Andreas oswald

40 Prozent der Weltbevölkerung haben, laut Welt-Toiletten-Gipfel - ja, den gibt's tatsächlich - noch immer keinen oder nur begrenzten Zugang zu sanitären Anlagen. Die meisten Betroffenen leben in Indien und China - doch einmal im Jahr gehören auch die Besucher des Walberla-Festes dazu . Denn zu Stoßzeiten reicht die Toilettenkapazität nicht aus, um bei tausenden von Besuchern für schnelle Erleichterung ihrer drangvollen Bedürfnisse zu sorgen.
Am Freitag, 5. Mai, ist es wieder soweit. Dann fließt nach dem Anstich um 17 Uhr der schäumende Gerstensaft bis Sonntag hektoliterweise durch durstige Kehlen, um sich früher oder später seinen natürlichen Weg in die dafür vorgesehene Rinne zu suchen. Und da beginnt das Problem.


Lange Schlangen

Lange Schlangen vor den Toiletten lassen die Wartezeit für Männlein und Weiblein zur Pein werden. Und sucht man(n) Erleichterung in der Natur, findet sich seit der Rodung des Waldhanges kaum mehr ein Baumstamm - außerdem ist das sogenannte "Wildpinkeln" in der "Walberla-Festverordnung" verboten, die vom Gemeinderat Kirchehrenbach, nach vielen Gesprächen am "Runden Tisch" mit Naturschützern und Polizei, 2010 erlassen worden ist. Wer gegen die Verordnung verstößt, kann sogar mit einem Betretungsverbot für die Dauer des jeweiligen Walberla-Festes belegt werden. Schlimmstenfalls droht ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro.
Eine verbindliche Regelung in Form einer Verordnung gebe es für die Anzahl von Toiletten bei vorübergehenden Veranstaltungen nicht, erklärt Jürgen Kupfer, der am Landratsamt Forchheim in der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung für den Gewerbebereich zuständig ist. Die Genehmigung von vorübergehenden Veranstaltungen obliege der Gemeinde, die sich am Paragraf 12 des Gaststättengesetzes orientiere. Dort würden in einem Vollzugshinweis lediglich "Toiletten in ausreichender Zahl" verlangt.


Besondere Situation

Die Situation am Walbarla-Fest sei in verschiedener Hinsicht eine Besonderheit, erklärt Carmen Amon, die bei der Gemeindeverwaltung für die Standplatzvergabe zuständig ist. Zum einen wisse man nicht, wie viele Besucher genau kämen, zum anderen seien die Geländegegebenheiten und das Naturschutzrecht zu berücksichtigen. Die Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD) verweist darauf, dass vor vier Jahren die Zahl der Toiletten beim Walberla-Fest durch den Einbau eines Behinderten-WCs erhöht worden sei.
Derzeit sieht die Lage so aus: Herren mit Harndrang können in einem fest gemauerten Urinal an einer acht Meter lange Rinne Schulterschluss üben.
Auf der anderen Seite des Weges stehen 21 Dixi-Klos zur Verfügung. Auf die Frage, ob dies genüge, meint Bürgermeisterin Anja Gebhardt: "Für 2000 Leute reicht's aus." Sie gibt aber zu, dass es in Stoßzeiten zu Warteschlangen kommen könne. "Die Damen kennen das Problem", räumt die Bürgermeisterin ein. "Das können wir aber zur Zeit nicht ändern", bittet Anja Gebhardt um Verständnis und verweist darauf, dass auf dem Walberla schließlich ein Naturfest stattfinde. Ihr Rat: "Rechtzeitig dran denken, auf die Toilette zu gehen." An eine Modernisierung des Männerpissoirs sei heuer nicht zu denken - solche zusätzliche Aufgaben könne der Bauhof momentan nicht bewältigen. Zur Frage, ob "Wildpinkeln" tatsächlich von der Gemeinde schon einmal mit einem Ordnungsgeld geahndet worden sei, will die Bürgermeisterin keine Auskunft geben. Damit es erst gar nicht dazu kommt, hat sie aber einen Tipp parat: Wenn es einmal "ganz dringend ist", dann solle man sich an die Toilettenkräfte wenden. Die seien sicherlich behilflich, "eine Lösung zu finden und einen Platz frei zu machen".