Der ökumenische Wald- und Wiesengottesdienst der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Walsdorf und der katholischen Kirchengemeinde Burgebrach entstand nicht wegen der Corona-Pandemie, sondern das Projekt hatten sich die befreundeten Landpfarrer beider Konfessionen schon vor langer Zeit ausgedacht. Vor fünf Jahren war es dann erstmals soweit.

Der Premierengottesdienst mit dem evangelischen Pfarrer Ulrich Rauh und seinem katholischen Pendant Bernhard Friedmann fand damals auf einer Wiese ungefähr gleichweit entfernt von beiden Ortschaften in der Nähe von Grasmannsdorf statt. Da es der Wettergott aber zu gut mit den vielen Gläubigen meinte, die schon seit Beginn zahlreich gekommen waren, wurde der Ort der religiösen Feier in den schattigen Wald an die Y-Kreuzung der Wege von Walsdorf-Oberharnsbach-Grasmannsdorf gelegt.

Flexibel wie die Geistlichen sind, wich man auch schon mal bei schlechtem Wetter nach Grasmannsdorf in die dortige Kapelle zur Heiligsten Dreifaltigkeit aus.

Dieses Jahr aber herrschte wieder eitel Sonnenschein, und etwa 150 Gläubige kamen meist zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Treffen. Da der "Steigerwaldbischof" Bernhard Friedmann am Vormittag wegen Corona zwei verschobene Gottesdienste für Erstkommunionkinder halten wollte, wurde die Feier eben nicht wie sonst am Vormittag, sondern erst am frühen Nachmittag gehalten - es gibt eben kein starres Protokoll und nur kurze Dienstwege zwischen Burgebrach und Walsdorf oder umgekehrt.

Bierbänke und Klappstuhl

Das wissen auch die Gläubigen, und so sangen alle voll Begeisterung das erste Lied: "Geh aus mein Herz und suche Freud' in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben". Musikalisch begleitet wurden sie dabei vom Walsdorfer Posaunenchor unter der Leitung von Julia Kühl. Die neun Bläser hatten auch nach der Corona-Zwangspause keine Probleme und umrahmten die Feier stimmungsvoll.

Damit niemand zu lange stehen musste, hatte Norbert Drescher mit Helfern Bierbänke organisiert, einige hatten aber ihren eigenen Klappstuhl mitgebracht und erfüllten so die Abstandsverpflichtungen der Corona-Pandemie. Für frische Luft war durch den Laub- und Nadelholzmischwald sowieso gesorgt. Vor dem Holzkreuz, das Jugendliche bei einem Zeltlager der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) errichtet hatten, war der Altar für den Gottesdienst aufgebaut. Bei der Predigt war heuer Pfarrer Friedmann an der Reihe. Das Sonntagsthema vom Unkraut im Weizen schien für ihn geradezu prädestiniert zu sein. Bei seinen Erläuterungen über den Lolch hörten alle neugierig zu, da ihnen dieser seltsame Name nicht geläufig war. Es war ja auch das Unkraut - der Geistliche verbesserte sich sofort, da man ja nun Beikraut sage -, also das Beikraut zur Zeit Jesu, das nach dem Evangelium der böse Feind oder Nachbar in den Weizen gestreut habe. "Der Lolch fordert aber Geduld, da man ihn nicht ausreißen kann, ohne auch den Weizen zu schädigen. Man muss warten bis zur Ernte", folgerte der Pfarrer. Er schloss seine Predigt mit den Worten: "Vertraut auch in der Corona-Zeit auf Gott, der das Ackerfeld dieser Erde im Blick hat."

Höhepunkt der Ökumene

Zum Schluss segneten die beiden Priester die Gläubigen und alle sangen noch voller Freude über die Feier das "Großer Gott wir loben dich". Auch die Bürgermeister Johannes Maciejonczyk (CSU) aus Burgebrach und Mario Wolff (FL) aus Walsdorf würdigten durch ihren Besuch diese ökumenische Initiative der Kirchen. Wolff sagte: "Es ist immer wieder schön hier. Wir freuen uns über den großen Zuspruch der Leute. Der gemeinsame Gottesdienst ist der Höhepunkt der Ökumene im Jahr."

Das gemeinsame weitere gesellige Beisammensein wie in den Vorjahren musste diesmal leider abgesagt werden, der Ausfall wurde von allen bedauert, aber akzeptiert.