Als das Adventskonzert am Abend des 4. Adventssonntags in der bis auf den letzten Platz besetzten St.-Marien-Kirche in Johannisthal begann, war es draußen stockdunkel. Als die Besucher nach besinnlichen, aber auch fröhlichen rund eineinhalb Stunden nach Hause gingen, war es trotz der dunklen Jahreszeit heller: in den Herzen! Das Symphonische Blasorchester Küps traf eine Woche vor Weihnachten auf offene Augen und Herzen seines Publikums, das sich vom entfachten musikalischen Flockenwirbel gerne mitreißen ließ. Die Hauptorganisation des zauberhaften Konzerts lag in bewährter Art und Weise in Händen von Dirigent Wolfgang Riedel. Das sehr stimmig ausgewählte Programm lotete alle Finessen eines Blasorchesters aus und demonstrierte eindrucksvoll, wie vielfältig Blasmusik arrangiert werden kann - und das auf höchstem Niveau.
Mit den eingangs zum Klingen gebrachten "O come, all ye faithful" (Kommt, lasset uns anbeten), "Air", "Christmas overture" und "Gabriels´s oboe" kam sogleich jene stimmungsvolle Atmosphäre auf, um die Weihnachtswoche in strahlender Art und Weise einzuläuten. Dabei schafften es die Mitwirkenden, mit ihren ungemein frisch und lebendig, aber zugleich auch sehr stimmungsvoll dargebotenen Stücken echte Weihnachtsstimmung in die Herzen der Menschen zu zaubern: so schön, so wahr und so berührend! Man hörte, lauschte gespannt und träumte, als ob man fallenden Schneeflocken zusieht - ganz leise, ganz behutsam! Der musikalische Reigen bot für jeden Geschmack etwas: schwebende Orchestermusik - von klassischen Weihnachtsstücken wie "White Christmas" und "Westminster carol" bis zu neuzeitlicher Filmmusik, bei der das geistige Auge herrliche Bilder sieht und einem wohltuende Schauer über den Rücken laufen. Bei "Out of Africa" spürte man förmlich das sanft im Wind hin und her wiegende Gras der afrikanischen Steppe, die Weite des Landes, die untergehende afrikanische Sonne - dargestellt ohne Worte, nur durch Melodien und Töne: Gänsehaut pur!


Sanft und sensibel

Mächtig "in Fahrt" war das Orchester bei der Suite aus dem "Polarexpress", wobei es sich aber auch meisterhaft auf die ruhigeren Töne verstand - ebenso wie bei der hinreißenden "Love melody". Pavel Stanék schrieb die zarte und wunderschöne Melodie des Liebesliedes für Solo-Trompete und Blasorchester. Sanft und sensibel zum Strahlen brachte das Orchester die berühmte Brahms-Melodie "A Child's lullaby" ("Guten Abend, gut Nacht"). Das Wiegenlied bildete dann auch den innig-ergreifenden Schlusspunkt der musikalischen Sternstunde, die das "Prädikat" Adventskonzert wahrlich verdiente. Gerade die Abwechslung zwischen Traditionellem und Modernem war es, die die Zuhörer packte und ihnen das Herz aufgehen ließ. Als Zugabe erklang natürlich "Stille Nacht", das wie kein anderes Stück in Deutschland musikalisch Weihnachten symbolisiert.
Mit großem Applaus bedankte sich das Publikum für einen magischen Abend voll musikalischer Tiefe, der einmal mehr den Status der Musikschule Küps als unermüdlicher Motor des Musiklebens verdeutlichte.


"Mutter" des Blasorchesters

So sah es auch der Küpser Bürgermeister Herbert Schneider, der den Fleiß, das Können und Engagement aller Mitwirkenden sowie Verantwortlichen würdigte. Gemeinsam hätten sie die "Tür hoch und die Tore weit" gemacht und den Besuchern auf schönste Art und Weise die Weihnachtsbotschaft vermittelt. Besonders freute er sich über die Anwesenheit von Gabi Pohl - "Mutter" des Symphonischen Blasorchesters, die die Musikbewegung einst mit in Gang gesetzt habe. An dem Tag habe man wieder einmal erleben können, wie herrlich diese auch von ihr mit ausgebrachte Saat aufgegangen sei. Mit weihnachtlichen Blumengrüßen dankte er auch dem Dirigenten Wolfgang Riedel sowie Jasmin und Holger Pohl. Dieser war es auch, der zwischen den musikalischen Blöcken zwei zauberhafte Weihnachtsgeschichten zum Besten gab. In "Der kleine blaue Dampfzug" geht der Herzenswunsch des kleinen Paule an Heiligabend doch noch in Erfüllung. "Wienerle an Heiligabend" verriet, warum dieses Gericht bei vielen traditionell auf den Tisch kommt. Keine unwesentliche Rolle spielt dabei ein mit Knallerbsen gefüllter explodierender Gänsebraten.