuhren, entschlüpfte es ihm in redseliger Laune: "Dort habt ihr doch vorhin gestanden, aber ich bin ganz normal gefahren".
Der ältere der Polizisten betonte im Zeugenstand: "Aufgrund der Umstände und meiner langjährigen Erfahrung steht für mich fest, dass der Mann selber gefahren ist."
Die Ehefrau konnte nicht befragt werden, weil sie nicht als Zeugin geladen war. Nach Einschätzung von Amtsrichterin Ilona Conver hätte dies auch wenig gebracht, weil sie sich vermutlich auf ihr Aussageverweigerungsrecht berufen hätte. Da es keine Augenzeugen gab, plädierte der Verteidiger Lutz Lindner auf Freispruch nach dem Motto: Im Zweifel für den Angeklagten.
Hätte der nicht vorbestrafte Handwerker den Strafbefehl des Staatsanwalts akzeptiert, hätte er 1600 Euro bezahlen und zehn Monate auf seinen Führerschein verzichten müssen. Durch den Einspruch, dem ein Strafprozess zwangsläufig folgt, erhöhen sich seine Kosten eklatant: Jetzt muss er 800 Euro mehr zahlen, muss zwei Monate länger auf eine Fahrerlaubnis warten und hat zudem die Gerichts- und Anwaltskosten zu tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.