von unserem Redaktionsmitglied 
Jutta Behr-Groh

Bamberg — Im Spätberufenengymnasium Theresianum der Karmeliten beginnt das neue Schuljahr deutlich entspannter als das alte aufgehört hat. Der Beschluss der Ordensleitung, die Einrichtung in wenigen Jahren zu schließen, ist zwar nicht vom Tisch. Doch die laufenden Gespräche und Rettungsversuche lassen die Schulleitung um Pater Roland Hinzer hoffen.
Nicht zuletzt der Zuspruch der Schülerinnen und Schüler stimmt den Pädagogen zuversichtlich, dass es doch irgendwie weiter gehen wird. 201 junge Frauen und Männer werden im neuen Schuljahr die Bildungsstätte "Am Knöcklein" besuchen. So viele waren es zuletzt vor fünf Jahren. 87 Schülerinnen und Schüler fangen am Montag neu im Theresianum an. "Erstaunlich viele", so Pater Roland Hinzer im Gespräch mit der Lokalredaktion. Von etlichen weiß er, dass sie bewusst die vielleicht letzte Gelegenheit nützen wollen, an dem Bamberger Spätberufenen-Gymnasium das Abitur nachzuholen.
In ganz Bayern gibt es nur drei Einrichtungen, an denen man mit einem mittleren Bildungsabschluss zur Hochschulreife gelangen kann. In Nordbayern steht das Theresianum mit diesem Angebot allein auf weiter Flur. Auch deshalb war der öffentliche Aufschrei groß, als die Ordensleitung im Juni beschloss, das Theresianum aufzugeben.
Aus finanziellen und personellen Gründen sehen sich die Karmeliten außer Stande, die 1946 gegründete Schule fortzuführen. Die Ordensleitung hält zwar an ihrem Beschluss fest, erklärte sich nach zahlreichen Bitten, Protesten und Appellen einer breiten Öffentlichkeit aber bereit, wenigstens noch einen neuen Jahrgang möglich zu machen. Das ist dieser Jahrgang 2015/2016.
Danach ist Schluss - wenn nicht doch noch ein neuer Träger und eine langfristige Lösung für eine möglicherweise drohende Finanzierungslücke bei den Betriebskosten gefunden werden.
Der Bamberger Landtagsabgeordnete Heinrich Rudrof (CSU) beziffert den Fehlbetrag auf rund 300 000 Euro im Jahr. Angesichts der doch überschaubaren Summe wäre es nach seinen Worten "ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen, wenn wir dafür keine Lösung finden würden". Rudrofs Favorit als künftiger Schulträger ist das Kolping-Bildungswerk. Der Abgeordnete fände es "politisch klug und fördertechnisch ratsam", wenn das Theresianum weiterhin einen katholischen Träger hätte. Es soll zwei weitere potenzielle Schulträger geben, die dem Vernehmen nach aber keinen kirchlichen Hintergrund haben.
Beim Kolping-Bildungswerk zeigt man sich grundsätzlich aufgeschlossen. Dessen Geschäftsführer Wolfram Kohler bestätigte auf Anfrage, dass es zuletzt am 9. September ein von Rudrof moderiertes Gespräch mit Vertretern des Karmeliten-Ordens und der Regierung über eine eventuelle Übernahme gab. Noch sei aber alles offen.
Eine zentrale Frage ist die einer auf Jahre gesicherten Finanzierung des Schulbetriebs. Im Orden hegt man schon länger die Befürchtung, dass die Förderung aus einem überdiözesanen Fond der bayerischen Bistümer eines Tages versiegen könnte. Dann würden rund 220 000 Euro zum laufenden Betrieb des Theresianums fehlen.
Geld, das die Karmeliten nach Aussage von Provinzial Pater Dieter Lankes unmöglich aus eigenen Mitteln ersetzen können, und das sie jedes Jahr aufs Neue beantragen müssten. Weil es keinen Rechtsanspruch auf die Zahlung gibt, ist auch beim Schulleiter die Sorge groß, dass sie einmal wegfallen könnte.
Ende September hofft Pater Roland Hinzer klarer für die Zukunft der traditionsreichen Einrichtung zu sehen. Dann tagt wieder die hochkarätig besetzte Runde aus Politikern von Stadt und Freistaat mit Vertretern des Erzbistums und des Karme- liten ordens, die sich Anfang Juli schon einmal auf Initiative von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) im Rathaus getroffen hat.
Nach dem Gespräch hinter verschlossenen Türen war in einer Pressemitteilung aus dem Bamberger Rathaus verhaltener Optimismus angeklungen. Von weiteren Unterredungen während der Ferien erhofften sich die Teilnehmer zudem neue Impulse.