von unserem Mitarbeiter Klaus Klaschka

Marienweiher — Einen "mystischen Klangzauber" hatte das Landespolizeiorchester Bayern angekündigt. Es war ein mächtiger, der durch die Basilika rauschte. Das Programm, das Johann Mösenbichler zusammengestellt hatte, war ausgesprochen exquisit, blickte Richtung November und die in diesem Monat anstehenden Gedenktage.
Mächtig gleich zu Beginn der erste Teil aus Verdis Requiem. Entgegen der herkömmlich vertonten Teile einer Totenmesse mahnt der, vornehmlich durch seine Opern bekannte, Italiener zunächst an den Jüngsten Tag, die Dies irae (Tage des Zorns). Und das mit der Klangfülle des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts. Die legendären Posaunen von Jericho, die Mauern haben einstürzen lassen, klangen wohl vergleichsweise wie eine bescheidene Dorfkapelle.
Eher konventionell dann auch das Intermezzo Sinfonico von Pietro Mascagni aus der Oper Cavalleria Rusticane gegen Ende des Konzerts. Und zuvor das Adagio aus Mahlers Dritter, das in Steigerungswellen auf einen hymnischen Gipfel zulaufen will, dann aber immer wieder in sich zusammenbricht, am Ende dann aber doch zu einer musikalischen Apotheose findet. Nur noch mit seiner achten Sinfonie wird Mahler später mit einem riesigen Aufgebot an Instrumentalisten und Sängern eine solche Apotheose übersteigern.
Ungewohnt unkonventionell war allerdings der überwiegende Teil des Konzerts. Zum einen durch die Auswahl von Musik aus dem 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Zum anderen durch Stücke, die man in der Regel selten zu hören bekommt oder über die man zufällig beim Herumklicken in youtube stolpert.


Wie im Film

Da war die Musik von zwei Amerikanern: "Rest" (sinngemäß: Zur Ruhe kommen) von Frank Ticheli, 1958 geboren, bei dem man vielleicht einen Sonnenauf- oder -untergang in der Landschaft assoziieren könnte, zumindest eine ruhige Filmszene irgendwo über einer weiten Landschaft.
Oder "Gone" (gegangen, verschwunden) von Scott McAllister (geb. 1969), das irgendwo an die Klangwelt des Engländers Benjamin Britten erinnert: Eine lange Modulation mit Sekundreibungen, die sich unvorhersehbar auflösen, aber gleich wieder verdichten; darunter wie ein Herzschlag zwei dezente Xylophone und ein sphärischer, von einem Geigenbogen erzeugter Klang. Vielleicht war gerade dieses Stück der mystische Moment des Abends.


"Der feurige Engel"

Aus dem Jahr 1975 stammt das Stück des dritten Amerikaners Francis McBeth (1933 - 2012) - "Kaddish." Der Kaddish entspricht im Judentum etwa dem christlichen Vaterunser. Eine Heil- und Lobpreisung Jehovahs beziehungsweise Gottes. Er ist nicht in Hebräisch (von dem sich das heute in Israel gesprochene Ivrit ableitet), sondern zum großen Teil in Aramäisch, das zum Teil heute noch vom Irak über Syrien bis in die Türkei gesprochen wird.
Schließlich Musik eines Europäers: "Der feurige Engel" des im slowakischen Kosice 1955 geborenen Juraj Filas. Es basiert auf dem gleichnamigen Roman von Waleri Brjussow, der im 16. Jahrhundert spielt und sich mit Magie und Hexen beschäftigt. Es ist eine fantastische Geschichte, die Filas musikalisch umsetzt - teilweise mit Anmutungen aus der Folklore des Balkan, wie man sie von Bela Bartok kennt.
Zum Auftakt des Konzerts spielte Stefan Rascher (Organist an der Basilika und im Hauptberuf Polizist) Präludium und Fuge e-moll, BWV 533, von Johann Sebastian Bach.
Im Nachklang hinterließ das Landespolizeiorchester Bayern einen überwältigenden Eindruck, den auch der zweite Vorsitzende des Fördervereins für die Basilika Marienweiher, Landrat Klaus Peter Söllner, feststellte und für das Zustandekommen des Konzerts sämtlichen Beteiligten dankte.
Den Erlös des Konzertes wird der Förderverein für die Basilika verwenden. Das Orchester, das einzige professionelle Blasorchester in Bayern, wird durch den Freistaat finanziert.