Josef Hofbauer Ein Bausatz Legosteine im Regal, mit denen sich die National Gallery, die Nelsonsäule, das London Eye, Big Ben und die Tower Bridge nachbauen lassen, beweisen: Sebastian Körber ist Architekt mit Leib und Seele. Mit der gleichen Begeisterung ist der 39-jährige Forchheimer FDP-Landtagsabgeordnete aber auch Politiker.

Er sei Überzeugungstäter bekennt Körber, der als 16-Jähriger nach einer Diskussion mit Freunden über Atomkraft, Bürgerrechte und staatliche Einschränkungen am "Wahlomat" ausprobierte, bei welcher Partei er wohl am besten aufgehoben wäre. Heraus kam die FDP, mit der sich Körber bis heute identifiziert. Beeindruckt habe ihn als Jugendlichen 1996 besonders der Rücktritt von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die als Justizministerin "den Großen Lauschangriff" hätte durchsetzen sollen, es aber vorzog, ihr Amt zur Verfügung zu stellen.

Alles lief wie von selbst

Der Partei beigetreten ist Körber aber erst 2004. "Als Architekt lag es nahe, mich im Bereich Bauen und Wohnen zu engagieren. Da kenne ich mich schließlich am bestens aus."

Die Karriere schien ein Selbstläufer zu werden. "Ich musste dafür gar nicht viel tun", erinnert sich Körber. 2007 bot ihm Kreisvorsitzender Sebastian Platzek an, ihn zu vertreten. Ein Jahr später wurde er Kreisvorsitzender. Und als 2008 MdB Horst Friedrich auf eine erneute Kandidatur verzichtete, kam der Bezirksvorstand auf Körber zu. Er wurde stellvertretender Bezirksvorsitzender in Oberfranken, rückte in den Landesvorstand seiner Partei vor und wurde in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort übernahm er von seinem Vorgänger den Bundesfachausschuss "Bau und Wohnen" der FDP. Dieses Gremium leitet der Forchheimer übrigens bis heute.

Sich selbst treu geblieben

Die Karriere lief prächtig. Körber war der jüngste bayerische Abgeordnete aller Parteien im deutschen Bundestag. Ein riesiger Erfolg! Auch der Landesvorsitz der Jungen Liberalen fiel Körber geradezu in den Schoß. "René Wendland hat mich gefragt, ob ich seine Nachfolge antreten wolle. Als ich zugestimmt habe, gab es nicht einmal einen Gegenkandidaten."

Er liebäugelte damals mit einer Karriere als "Berufspolitiker". Andererseits wollte er sich seine Unabhängigkeit bewahren. Deshalb arbeitete er weiterhin freiberuflich als Architekt. Er engagierte sich aber auch als Gesellschafter und Mitarbeiter in Architekturbüros und Immobilienfirmen. "Ich wollte einfach weiter in der Wirtschaft verwurzelt bleiben und den Bezug zur Berufspraxis nicht verlieren", findet Körber, Mitglied der Bayerischen Architektenkammer.

Das war gut so, denn der politische Absturz kam früher als erwartet. "Niemand konnte sich vorstellen, dass die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und den Einzug in den Deutschen Bundestag verfehlen würde. "Schließlich wurde unsere Partei mit einem Ergebnis von fünf bis sechs Prozent gehandelt", so Körber. Er werde den Wahlabend nie vergessen. "Als ich nach Mitternacht noch einmal Nachrichten angeschaut habe, ehe ich ins Bett ging, standen wir wieder bei 5,0 Prozent. Das hätte gereicht. Hätte.

"Ich stand also vor der Wahl, meine Doktorarbeit zu vollenden und mich auf den Beruf zu konzentrieren, oder in der Politik einen Neustart zu versuchen", blickt der Forchheimer zurück. Auch hier kam wieder der Zufall zu Hilfe. Albert Duin, der nach der historischen Pleite der FDP 2013 den Landesvorsitz der Partei übernahm, berief Körber als Frankenquote in das Parteipräsidium. "Es ging um nichts weniger, als um einen kompletten Neuaufbau. Wir mussten uns besinnen, wofür wir stehen, wohin wir wollten und wie wir das den Wählern vermitteln könnten."

Basis-Arbeit geleistet

Körber machte sich bewusst, dass er in Sachen Baupolitik auf Landesebene noch mehr bewirken könnte, als vorher im Bundestag. Er beteiligte sich an der Ausarbeitung des Leitbildes der bayerischen FDP und schrieb mit am Programm für die Landtagswahl.

Er hoffte, dass sich seine Arbeit dahingehend auszahlen würde, dass er wieder als Direktkandidat für die Bundestagswahl nominiert würde. Immerhin hatte er bei der Oberbürgermeister-Wahl in Forchheim 2014 mit knapp zehn Prozent das bis dahin zweitbeste Ergebnis für die FPD bundesweit erzielt. Ein enormer Achtungserfolg.

Als es aber um die Vergabe der Listenplätze ging, fiel der Forchheimer durch. Die Mitbewerber hatten Absprachen mit verschiedenen Bezirksverbänden getroffen und sich bereits im Vorfeld deren Unterstützung gesichert. Körber hatte sich nicht an solchen Absprachen beteiligt. "Ich wollte durch meine Person und durch Fachkenntnis überzeugen. Eine Fehleinschätzung", räumt Körber heute ein.

"Ich war einfach sauer"

Er gibt auch zu: "Damals war ich ordentlich verschnupft." Als er den Kampf um Listenplatz zwei und Listenplatz sechs verloren hatte, war er so sauer, dass er für Platz neun nicht mehr kandidieren wollte. "Blöd, lächelt Körber, denn dieser Platz hätte für ein Mandat im Deutschen Bundestag gereicht.

Schließlich ging er als Spitzenkandidat des Bezirkes Oberfranken in den Wahlkampf. Eine erneute Zitterpartie. "Es war wahnsinnig spannend und ich war überglücklich, als fest stand, dass ich den Einzug ins Maximilianeum geschafft hatte. Noch mehr freut sich Körber, dass er den Ausschuss für Wohnen, Bau und Verkehr leitet. "Da kenne ich die Zusammenhänge und weiß, wo ich hinschauen muss", so Körber, der in Forchheim bei der Sanierung des Rathauses inzwischen eine Stellung als "Sonderermittler" einnimmt.

Keine Schande hinzufallen

"Sich in der Politik zu engagieren, beinhaltet stets ein gewisses Risiko, weiß der Forchheimer, der mit seinen 39 Jahren bereits Mitglied im Ältestenrat des Bayerischen Landtages ist. Niemand könne sich darauf verlassen, wieder gewählt zu werden, vor allem dann, wenn er für seine Überzeugung eintritt. So gehörten Rückschläge einfach dazu. Solche politischen Auszeiten könnten sogar fruchtbar wirken, denn so werde der Blick für den Markenkern aufs Neue geschärft.

Würden alle Abgeordneten so einen Wandel durchleben, würde die Politik deutlich praxisnäher, ist Körber überzeugt. "Es ist keine Schande hinzufallen, aber es ist eine Schande, einfach liegenzubleiben" zitiert Körber eines seiner Vorbilder, den früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss (1884 bis 1963). Ein Mann der FDP).