Markus Ott wird am 1. August seine Stelle als Leiter der Realschule in Höchstadt antreten. Im Gespräch mit dem FT verrät er unter anderem, wie er sich die Arbeit in Höchstadt vorstellt.

Warum sind Sie Lehrer geworden?

Markus Ott: Ich habe im Zivildienst einen schwerstbehinderten Jungen betreut, der die achte Klasse des Gymnasiums besuchte. Dadurch machte ich die achte Jahrgangsstufe "doppelt" - einmal regulär, einmal nach dem Abitur.

In dieser Zeit gab ich vermehrt Nachhilfe und bemerkte die Freude an der Arbeit in der Bildung. Außerdem habe ich aktiv lange Jahre in der Kinder- und Jugendarbeit gewirkt (Kindergottesdienst, Ev. Landjugend). Die Arbeit mit dieser Zielgruppe machte mir immer viel Freude. Die Entscheidung für den Lehrerberuf habe ich noch keine Sekunde bereut.

Was sind Ihre Lieblingsfächer?

In der Schule waren das Sport, Mathematik und Chemie. Daher fiel es mir leicht, zwei Fächer für ein Lehramtsstudium zu finden. Unterrichtet habe ich viel Mathematik und IT/Informatik, die Zusatzausbildung dafür habe ich während des Referendariats abgeschlossen. Der Bedarf an Chemie war an meiner bisherigen Schule aufgrund einer großen Chemie-Fachschaft nicht so notwendig, so dass ich seltener Chemie gab, diesen Unterricht aber ganz besonders schätzte.

Was hat Sie bewogen, sich für den Schulleiterposten zu bewerben?

Ich wurde durch viele positive Rückmeldungen bezüglich meiner Tätigkeit in der Schulleitung in Herzogenaurach seit 2008 bestärkt. In dieser Zeit konnte ich viel lernen und daher möchte ich jetzt auch Verantwortung übernehmen. Es war aber auch der positive Gesamteindruck der Realschule Höchstadt. Ein Teil dieser Schulgemeinschaft zu werden ist eine tolle berufliche Aussicht.

Wie fühlten Sie sich, als Sie wirklich ausgewählt wurden?

Ich habe mich natürlich gefreut. Wenn man sich diese Schule ansieht, dann geht einem das Herz auf.

Möchten Sie an der für Sie neuen Schule etwas Bestimmtes anpacken, ändern oder sehen Sie jetzt aus der Ferne keinen Bedarf?

Ich wünsche mir eine lebendige Schule. Unsere Kinder haben vielfältige Interessen und Talente. Die Realschule in Bayern kommt mit Ihrem weit gestreuten Angebot hinsichtlich der Lerninhalte und Anerkennung der Ausbildungsart in unserer Gesellschaft diesem entgegen. Zusätzlich ist es wichtig, jedem Kind gerecht zu werden und weitere Wahl-, Förder- und Ergänzungsangebote angepasst an die jeweiligen Voraussetzungen der Schüler zu bieten.

Die Realschule hier in Höchstadt wurde neu gegründet in Verantwortung zweier Pädagogen, die ich äußerst schätze. Rainer Bum und Uli Langer haben in den 2000er Jahren den Grundstein für eine Schule gelegt, deren Entwicklung ich in dieser Zeit interessiert verfolgt habe. Viele innovative Lern-, Unterrichts- und Verwaltungskonzepte wurden etabliert und finden meine Unterstützung. Ich möchte natürlich die Schulentwicklung vorantreiben. Ein Schulleiter allein macht allerdings keine Schule. Dazu benötigt er ein gutes Team. Meine Aufgabe in den kommenden Wochen wird es also sein, in Gesprächen den Ist-Stand zu ermitteln und dann erste Maßnahmen anzugehen, ohne jedoch zu vorschnell zu handeln.

Die Corona-Situation hat gezeigt, wie wichtig uns allen gewohnte Strukturen sind. Vieles uns Vertraute ist in letzter Zeit zu kurz gekommen. Ich möchte daher bewusst erst wieder "Normalität" in Schule, Elternhäuser und die Freundeskreise der Schüler einkehren lassen. Digitalisierung wird aber sicherlich weiterhin ein Thema sein. Wichtig ist mir aber dabei, nicht nur durch Hardware und Apps die Kinder zu versorgen, sondern sie in diesem ganzen Prozess zu begleiten, ihnen die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren aufzuzeigen und Hilfestellung zu geben. Was ist Ihnen im Schulleben wichtig?

Ich habe in meiner langjährigen Erfahrung festgestellt, dass eine "funktionierende" Schulfamilie von extrem wichtiger Bedeutung ist. Die Zusammenarbeit aller direkt Beteiligten (Schüler, Lehrer, Eltern), aber auch der Sachaufwandsträger und mit dem Förderkreis ist gefragt und alles muss von Harmonie und dem Erreichen gemeinsamer Ziele geprägt sein. Schule soll ein Ort des Lehrens und Lebens sein, dazu sind ein vertrauensvoller Umgang und gegenseitige Wertschätzung, soziales Engagement und eine angstfreie Schule wichtig, außerdem die Öffnung nach außen (Eltern, Nachbarschulen, Firmen, Schüleraustausch).

Was wünschen Sie sich, den Schülern, dem Kollegium und der Schule für die Zukunft?

Im Moment wünsche ich allen natürlich Gesundheit. Dass Schüler und Kollegen wieder in ihre Schule zurückkönnen ohne Einschränkung der für eine Schule so wichtigen Sozialkontakte. Ich wünsche mir einfach eine innovative Schule mit vielen nachhaltigen Ideen und Ansätzen. Das Gespräch führte Johanna Blum.