"Die Zeichen stehen auf erneuerbare Energien", ist Bundestagsabgeordnete Lisa Badum (Bündnis90/Grüne) überzeugt. Klima und Umwelt sind inzwischen für sehr viele ein entscheidendes Thema. Viel verspricht sie sich, dass nunmehr die Auto- und Stahlindustrie mit im Boot zur Energiewende sind. "Wir brauchen eine zweite Phase des Energiewandels", appellierte sie. Es müsse gelingen, die Bevölkerung mitzureißen.

"Dieses Gespräch ist ein Anfang", erklärte Grünen-Kreisvorsitzende Edith Memmel bei einer Expertenrunde über Klimapolitik und Energiewende mit Lisa Badum in der Kronacher Synagoge. Diese sprach von einer großen Vision, dass wir eine klimaneutrale Gesellschaft schaffen und möglichst in Kreisläufen leben und wirtschaften. "Wir brauchen eine Bürger-Energiewende", forderte sie im Hinblick darauf , dass möglichst viele Bürger selbst Anlagen bauen oder gemeinsam betreiben. Großkonzerne sind nur an riesigen Energieparks interessiert. Die EEG-Novelle im ersten Entwurf sei völlig unzureichend gewesen. Immerhin seien inzwischen leichte Verbesserungen erreicht worden. Zunehmend erreichten PV- und Windanlagen ein Alter von 20 Jahren, deren Wegfall von der Stromerzeugung Potenzial verschenke.

"Druck von unten"

"Hier braucht es Druck von unten", rief die Grünenpolitikerin auf. Immerhin gehe es um 1,5 Millionen Menschen, die eine Photovoltaikanlage betreiben. "Wir brauchen eine demokratische Energiewende", appellierte die Grünen-Politikerin. Dies sei eine große Chance für Stadtwerke.

Die heimischen Grünen wollen sich gemeinsam mit den Coburger Grünen selbst informieren und Wissen aneignen, darüber diskutieren und an die Menschen der Region weitergeben, um die Energiewende gemeinsam voranzubringen.

"Wie können wir regenerative Energien in unseren Alltag einbauen?", fragte Sophia Heinlein. Sie appellierte, die Möglichkeiten von Corona-Förderungen auch als Aufbruch zu nutzen, innovativ, gerecht und generationenübergreifend die erneuerbaren Energien voranzubringen.

Das Erneuerbare Energien-Gesetz ermöglichte es, dass die Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien bezahlbar wurden, erinnert Klaus Knorr. Inzwischen sei diese Energieerzeugung voll konkurrenzfähig.

Nun befürchtet er, dass mit der Neufassung des Erneuerbare Energien-Gesetzes vieles wieder zurückgedreht werden könnte. Rasch mehr getan müsse etwas für die Verwendung der durch die Waldschäden anfallenden Holzmengen, etwa durch mehr Hackschnitzelheizungen im öffentlichen Bereich.

Die Energiewende ist eine Herausforderung, unterstrich Stefan Klinger deren Bedeutung. Alle die ihren eigenen Strom produzieren, sind glücklich über ihre Entscheidung, betont Bernd Berlips (Energievision Frankenwald). Eine Nachfrage in seiner Heimatgemeinde nach einer solaren Baupflicht habe aber nur Ablehnung bekommen, bedauerte Josef Schedel.

Beim Thema Klimaschutz darf der Umweltschutzgedanke nicht fehlen, erklärt Florian Wagner (Biologe an der Ökologischen Bildungsstätte Mitwitz). So sei festzustellen, dass im Umfeld von Biogasanlagen es auch zu einer intensivieren Nutzung der Flächen kommt. Anfangs sei mehr Gülleverbrennung angedacht gewesen, letztlich werde immer mehr Mais angebaut und verbrannt.

Bei großflächigen Photovoltaik-Anlagen könnten Klima- und Umweltschutz gut zusammengebracht werden. Pläne der Firma Münch mit solchen Anlagen und darunter Beweidung seien eine perfekte Sache. Landwirt Ewald Münch hofft eine solche Anlage verwirklichen zu können und darunter Schafe zu halten. MdB Lisa Badum will keinen neuen Biogasanlagen, die bestehenden aber zum Teil beibehalten. Diese könnten einfach Zeiten mit wenig Wind und Sonne ausgleichen helfen.

In Kronach behindert die stärkste Fraktion im Stadtrat erneuerbare Energien, ärgert sich Stadtrat Peter Witton. Wind und Sonne sind auch Grundlage für Wasserstoff, unterstrich Manfred Drechsler. Seit 2012 gebe es Probleme. Drechsler: "Wir werden richtig gegängelt. Wir können nicht richtig loslegen und Anlagen bauen, um ökologischen Strom zu erzeugen."

Erträgliche Lösung gefordert

"Wer einen Beitrag zur Energiewende leistet, darf nicht nur Probleme haben", verlangte MdB Lisa Badum. Unbedingt muss eine erträgliche Lösung gefunden werden. Für die aus der Förderung fallenden Altanlagen hat Manfred Drechsler einen einfachen Vorschlag: Diese laufen einfach weiter und liefern regenerativen Strom, die Einspeiser erhalten den Börsenpreis, derzeit 4,6 bis 4,8 Cent je Kilowattstunde. rg