Rudolf Braun ist mit Leib und Seele Politiker. Trotz seines Hauptberufs als Regionaldirektionsleiter der Deutschen Vermögensberatung, in deren Auftrag er für 300 Mitarbeiter im Controlling und 50 hauptberufliche Mitarbeiter die Verantwortung trägt, übt er ehrenamtlich zahlreiche kommunalpolitische Ämter aus. So ist er der älteste - und dienstälteste - Bürgermeister im Landkreis Forchheim. Braun (WGA) hat nun seinen 70. Geburtstag gefeiert - unter Corona-Bedingungen.

Das Geheimnis des Bürgermeisters von Weißenohe ist ganz einfach: "Ich habe meine Hobbys zum Beruf gemacht. Deshalb macht es mir noch immer Spaß." Dabei hatte er mit der Kommunalpolitik eigentlich überhaupt nichts am Hut.

Studium in Nürnberg

In dem idyllischen Weißenohe aufgewachsen, besuchte er in Nürnberg das Scharrer-Gymnasium und lernte nach der Oberstufenreife bei der Deutschen Bank in Nürnberg den Beruf des Bankers. Nach der Lehre studierte Rudolf Braun an der Nürnberger Fachhochschule Betriebswirtschaftslehre und Steuerrecht.

Mit gerade einmal 22 Jahren beendete er sein Studium und ging in die Industrie. Er war bei einer Firma im Rechnungswesen tätig und schließlich bei einer amerikanischen Firma als Controller. Mit seinem 30. Geburtstag wechselte Rudolf Braun den Beruf: Er machte sich selbstständig. "Branchenfremd", sagt Braun lachend. Im süddeutschen Raum, in den neuen Bundesländern, aber auch in Österreich und Ungarn stattete Braun Tanzschulen, Stadien und Diskotheken mit professionellen Licht- und Tontechniken aus. An mehreren Großdiskotheken war er auch finanziell beteiligt.

Nebenbei war er Vorsitzender im Weißenoher Sportverein, als der langjährige Bürgermeister Erich Sassik verstarb. Es waren die Weißenoher Bürger, die ihn gerne als Bürgermeister sehen wollten. Und so hörte Rudolf Braun auf deren Bitten und ließ sich für die Bürgermeisterwahl 1996 aufstellen. Gegenkandidat war Gemeinderat Hermann Reitz. Der Erfolg für den politischen Neuling Braun war überwältigend. "Ich habe über 80 Prozent der Stimmen erhalten", blickt er stolz zurück.

Braun verbrachte fast zwei Jahre damit, sich in das einzulesen, was auf kommunalpolitischer Ebene in den vergangenen 30 Jahren geschehen war. "Um überall mitreden zu können", begründet Braun sein überdurchschnittliches Engagement im Ehrenamt.

Seine berufliche Selbstständigkeit hatte er langsam ausklingen lassen. Die erste Aufgabe als neuer Bürgermeister von Weißenohe war dann, das Baugebiet des Vorgängers umzusetzen. Keine leichte Arbeit, musste er sich doch hier mit drei Erbengemeinschaften einig werden. Aber Rudolf Braun hat es geschafft, wie die Häuser am Händelgarten zeigen.

Den Blick hatte Rudolf Braun weiterhin in die Zukunft gerichtet und war den anderen Gemeinden dabei oft voraus. So hat Weißenohe bereits im Jahr 2000 eine vertiefte Untersuchung des Ortsgeschehens mit Bürgeranhörung abgeschlossen. Diese Untersuchung ist noch immer der Leitfaden der Entwicklung der Gemeinde. Eine Prioritätenliste wurde erstellt und diese durchaus auch einmal durcheinandergewürfelt, wenn aktuelle Förderprogramme auf ein Projekt passten. Das war beispielsweise der barrierefreie Umbau des "Plärrers". Auch die Umfeldgestaltung der Lillachtalhalle und das geplante Chorzentrum gehören dazu.

Das Chorzentrum ist sozusagen eines von Rudolf Brauns Kindern, neben seinen leiblichen, Tochter Alexandra und Sohn Peter. Zwölf Jahre lang engagiert sich Rudolf Braun seither auch im Förderverein der Chorakademie als Dritter Vorsitzender.

Ein Quereinsteiger

Der Quereinsteiger in die Kommunalpolitik ist seit zwölf Jahren im Vorstand des Bayerischen Gemeindetags aktiv. Sein Stellvertreter ist der ebenfalls dienstälteste Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB) aus Eggolsheim. Mit diesem Amt übt Braun automatisch weitere Ämter aus: als Vorstand im Landschaftspflegeverband und im Planungsausschuss Oberfranken-West.

Fehlt noch sein Amt als Kreispolitiker. Auch hier sagt Braun: "Ich bin in der Kreispolitik mit Leib und Seele, zum Wohl meiner Bürger."

Einen Wunsch hat Rudolf Braun: "Ich möchte noch lange mit meiner Frau Snezana alt werden. Über seine 40-jährige Ehe sagte er: "Es ist ein Segen, wenn man gemeinsam alt werden darf."