Bernhard Panzer Der Spaß soll im Vordergrund stehen, sagt Gabi Bitter, die Gründungsvorsitzende eines Ortsverbands der Partei "Die Partei" in Herzogenaurach. Denn "so ganz bierernst nehmen wir das nicht". Dennoch sei man keine Spaßpartei, sagte sie. Stattdessen verknüpfe das gute Dutzend Leute, das sich bisher zusammen gefunden hat, schon eine gewisse Hoffnung. Den zuversichtlichen Wunsch nämlich, an der Aurach ernst genommen zu werden und auch was zu erreichen.

Gabi Bitter kündigt deshalb schon heute an: "Mit Sicherheit ist bei den nächsten Kommunalwahlen damit zu rechnen, dass der Herzogenauracher Ortsverband der sehr guten Partei 'Die Partei ' dringende Probleme anspricht!" Und will damit meinen, dass man auf die Jagd nach einem Stadtratsmandat gehen werde.

Freilich sei die Vereinigung, die 2004 gegründet worden ist, damit zwar " die älteste Protestpartei Deutschlands", wie die Vorsitzende feststellt. Und nach ihrer Ansicht gut geschaffen, schon deshalb "auch Herzogenauracher Wählern die Möglichkeit einer seriösen (Protest)-Alternative" zu geben. Dennoch bleibt "Die Partei" eine Satirepartei. So kann der Bundesvorsitzende Martin Sonneborn getrost feststellen, dass man das Parteiprogramm bei den Grünen abgeschrieben und ein bisschen frisiert habe.

Der Chef ist dem Publikum in Deutschland und Herzogenaurach auch noch durch eine andere Tätigkeit bekannt, als Mitglied der "Titanic Boygroup" nämlich, an der Seite zweier ehemaliger Chefredakteure des Satiremagazins "Titanic". In dieser Eigenschaft besuchte der Grimmepreisträger jüngst auch Herzogenaurach. Dort trat er mit der Boygroup nicht nur beim Kulturfestival auf, sondern stand auch gleich Pate bei der Gründung eines Ortsverbands der "Partei".

Gabi Bitter hatte die Gunst der Stunde genutzt und den hohen Gast zur Blitz-Gründung in den Ratskeller eingeladen. "GröVaZ" (Größter Vorsitzender aller Zeiten) Sonneborn ließ sich das natürlich nicht nehmen und übernahm die Schirmherrschaft. Inzwischen folgte nach der Blitzgründung eine weitere offizielle, damit man auch der Satzung entsprach. Zweiter Ortsvorsitzender ist übrigens Steffen Moroskow. Die Kasse führt Laura Gehr.

Ein Mandat als Ziel

Und was hat die 56-jährige Herzogenauracherin Gabi Bitter bewogen, den Vorsitz zu übernehmen? Sie habe sich in der "Die Partei" gut aufgenommen gefühlt. Sie sei für eine Alternative zu den etablierten Parteien, aber eben für eine richtige Alternative. Dass Sonnenborns Partei da eher links einzuordnen ist, habe ihr gefallen. Gabi Bitter: "Wir wollen auf originelle Art und Weise die Menschen zum Nachdenken bringen."

Am besten sei das vor Ort in der Lokalpolitik möglich: "Das ist die Möglichkeit zum Protestwählen." Und deshalb hat sie für die Wahl 2020 auch ein Ziel ausgegeben: "Ein Stadtrat wär' schon ganz gut."

Man orientiere sich in Herzogenaurach an Zielen der Bundespartei (zum Beispiel gegen gegen Tierversuche, denn Tiere seien zum Liebhaben oder essen da) und habe auch Spielraum für regionale Ziele. Diese sollen in den nächsten Monaten noch genauer definiert werden, stellt sie fest. Und nennt, mit einem Zwinkersmiley versehen, einen schon jetzt wichtigen Punkt: U-Bahn statt StUB oder gleich zeitgemäß Hyperloop. Eine weitere Forderung wäre eine zweckgebundene Wirtschaftsbeihilfe der Stadt an volljährige Bürger zur Förderung des Getränkeumsatzes (nochmal Zwinkersmiley).

Aber dann wird sie sogar ein wenig ernst. Denn "Die Partei" sei schließlich keine Spaßpartei, sondern durchaus eine "ernst zu nehmende Satirepartei der extremen Mitte", betont sie. Und Erfolge habe es ja auch schon gegeben: Immerhin ist Martin Sonneborn Mitglied des Europa-Parlaments. Und der Landtagskandidat im Stimmkreis Roth habe in seiner Heimatstadt Georgensgmünd sensationelle 4,76 Prozent der Stimmen erhalten.