Steffen Standke Kaum waren die Pflöcke, die die wahre Ausdehnung des künftigen MedZentrums im Georgi-Park kennzeichnen, in den Boden gerammt, war Dirk Stumpe vor Ort. Der PWG-Stadtrat stellte fest: Das Gebäude wirkt dem Augenschein nach viel größer als ursprünglich im Stadtrat besprochen. Dieser Widerspruch mündete nun in einem Antrag der PWG, der im nächsten Stadtrat behandelt werden soll.

In den Ursprungsplänen für das Areal nahe der Franz-von-Prümmer-Klinik war noch die Zahl von rund 3200 Quadratmetern genannt. Mit Blick auf die Grenze des städtischen Grundstückes, und damit alte Bäume erhalten bleiben, schrumpfte das Gebäude auf 1725 Quadratmeter Bruttomietfläche. Diese waren Grundlage für den Beschluss des Stadtrates zum Bau vom 16. Juli vergangenen Jahres.

Nun schreibt Stumpe im Antrag seiner Fraktion: "Die kürzlich im Georgi-Park durchgeführten Vermessungsarbeiten lassen erahnen, dass die ursprünglich geplanten Abstandsflächen (siehe Plan vom 16. Juli 2019) nicht eingehalten werden, und sich die Grundfläche des Gebäudes erheblich vergrößert.

Fläche nun 2300 Quadratmeter

Was Stumpe beim Formulieren des Antrags nach eigener Aussage nicht wusste: Bei einem Pressetermin zum MedZentrum am 22. Oktober - wenige Stunden vor der jüngsten Stadtratssitzung - hatte Alexander Bechtler, Sprecher von Projektentwickler IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH, von "2300 Quadratmetern Fläche" gesprochen.

Doch nicht nur die aktuellen Ausmaße des MedZentrums stören die PWG laut ihrem Antrag. Das Gebäude kollidiere auch mit der im August vorgestellten Rahmenplanung des Schweinfurter Büros Schlicht & Lamprecht zum Bahnhofsgelände und Georgi-Park. "Hier wurde auch nochmal explizit unterstrichen, wie wichtig die Sichtachse zwischen ehemaligem Bahnhof und Georgi-Park ist, und dass dies ein wertvolles Detail der Planung des gesamten Areals sein wird." Stumpe und Co. fürchten, dass diese wichtige Achse verbaut werde.

Deswegen wollen sie, dass die Stadtverwaltung dem Projektentwickler folgende Maßnahmen auferlegt: Sollte einer oder mehrere der alten Bäume auf der Sichtachse Bahnhof - Georgi-Halle beseitigt werden, muss der Bauherr - also die IWG - "entweder für die Verpflanzung jedes einzelnen Baumes, oder, falls dies nicht möglich ist, eine Neupflanzung eines Baumes in entsprechender Größe, vorzugsweise im Bereich des Georgi-Parks, oder auf dem Bahnhofsgelände" veranlassen. Bei einer Neuanpflanzung müsse der Baum mindestens 25 Jahre alt sein und dürfe eine Höhe von sieben Metern und eine Kronenbreite von vier Metern nicht unterschreiten.

Dirk Stumpe betonte, dass nicht jeder in der PWG-Fraktion hinter dem Antrag stehe. Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) nahm das Schreiben an und will es prüfen lassen.

Unterdessen hat die Bürgerinitiative "PRO Bad Brückenau", die den Kurpark in der jetzigen Form erhalten will, zu Aussagen von Projektentwickler Alexander Bechtler Stellung genommen. Der hatte auf Anfrage dieser Redaktion mitgeteilt, seit Monaten nichts vom Bürgerbegehren gehört zu haben.

"Tatsächlich ist dies so nicht korrekt", schreibt die Initiative. Im Mai sei aus den Reihen der Grünen ein öffentlicher Termin zwischen den Projektentwicklern, der Stadt und den Initiatoren des Bürgerbegehrens angekündigt worden. "Von Seiten der Initiatoren des Bürgerbegehrens wurde mehrfach bei der IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH nach diesem Termin gefragt, doch leider waren entweder gar keine Rückmeldungen, oder Vertröstungen wegen der aktuellen Corona-Pandemie die Antwort." Ein solcher Termin für eine Diskussion könnte heutzutage auch online stattfinden.

Selbst nachdem sich mit dem Bad Brückenauer Diplom-Ingenieur Klaus Neisser ein echter Experte für Landschaftsarchitektur und Städteplanung öffentlich in der Zeitung geäußert habe, sei keine Reaktion seitens der Projektentwickler oder der Stadt erfolgt, führt PRO Bad Brückenau weiter aus.

Keine Konfrontation gewünscht?

"Ist es daher richtig, an dieser Stelle einfach zu hoffen, dass das Interesse der Bürger sich im Sande verlaufen hätte, um einer eventuellen Konfrontation aus dem Weg zu gehen?", wird gefragt. Der Artikel dieser Zeitung vom 23. Oktober erwecke schließlich erneut den Eindruck, dass die Corona-Pandemie vorgeschoben werde, um eine fehlende Informationskultur zu rechtfertigen.

Die Bürgerinitiative teilt weiterhin mit, dass im Rahmen des Bürgerbegehrens fast 400 Unterschriften gesammelt wurden, "die im Rahmen dieser Stellungnahme nun auch auf der Stadt abgegeben werden". Um einen Bürgerentscheid anzustoßen, hätten zehn Prozent der Wahlberechtigten, also etwa 510 Bad Brückenauer, unterschreiben müssen.

Stimmensammeln eingeschränkt

"Die Corona-Pandemie stellte für das Bürgerbegehren tatsächlich ein großes Hindernis dar", schreiben die Initiatoren. Denn wie sollten Leute, die nicht vor die Tür gehen, in Läden, die kaum geöffnet haben, Unterschriften auf den Listen leisten.

Die Stellungnahme endet mit den Worten: "Die Stimmen vieler Bad Brückenauer Bürger werden nicht gehört, und die Informationsweitergabe in unserer Stadt ist mehr als mangelhaft." Wenn auch die Bebauung des Georgi-Parks nicht mehr verhindert werden kann, so können hoffentlich an der Informationskultur gearbeitet werden.