Eckehard Kiesewetter

Jesserndorf — So malerisch die Kulisse auch war. Sie zeigte doch, wie schwierig es im Winter sein kann, Veranstaltungen aus geschlossenen Räumen nach draußen zu verpflanzen, um Corona-Vorschriften einzuhalten. Bei der Freiluft-Neujahrsmesse, gedacht für alle Mitglieder der katholischen Pfarreiengemeinschaft Ebern, Jesserndorf und Unterpreppach, verloren sich knapp 50 Christen auf dem Dorfplatz von Jesserndorf.

Die nasskalte Witterung - Schnee hatte den Platz im Fachwerkdorf über Nacht eingepudert - und die Unsicherheiten um die Lockdown-Vorschriften hielten auch sonst zuverlässige Gottesdienstbesucher Zuhause fest.

Pfarrer Rudolf Theiler machte deutlich, wie sehr die Corona-Pandemie Altgewohntes in Frage stellt und das Leben verändert. Noch vor Jahresfrist seien zwangsweise geschlossene Kitas und Schulen undenkbar gewesen. Der Pfarreiengemeinschaft "Gemeinsam unterwegs" habe das Pandemiejahr einen Schwund der Gottesdienstbesucher, personelle Verschlechterungen und Kirchenaustritte eingebracht. Etliche Taufen führte der Geistliche im Pfarrgarten oder Privatgärten der Familien durch, doch die Zahl der Sterbefälle habe die der Geburten bei weitem übertroffen. "Aber das Jahr hat auch Positives gebracht", sagte der Karmelit und verwies beispielsweise auf gelungene "Freiluft-Events", auf die Kreativität, mit der man Antworten auf Corona-Beschränkungen gefunden habe, oder auf viele private Initiativen, mit denen Menschen gezeigt haben, dass sie für andere da sind.

Spirituell gehe es darum, das Jahr im Vertrauen auf Gott zu beginnen. Er sei ein "Gott des Lebens, nicht ein Gott der Vernichtung". Weihnachten und Ostern stünden dafür.

Die Corona-Erfahrung lehre auch, sich Zeit zu nehmen, für sich selbst, aber auch für andere Menschen. Sie ermahne zu respektvollem Abstand, selbst vor Menschen, deren Nähe man suche: "Den anderen erst mal anschauen, Rücksicht nehmen und niemanden aus Eigeninteresse überrumpeln." Auch erwartet er neu entdeckte Wertschätzung für Menschen und Berufe, die im Alltag bislang kaum geachtet waren. Die Leistung der Pfleger und Erzieher, aber auch der Polizisten und Müllmänner habe Covid 19 in ein neues Licht gerückt. Dankbarkeit für diese Dienste gelte es in die Zukunft weiterzutragen. Gleiches gelte für eine neu empfundene Solidarität mit den Alten, Kranken und Menschen aus Risikogruppen.

Die Erinnerung an gelebten Verzicht könne eine neue Art der Wertschätzung bewirken. Als Beispiel nannte er den ausgefallenen Urlaub in weiter Ferne. Viele Menschen hätten dadurch die eigenen Heimat wieder stärker schätzengelernt. Schließlich sei zu hoffen, so der Pfarrer, dass die neu erwachte Kreativität weiter fortbesteht, mit der beispielsweise Gottesdienste per Videoaufzeichnung mehr Menschen zugänglich werden. Auch würdigte er die Balkonkonzerte von Philipp und Eva Arnold in Jesserndorf oder die Beiträge der Bläsergruppe um Lena Marks in Ebern.

So betrachtet gebe der Jahreswechsel durchaus Anlass für gute Erwartungen. Theiler zitierte den Theologen Ernst Lange mit den Worten: "Christen sind Menschen, die sich nicht von schlechten Erfahrungen leiten lassen sondern von guten Erwartungen."