Einfach zur Tagesordnung übergehen? Das sei der falsche Weg, die Zahlen zu erschreckend. Die Zahlen der Ende Mai vorgestellten Studie "Prognos Zukunftsatlas" nagen auch noch zwei Monate später an den Politikern des Landkreises. Auf einen Antrag der SPD-Fraktion hin befasste sich der Ausschuss für Kreisentwicklung und Verkehr noch einmal mit den Ergebnissen. Denn die Studie stellte dem Landkreis eine äußerst dürftige Zukunftsprognose aus.
"Sie hat schon einen wissenschaftlichen Ansatz, erfasst Daten bundesweit - und Zahlen lügen nicht", sagte Wolfgang Puff, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Strukturentwicklungsgesellschaft Landkreis Kronach (WSE). Es sei richtig, sich damit auseinanderzusetzen, sagte Hans Rebhan (CSU): "Aber die Kluft zwischen Stadt und Land beim Anteil junger Erwachsener ist auch in Coburg, Kulmbach oder Bamberg nicht viel anders."
Puff erklärte den Ausschussmitgliedern, dass er sich mit dem Projektleiter der Studie, Peter Kaiser, in Verbindung gesetzt habe. Dabei sei unter anderem herausgekommen, dass es auch positive Faktoren wie die soziale Lage gegeben habe. "Mir ist die Gewichtung der 29 Faktoren auch nicht transparent genug", ergänzt Rebhan seine Mängelliste an der Studie.


Teures Honorar

Er habe mit Kaiser versucht, inhaltlich einzusteigen, aber "sie sind sehr vorsichtig, was Daten angeht". Da der Prognos-Projektleiter derzeit Urlaub in der Fränkischen Schweiz mache, wäre er sogar nach Kronach gekommen, um seine Ergebnisse dem Ausschuss vorzustellen. "Aber dafür hätte er mindestens 3000 Euro haben wollen. Normalerweise nimmt er sogar 5000 Euro", erklärte Puff. "Wir können derzeit nicht sicher sein, wie aktuell die Zahlen sind, aber die Altersstruktur ist unsere große Schwäche."
Da wollte Landrat Oswald Marr (SPD) gar nicht widersprechen. "Wir haben zu wenig Arbeitsplätze für studierte Leute", sagte er. "Und wer keinen Arbeitsplatz bekommt, gründet hier auch keine Familie." Der Kreis müsse sich aber dennoch seiner Stärken bewusst sein. Klaus Löffler (CSU) sieht in der Studie einen "Ist-Zustand aus der Vergangenheit" abgebildet. "Wenn wir uns die Realität mal ansehen, haben wir einiges in Bewegung gebracht", erklärt er. Merkmale wie Lebensqualität für Generationen fänden keine Berücksichtigung. "Wenn wir alles umsetzen, was wir geplant haben, werden wir einen anderen Stellenwert haben."
Sein Gegenkandidat für die Landratswahl, Norbert Gräbner (SPD), würde sich gerne einmal mit Kaiser treffen und die Zahlen genau erläutern lassen. Die interessieren auch Marr. Aber vor einem Treffen müsse definitiv geklärt werden, welche Daten überhaupt mitgeteilt werden könnten. "Denn natürlich steckt da eine Geschäftsidee dahinter", merkte der Landrat an. ham