Ergotherapeuten haben einen genauen Blick auf die Besonderheiten des betroffenen Menschen und seine körperlichen, geistigen und seelischen Beschwerden - gerade auf deren Auswirkungen auf das tägliche Leben. Mit diesem mehrdimensionalen Ansatz entstehen individuelle Konzepte zur Behandlung, die die Ansprüche an eine moderne medizinische Leistung erfüllen. Und dabei haben Ergotherapeuten immer ein zentrales Ziel: Den beeinträchtigten Menschen in die Lage zu versetzen, so selbstständig wie möglich zu werden oder zu bleiben und am Leben mit all seinen Perspektiven und Anforderungen teilzuhaben.
Denn niemand will ständig auf die Hilfe anderer angewiesen sein. Wer selbst einmal schwer erkrankt war, weiß, wie wichtig das Gefühl ist, das eigene Leben in der Hand zu haben.
Dass Ergotherapie bei zahlreichen Erkrankungen oder bereits im Vorfeld einer solchen zielführend ist, liegt an den Behandlungs- und Beratungsangeboten. So ist für viele Hilfesuchende der Zeitfaktor wichtig: Oft fühlen sich Menschen, die beispielsweise unter seelischen Belastungen leiden, in Zeitnot und benötigen Lösungen, die sich leicht in ihr tägliches Leben integrieren lassen. Alltagstauglichkeit und praktikable Strategien nehmen daher unter den ergotherapeutischen Behandlungskonzepten einen zentralen Platz ein. Auch das Einbeziehen enger Bezugs- oder Betreuungspersonen ist ein typischer Bestandteil der heutigen Ergotherapie: Sowohl Familienangehörige als auch Pädagogen werden oftmals in den Behandlungsprozess von Kindern und Jugendlichen eingeschlossen.


Einsatzgebiete und Methoden

So vielfältig wie die Erkrankungen und Situationen und so verschieden wie die zu behandelnden Menschen, so breit gefächert sind auch die Methoden, die Ergotherapeuten einsetzen. Mit Unfallopfern oder Schlaganfallpatienten, die Gliedmaßen verloren haben oder nicht mehr vollständig einsetzen können werden beispielsweise Ersatzstrategien oder -handlungen erarbeitet und geübt. Bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten ist das ergotherapeutische Ziel, sie zu einer besseren Selbstorganisation anzuleiten. Dazu sind beispielsweise verhaltenstherapeutische Methoden, Konzentrationsübungen, Sozialkompetenz- oder visuelles Wahrnehmungstraining nötig. Ganz anders stellt sich der Umgang mit Menschen dar, die an Demenzerkrankungen leiden. Hier kommt es darauf an, ihre Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und die Auswirkungen ihrer Krankheit hinauszuzögern. Dazu ist oft die Anpassung der Umwelt zuhause und das Erarbeiten von Strategien gegen das Vergessen nötig, auch die Anleitung von Angehörigen. Darüber hinaus kann es unter anderem kognitiv aktivierende Gruppentherapien geben, aber auch Bewegungsübungen oder das bewusste Stimulieren der sinnlichen Wahrnehmung wie Geruch oder Gehör können eine Verlangsamung des Abbauprozess bewirken.
Quelle: Deutscher Verband der Ergotherapeuten