Allzu oft sind Wildtiere und Autofahrer überrascht, wenn sie einander in die Quere kommen. Die Zahl der Wildunfälle steigt bundesweit. Der Landkreis Kronach ist eine der Regionen, in denen mit Maßnahmen aktiv daran gearbeitet wird, den Anstieg zu begrenzen.

Seit nunmehr drei Jahrzehnten engagieren sich viele unermüdlich im Projektteam "Wild und Straße". Ein Team unter der Leitung des passionierten Jägers Klaus Riedel hatte deshalb im Landkreis Kronach bereits 1990 das Projekt ins Leben gerufen, "Duftzäune" errichtet, diverse Wildwarner installiert, Wildäcker gepflanzt und vieles mehr. Die Maßnahmen sind oft für andere Regionen wegweisend.

295 000 Wildunfälle gab es laut Automobilclub-Verkehr (ADAC) im Jahr 2019 auf deutschen Straßen. Besteht ein direkter Übergang von Wald und Feld, ist das Risiko für einen Wildunfall besonders hoch. Schilder mit Warnhinweisen zeichnen besonders gefährdete Straßenabschnitte aus, werden aber aus langjähriger Erfahrung kaum beachtet. Vor allem morgens und abends passieren die meisten Unfälle. Lieber einmal etwas langsamer fahren, wenn es dämmert, und die Straßenränder gut im Auge behalten. Oft sind Tiere nicht alleine unterwegs.

Im Landkreis Kronach gibt es herausragende Beispiele, wie die Wildunfallschutzmaßnahmen erfolgreich sein können. Klaus Riedel ließ sich an der Kreisstraße KC 25 zwischen Gundelsdorf und Friesen von Jagdpächter Dr. Michael Schießwohl die Entwicklung der dortigen Situation zeigen. Gegenüber der Zeit ohne aktive Schutzmaßnahmen konnte viel erreicht werden. Auf der einen Seite ist der Wald, auf der anderen sind Wiesen, Felder Mais, Blühwiesen. Das lockt das Wild an, gerade noch jetzt im Spätherbst. Vor allem die im letzten Jahr angebrachten Multiwildschutzwarner zeigen auch an dieser Strecke ihre Stärke.

Dazu kommt eine intensivere Bejagung, die so nahe an der Straße aber nicht einfach ist. Durch den erhöhten Abschuss befinden sich weniger Wildtiere in diesem Umfeld. Großes Problem dieser Kreisstraße ist, dass es vom Waldrand bis zur Straße nur wenige Meter sind. Erscheint da ein Wildtier, kann ein Autofahrer kaum mehr bremsen. Ausweichen sollte er ohnehin nicht. "Ich versuche alles, die Wildunfallgefahr zu senken", versichert Michael Schießwohl. "Eigentlich herrscht hier Tempo 80", wirbt der Jäger, sich unbedingt an diese Begrenzung zu halten. Auch die Autofahrer können ihren Beitrag leisten. Jagdpächter Reinhard Rüger hat sein Revier an der Kreisstraße KC 17 zwischen Marienroth und Teuschnitz. Diese Straße wurde erneuert und entwickelte sich zu einer Rennstrecke, bedauerte er. Anfangs explodierten die Wildunfallzahlen. Mittlerweile wurde der Bereich mit Multiwildwarnern ausgerüstet, und es kommen kaum noch Wildunfälle vor. Hier wurden seit langer Zeit erstmals zwei Rehe überfahren. Hier gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Stundenkilometern. Wer dies einhält, dem kann nicht mehr so viel passieren.

Multischutz ist wirksam

Der Multiwildschutzwarner erweist sich als der derzeit beste Schutz. Insbesondere dank der Unterstützung von Landrat Klaus Löffler wurden auf vielen Kreisstraßen bereits diese Warner installiert. Es muss sich auch um die Wirksamkeit der Maßnahme gekümmert werden, so wie es beispielhaft Reinhard Rüger und Dr. Michael Schießwohl tun, dankte Projektkoordinator Klaus Riedel. Der Duft muss halbjährlich nachgespritzt werden, alles muss regelmäßig kontrolliert werden.

Positiv verlief auch die Aktion an der Bundesstraße 85 zwischen Weißenbrunn und Thonberg. Am Straßenrand wurde von Jagdpächter Horst Hühnlein und seinem Mitjäger Peter Dicker ein Duftzaun installiert. Auch hier: auf einer Seite ein naher Wald, auf der anderen Felder und Wiesen. Gerade bei Westwind gehen Rehe, Hasen und andere Wildtiere nicht näher als 50 Meter zur Straße und bleiben auf den oberen Wiesen. Sie wittern den Zaun und drehen ab, freut sich Jagdpächter Horst Hühnlein .

"Wir hatten heuer extrem viel Unfallwild", begründet Horst Hühnlein die jetzt noch intensivierten Wildschutzmaßnahmen. Er berichtete, dass im Umfeld von Weißenbrunn enorm viele Wildschweine unterwegs sind, obwohl in letzter Zeit hier mehr als 40 Stück erlegt wurden. "Man merkt nicht, dass sie weniger werden." Gerade die Wintersaaten auf den abgeernteten Maisfeldern locken insbesondere die Wildschweine, die dafür jede Straße überqueren.

Vorbildlicher Landkreis Kronach

Vorbildlich stattet der Landkreis Kronach in den letzten Jahren Wildunfallschwerpunkte an Kreisstraßen mit Multiwildschutzwarnern aus. Spezielle Reflektoren waren erfolgreich, dazu der "Duftzaun". Ein Jäger aus Brandenburg kam auf die Idee, beide Maßnahmen zusammenzubringen. Verschiedene Spiegel, die das Licht der Fahrzeuge in Richtung Straßenrand schicken, mit einem eingebrachten Duftstoff des Zauns halten das Wild davon ab, an diesen Stellen die Straße zu überqueren. Auf Wildschweine wirkt dies nicht ganz so effektiv. rg