Seit rund einem halben Jahr sitzen Nico Kauper (21) von der JU, Thomas Lay (34) und Matthias Goß (37) von der CSU, Tim Scheppe (35) von den Freien Wählern und Norbert Lamm (49) von der SPD im Adelsdorfer Gemeinderat. Wir fragten sie nach ihren Gründen, für das Amt zu kandidieren, nach ihrem politischen Engagement im Vorfeld und ob sich ihre Vorstellungen von der Arbeit im Gremium bewahrheitet haben.

Erst ruppig, dann ruhiger

Nico Kauper sagt: "Aus meiner Sicht muss sich Politik das Ziel setzen, das Leben der Bürger durch verschiedene Maßnahmen immer besser zu machen. Politik ist schließlich für den Menschen da und nicht andersherum." Das funktioniere nur durch viel Zuhören und Dialog mit anschließender bestmöglicher gemeinschaftlicher Umsetzung. "Ich wollte Teil dieses Prozesses werden und deshalb entschied ich mich bereits mit 14 Jahren, mich politisch zu engagieren." Nach dem Eintritt in die JU/CSU wurde ihm jedoch bald klar, dass seine Generation in verschiedenen Gremien deutlich unterrepräsentiert ist. Deshalb sei es gerade für junge Menschen sehr wichtig, sich zu engagieren und selbst Einfluss zu nehmen.

Was im Gemeinderat auf ihn zukommt, hatte er geahnt. "Überrascht war ich von der konstituierenden Sitzung im Gemeinderat, da der Umgang sehr ruppig war und konstruktiven Vorschlägen keine Beachtung geschenkt wurde. Mittlerweile verläuft jedoch alles in ruhigeren Bahnen. Mir persönlich macht die Arbeit insgesamt mehr Spaß, als ich erwartet hätte."

Mittlerweile ist er mit den Abläufen vertraut. Dennoch müsse man sich in verschiedene laufende Themen erst einmal hineindenken und Hintergrundwissen erfragen. Es sei also noch ein Lernprozess, bis man mit allen Fragestellungen voll vertraut ist. Das mache die Arbeit aber auch spannend und abwechslungsreich. Seine Kandidatur hat er keinesfalls bereut. "Ich bin jeden Tag dankbar, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, an der Zukunft unseres Ortes und Landkreises mitzuwirken."

Schon viel gelernt

Thomas Lay "war noch nie jemand, der sich duckt oder wegschaut, so leite ich beispielsweise seit einigen Jahren einen der größten Vereine in der Gemeinde, nämlich die Feuerwehr Adelsdorf, und ich sitze in einem der roten Autos, wenn es ernst wird. Politik allgemein - vor allem aber die Kommunalpolitik - lebt eben von solchen Personen, die anpacken und Themen aktiv angehen wollen. Hier möchte ich nicht nur still daneben stehen und beobachten, was passiert, sondern mitgestalten. Außerdem bin ich der Meinung, dass die jüngere Generation in der Politik viel mehr repräsentiert sein muss."

Da die aktuelle Amtsperiode gerade einmal sechs Monate jung ist, will er nicht behaupten, dass er mit wirklich allen Dingen vertraut ist. "Vieles habe ich aber schon lernen dürfen oder eben leider auch müssen. Es gibt viele spannende Themen, die man als neues Mitglied eben noch nicht behandelt hat, bei denen man auf der anderen Seite aber auch mit neuen Ideen anpacken kann." Er fühlte sich von Anfang an von den Kollegen ernst genommen.

Als Vereinsvorsitzender ist ihm besonders wichtig, aktive und engagierte Vereine zu haben, "denn sie bilden das Rückgrat unserer attraktiven Gemeinde". Deshalb hat er für die Vereine immer ein offenes Ohr. Auch die Ausrüstung der Kitas liegt ihm am Herzen. Corona habe gezeigt, dass das ganze Land in Sachen Digitalisierung noch einiges tun müsse, beispielsweise in der Schule, aber auch in der Verwaltung. Das müsse auch in Adelsdorf vorangetrieben werden.

Frischer Wind

Matthias Goß hat sich bereits in jungen Jahren für Politik interessiert und jede Veränderung in seinem Heimatort mit großem Interesse verfolgt. "Der Wunsch, die Entwicklung unserer Gemeinde aktiv mitzugestalten, ist mir bis heute geblieben. Außerdem wäre es für unsere Gesellschaft, unser Land und für jeden Einzelnen von uns verheerend, die Zukunft in die falschen Hände zu legen. Daher ist es wichtig, dass sich möglichst viele für das politische Geschehen interessieren."

Seit nun fünf Jahren ist er der Vorsitzende der CSU in Adelsdorf. "Wir haben als CSU bewusst viele junge Leute nominiert, um einen frischen Wind in den Gemeinderat zu bringen. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen." Ihm war auch sehr bewusst, was ihn erwartet. "Natürlich gibt es immer wieder Dinge, die auch für mich neu sind. Aber ich habe mich schnell an die neue Aufgabe gewöhnt." Seine Kandidatur hat er nicht bereut, denn es sei eine großartige Erfahrung, die Entwicklung der Gemeinde aktiv mitzugestalten.

Sein Ziel ist es, Vorschläge in den Gemeinderat einzubringen, diese dort fair zu diskutieren und zu beschließen. Die besten Ideen sollten sich durchsetzen. Die Entwicklung Adelsdorfs solle dabei langfristig wieder auf einem stabilen Fundament stehen.

Kompromisse eingehen

Tim Scheppe sitzt als Vorsitzender der FW und als Fraktionssprecher neu im Gemeinderat in Adelsdorf. Sein politisches Engagement erklärt er so: "Ich setze mich gerne für meine Heimat und ihre Bewohner ein. Wichtig sind mir Lösungen und Projekte, in denen sich alle wiederfinden. Dabei muss man Kompromisse eingehen und auf die Leute zugehen. In einer Gemeinde wie Adelsdorf steht das Miteinander im Vordergrund, das ist mir wichtig und das möchte ich voranbringen. Kommunalpolitik macht man aber nicht für eine Partei, sondern für die Menschen."

Durch seine Tätigkeit als Ortssprecher war er auf vielen Sitzungen und Veranstaltungen, daher hatte er bereits einen guten Einblick in die Gemeinderatstätigkeit. Wobei sich die Arbeit im neuen Gremium schon etwas verändert habe. Viele Dinge sind ihm bereits bekannt, dennoch warten immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen auf den Gemeinderat. Man müsse sich einfach in neue Themenfelder einarbeiten.

"Ich glaube schon, dass man auch als ,Frischling‘ ernst genommen wird. Seine Kandidatur hat er nicht bereut. Sein größter Wunsch und das politische Ziel ist, dass alle Fraktionen im Gemeinderat an einem Strang ziehen, "um unsere liebenswerte Gemeinde noch weiter nach vorne zu bringen. Des Weiteren finde ich eine nachhaltige Entwicklung aller Ortsteile wichtig, ein erster Schritt dazu ist der neue Flächennutzungsplan."

Alles nicht so einfach

Norbert Lamm ist für die SPD frisch in den Adelsdorfer Gemeinderat eingezogen. Warum er sich politisch engagiert, erklärt er so: "Bereits meine Eltern waren in der SPD, Gewerkschaft und bei der Awo aktiv, daher habe ich schon als Kind deren Engagement mitbekommen und war auch immer interessiert. Zur Kommunalwahl 2014 habe ich dann erstmals auf der SPD-Liste kandidiert. Schnell habe ich bemerkt, dass der SPD-Ortsverein Leute braucht, die Verantwortung übernehmen. Deshalb bin ich beigetreten und jetzt bin ich der Vorsitzende der Adelsdorfer SPD."

Er hatte sich eigentlich alles etwas einfacher vorgestellt. "Bei Arbeiten in den Ausschüssen können wir leider nicht mitdiskutieren. Nicht einmal unsere eigenen Anträge durften wir vortragen. Das hat jetzt die Kommunalaufsicht geprüft und der Bürgermeister muss uns wieder das Wort erteilen."

Auf die Frage, ob er mittlerweile mit allen Dingen vertraut ist, erklärt er: "Natürlich sind die Aufgaben sehr umfangreich. Beispielsweise wenn es um Berechnungen von Wassergebühren oder aktuell um den Flächennutzungsplan geht. Aber ich habe mit Jörg Bubel einen sehr guten Lehrmeister. Ebenso sind die Mitarbeiter der Verwaltung sehr hilfsbereit."

Seiner Meinung nach müssten die Bürger besser beteiligt werden. "Wegen Corona schwierig, aber machbar!" Seine Kandidatur hat er nicht bereut. "Ich habe in der kurzen Zeit schon sehr viel Erfahrungen gemacht und sehr häufig werde ich von Bürgern auf die Tätigkeiten im Gemeinderat angesprochen." Sein größter Wunsch ist es, dass alle Mitglieder des Gemeinderates bei Diskussionen angehört werden. "Ich werde mich für die Bürger einsetzen, werde Anträge an den Gemeinderat stellen und möchte mich gut im Gemeinderat einbringen."