Der zum Jahresende scheidende Kämmerer des Marktes Thurnau, Michael Ganzleben, konnte bei seiner letzten Haushaltssitzung gelassen zuhören. Denn sein Nachfolger Richard Kemnitz hat von "Magier Copperfield", wie SPD-Fraktionsvorsitzender ihn titulierte, gelernt und präsentierte als "Zauber-Lehrling" die trockenen Zahlen, aufgepeppt mit Grafiken und vielen Informationen.

Der erste Haushalt des neuen Kämmerers entpuppte sich als drittgrößter des gesamten Landkreises. Er hat ein Gesamtvolumen von fast 16,5 Millionen Euro und toppt damit den Vorjahresetat noch einmal um knapp 600 000 Euro.

Der Verwaltungshaushalt bewegt sich auf Vorjahresniveau und schließt mit 7,6 Millionen Euro ab. Kemnitz betonte, dass man gewohnt vorsichtige Ansätze gewählt habe und von einem Überschuss von 515 722 Euro ausgehe. Den größten Posten machen mit mehr als zwei Millionen Euro die Personalkosten für zwei Beamte und 52 Arbeitnehmer sowie eine Auszubildende aus. Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) betonte, dass Stellen neu zugeschnitten und altersbedingte Austritte gut nachbesetzt werden konnten.

Auf der Einnahmenseite kalkuliert der Markt vorsichtig, was die Steuern anbetreffe. Kämmerer Kemnitz betonte, dass man dennoch mit einem freien Finanzspielraum von 408 000 Euro rechne. Bei den Gewerbesteuern rechne man vorsichtig mit 1,1 Millionen, bei der Einkommenssteuer mit 2,3 Millionen Euro. Außerdem gehe man von sinkenden Schlüsselzuweisungen und einer steigenden Kreisumlage aus.

Die größten Maßnahmen im Vermögenshaushalt sind die Sanierung des Gräfhauses am Marktplatz (1,3 Millionen Euro), der fünfte Bauabschnitt des Schlosses (950 000 Euro), die Dorferneuerung Alladorf (734 000 Euro) sowie die Umgestaltung des Tanzlindenareals Limmersdorf (568 000 Euro).

Konsolidierung geht weiter

Der Markt möchte auch 2021 Stabilisierungshilfe beantragen, die dann für Investitionshilfe verwendet wird. Der Konsolidierungskurs wird fortgesetzt.

Die Realsteuerhebesätze, so beschloss das Gremium einstimmig, bleiben auf dem Niveau des Vorjahres. Die Grundsteuer A liegt bei 345 von Hundert, die Grundsteuer B bei 340 und die Gewerbesteuer bei 340. Da alle Steuerarten über dem Landesdurchschnitt liegen, erfolge keine weitere Anhebung.

"Die Investitionen der letzten Jahre zeigen auf der Einnahmenseite mittlerweile Wirkung. Die heuer geplanten Ausgaben in die Infrastruktur dienen der langfristigen Weiterentwicklung unserer Gemeinde", sagte Martin Bernreuther. Der Haushalt sei in Online-Sitzungen vorbesprochen worden.

"In den vergangenen sieben Jahren konnten wir etwa 3,4 Millionen Euro oder 80 Prozent der Gesamtverschuldung abbauen - trotz unglaublich vieler Maßnahmen, die wir zusammen umsetzen konnten", dankte Berneuther für die Zusammenarbeit. Das gute Miteinander im Gremium zeigte sich auch darin, dass sich alle Räte, die an der Sitzung teilnehmen wollten, vorher auf Corona testen ließen.

Der Bürgermeister freute sich über Gewerbesteuereinnahmen, die den letztjährigen Ansatz von einer Million um 50 Prozent übertroffen haben - und das, obwohl Corona andernorts für Einbußen gesorgt hat. Stolz zeigte sich Bernreuther darauf, dass die Zinszahlungen um über 95 Prozent im Vergleich zu 2013 gesenkt werden konnten. Sie liegen 2021 bei 5400 Euro, 2013 waren es noch 141 000 Euro.

Die Stärkung des Innenortes sei erfolgt. Jetzt gehe es darum, Bauflächen zu schaffen. Aktuell lägen dem Markt Thurnau 40 Anfragen von Bauwilligen vor. Große Entwicklungen erhofft sich Bernreuther außerdem im Schlosspark und im Bereich der Straßensanierungen.

Leitungsnetz wird weiter saniert

Der Haushalt der Marktwerke umfasst 4,5 Millionen Euro. Hier kommt man nicht um eine Neuverschuldung herum. Doch der Bürgermeister rechnet auch mit Rückflüssen aus der Erschließung des Industriegebiets. Im Freibad sind Investitionen in Höhe von rund 680 000 Euro geplant. Ins Wasserleitungs- und Kanalnetz sollen 1,1 Millionen Euro investiert werden.

Die Gemeinderatsfraktionen lobten das umfangreiche Zahlenwerk. "Der Marktwerke­haushalt ist sehr konservativ geplant, um uns trotz des engen rechtlichen Rahmens möglichst viel Spielraum bei den Investitionen zu ermöglichen", kommentierte der Sprecher der CSU-Fraktion, Christian Schwarz. Er betonte, dass, wenn alle Maßnahmen zur Umsetzung kommen, ein Kreditbedarf von einer weiteren Million nötig sei. "Das ist alternativlos, um die Wasser- und Abwasserversorgung in der Gemeinde nachhaltig zu sichern", so Schwarz.

"Für uns ist der Marktwer­kehaushalt ein großes Sorgenkind, ein Sanierungsfall"; betonte indes der Fraktionssprecher der FW/ÜWG, Erwin Schneider, und warnte davor, dass Ende 2021 die Verschuldung bei 5,2 Millionen Euro liegen würde. "Das sind Schulden, die die Bürger über die Wasser- und Abwassergebühren bezahlen müssen", sagte er, Generationen hätten daran zu knabbern. Schneider forderte eine Auflösung dieses "Schattenhaushalts".

Das wollte Jürgen Kraus (FDP/Unabhängige Bürger) nicht stehen lassen. "Wir widersprechen der ÜWG. Die Position zeugt von mangelnder Sachkenntnis. Wir bitten die jungen Gemeinderatskollegen, nicht auf diese Formulierungen reinzufallen." Der Haushalt sei sorgfältig und sachgerecht erstellt worden.

Dietmar Hofmann (SPD) wertete den Haushalt 2021 als Lichtblick. "Ziel der Konsolidierung war, die finanzielle Leistungsfähigkeit wiederzuerlangen. Beim Blick auf den Haushalt 2021 sehen wir: Wir sind dem Ziel ganz nahe. Darauf können wir alle sehr stolz sein."

Letztlich verabschiedeten die Räte den Gemeindehaushalt einvernehmlich. Gegen den Etat der Marktwerke gab es zwei Gegenstimmen aus der FW-Fraktion. red