Kloster Banz liegt auf einem Hügel, hoch über dem Maintal. Es gehört zum Ensemble am Gottesgarten und wirkt auf den Betrachter majestätisch der Zeit enthoben. Doch mochte es dort oben im Frühling 1945 auch zu einer Stunde Null gekommen sein? Eine Frage, welcher Heinz Pfuhlmann für den Geschichtsverein CHW ausgerechnet am 8. Mai 2021 nachspüren sollte.

Es war ein symbolisches Datum, jener 8. Mai. Exakt 76 Jahre vorher kapitulierte die Wehrmacht und der Zweite Weltkrieg war zu Ende. In Europa jedenfalls.

Doch was bekam der Ort Kloster Banz von alledem mit? Immerhin diente er als Kunstlager, Lazarett und Fluchtpunkt. Heinz Pfuhlmann, Referent des Abends, ist in Lichtenfels noch gut bekannt, war er hier doch Direktor des Gymnasiums. Auf Lehramt studierte er u. a. Deutsch und Geschichte, und seinen Ruhestand verbringt er laut Günter Dippold, Vorsitzender des Colloquium Historicum Wirsbergense , gerne auch forschend.

Pfuhlmann erzählte von den letzten Kriegswochen in Kloster Banz , von den dortigen Vorkommnissen und dazu gehörte der Umstand, dass der Ort ein Lazarett beherbergte. „300 Patienten, Sanitätspersonal und Ärzte“, so die genannte Zahl. Rechnet man noch die Priester und Seelsorger dazu, mochte es eng geworden sein. Doch ein bisschen Raum fand sich dann doch, wie eine Fotografie aus jener Zeit zeigte, die Pfuhlmann bei seinen Recherchen unter die Hände kam. Es zeigt ein wenige Tage altes Mädchen auf dem Arm seiner Mutter. Zwar wurde es in Dresden entbunden, aber wenige Tage später war es hier. Das Mädchen von einst „lebt heute noch in Bad Staffelstein“, versicherte der Referent.

Schnell gelang es Pfuhlmann mit seinem auch von Interviews lebenden Vortrag, das Kolorit jener Zeit einzufangen. Da wäre beispielsweise der Senior Hagen Blum gewesen, der von März 1945 bis 1957 auf Kloster Banz Kindheit verlebte und Heimat fand. „Es war eine geschlossene Gesellschaft, das muss man sagen“, so der heutige Rentner zum vorherrschend Katholischen am Ort. Doch das Katholische habe laut Blum nie ausgeschlossen. „Obwohl wir evangelisch waren, habe ich eine schöne Jugend dort verlebt.“

So wie Pfuhlmann es schilderte, war Banz ein Ort mit Gelegenheiten für Strömungen und Begegnungen unterschiedlichster Art. Da wäre beispielsweise die Gemeinschaft von den heiligen Engeln gewesen, die 1926 von dem Missionsbischof Franz X. Geyer eigens für die Seelsorge bei katholischen Auslandsdeutschen gegründet wurde und 1933 in die Klosteranlage umzog.

Beutekunst und Blausäure

Da wäre aber auch die Person des Kurt von Behr, der gemeinsam mit seiner aus Australien stammenden Frau in Kloster Banz Suizid beging. Der Mann, der mecklenburgischem Adel entstammte, bediente Hermann Görings Wünsche nach geraubten Kunstgegenständen, wurde 1940 von Alfred Rosenberg in Paris zum Raub „herrenlosen Kulturguts von Juden “ eingesetzt. Banz dürfte nicht unmaßgeblich durch ihn, dem man auch eine Tätigkeit als Gestapo-Agent nachsagte, zu einem Hort ausgelagerter Kunstschätze und von Beutekunst gemacht worden sein. Es war Blausäure, mit welcher er und seine Frau sich eine Woche nach Eintreffen amerikanischer Truppen selbst richteten.

„Behr gehörte in Paris zu den Personen, mit denen man abrechnen würde“, erklärte Pfuhlmann zu Hintergründen und persönlichen Aussichten des damals 55-Jährigen. Doch es gab noch einen „Witz der Geschichte“, wie der Referent den Umstand nannte, wonach von Behrs Sarg ausgerechnet von französischen Kriegsgefangenen auf den Friedhof getragen wurde.

Ob auf Banz je von so etwas wie einer Stunde Null zu spüren war? Pfuhlmanns Vortrag erfasste eine Übergangszeit zwischen Krieg und Frieden an einem Ort, zu dessen Lokalkolorit allerlei Gegensätzlichkeiten und Widersprüchlichkeiten zu bestehen schienen. Das machte „Banz '45 – (k)eine Stunde Null“ so miterlebenswert.