Der kleine Mann aus China reißt erstaunt die Augen auf! So als wolle er fragen, was er denn hier zu suchen habe. Das fragt sich auch der Betrachter, sobald er die Unterschrift gelesen hat: "Gruß aus Wuhan", ist da zu lesen. Darauf hätten wir nun wirklich verzichten können! Nicht aber auf die Sonderausstellung, die Friedel Auer zur Wiedereröffnung des Schlüsselfelder Stadtmuseums präsentiert.

Ist doch das Coronavirus, das aus Wuhan kommen soll und die ganze Welt im Griff hat, derzeit das aktuellste Thema überhaupt. "Gesalzen und gepfeffert" titelt die Ausstellung, die, abgesehen von dem Virus überaus amüsant ist. Denn Auers Exponate sind allesamt Salz- und Pfefferstreuer. Fast 4000 Exemplare aus aller Welt hat der Museumsleiter zusammengetragen. Damit hat er nach Aussage des Vereins Porzellanstraße Europas größte Sammlung an Salz- und Pfefferstreuern. In der Sonderschau ist nur ein kleiner Teil davon zu sehen, dieser aber nimmt die aktuellsten Themen der Zeit auf. Klein, bunt, skurril und alle in Porzellan sind sie einfach lustig anzuschauen.

Bezüge zum Zeitgeschehen

So demonstriert Auer das Insektensterben mit einem Fisch, an dem eine Zikade sitzt, konfrontiert den Betrachter mit dem Brexit anhand von betagten Engländern samt Zylinder und macht den Bildungsnotstand an einem Bücherwurm fest, der sich durch Gedrucktes frisst. Herdenimmunität und Home Office kommen natürlich auch nicht zu kurz.

Zu "Fridays for Future" hat sich eine Menge junges Volk aus aller Herren Länder versammelt und "Legebatterien" werden durch mehr oder weniger glückliche Hühner symbolisiert. Wen verwundert es da noch, dass in Zeiten des Klimawandels in Schlüsselfeld Kakteen bunte Blüten treiben. Die Landwirtschaft steht ebenso in der Diskussion wie Reisen in ferne Länder, die durch Menschen der verschiedensten Nationalitäten dargestellt sind.

Alles in allem ein kleiner Kosmos, amüsant und doch zum Nachdenken anregend. Schließlich wird die zerbrechliche Themenpyramide gekrönt von den Helden des Alltags: Ein Helfer oder Arzt samt Krankenschwester stehen über allem. Mit einem Button hat Auer ihnen auch ein Zuhause gegeben. Bei den Johannitern, schließlich ist man ja in Schlüsselfeld und hier ist die Hilfsorganisation seit jeher zu Hause.

Fragt sich der Besucher, wie all das angefangen und wer die Idee zu diesen kuriosen Sammelstücken hatte. Friedel Auer hat sich vor Jahren sehr um einen Anschluss von Schlüsselfeld an die Porzellanstraße bemüht und diesen schließlich auch erreicht. Der Grund dafür war, dass es einst im Schlüsselfelder Ortsteil Reichmannsdorf eine Porzellanmanufaktur gab. Auer hat viele Überbleibsel aus dieser Produktionsstätte zusammengetragen.

Dass die Leidenschaft in Salz- und Pfefferstreuern gipfelte, kam vermutlich einfach mit der Zeit. Vom Verein Porzellanstraße kam schließlich die Anregung für einen mit dem "Weißen Gold" geschmückten Weihnachtsbaum. Die Idee, diesen mit Salz- und Pfefferstreuern zu schmücken, hatte Auers Ehefrau Monika. Die Streuer waren klein und konnten durch die Löcher gut am Baum aufgehängt werden. Inzwischen ist eine Tradition daraus geworden. Der Baum im Durchgang des Rathauses wird alljährlich unter einem anderen Thema herausgeputzt. Was bei der großen Auswahl im Schlüsselfelder Stadtmuseum keine Schwierigkeit sein dürfte.