Stephan-Herbert Fuchs

Sie haben das Vertrauensverhältnis zu einem befreundeten Rentner schamlos ausgenutzt und dessen Konto um 550 Euro erleichtert. Deshalb mussten sich die beiden 21- und 22-jährigen Männer aus Kulmbach jetzt vor Gericht verantworten.

Obwohl der Jüngere noch mehr auf dem Kerbholz hatte, wurde das Verfahren gegen ihn vorläufig gegen eine Arbeitsauflage eingestellt. Grund dafür ist, dass er sich derzeit wegen einer massiven Persönlichkeitsstörung in einer Therapieeinrichtung befindet. Der ältere der beiden Angeklagten hätte dagegen aufgrund seiner vielen Vorstrafen und einer offenen Bewährung um ein Haar eine Gefängnisstrafe antreten müssen. Weil er ein rückhaltloses Geständnis abgelegt und den entstandenen Schaden wiedergutgemacht hatte, kam er noch einmal mit Bewährung davon, das Urteil lautete unter Einbeziehung einer Vorstrafe auf ein Jahr und vier Monate.

Die beiden hatten Freundschaft mit einem Rentner geschlossen, der sie leichtgläubig in seine Wohnung in Kulmbach ließ. Am 10. Juli 2020 verwickelte der Jüngere den Mann in ein Gespräch und lenkte ihn somit davon ab, dass der Ältere sich an seiner Brieftasche zu schaffen machte. Dort bewahrte der leichtsinnige Rentner nicht nur seine EC-Karte auf, sondern auch die dazugehörige Pin-Nummer. Damit verschwand er zur nächsten Sparkasse und erleichterte das Konto des Mannes um 550 Euro.

"Wir haben zusammen das gesamte Geld in der nächsten Spielothek ausgegeben", gestand der Angeklagte. Der Rentner hatte den Verlust erst viel später bemerkt. Er habe sich mittlerweile schon tausendmal entschuldigt und zumindest seinen Teil der Beute, 275 Euro, zurückbezahlt.

Der mitangeklagte 21-Jährige bestätigte die Angaben seines damaligen Kumpels und sprach von einem "Gemeinschaftsprojekt". Er wurde zu der Verhandlung aus dem Bezirksklinikum in Bayreuth vorgeführt. Wegen seines massiven Alkohol- und Drogenkonsums und einer behandlungsbedürftigen Persönlichkeitsstörung mit Tendenz zur Selbstverletzung ist er dort wohl für längere Zeit untergebracht. Deshalb sah das Gericht auch von einer Strafe ab und stellte das Verfahren gegen ihn vorläufig ein. Nach Abschluss der Therapie muss er 75 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Bewährungszeit lief noch

Bleibt der heute 22-Jährige, der ein massives Vorstrafenregister hatte. Wegen einer Vielzahl von Haschischgeschäften wurde er erst im Juni 2017 zu einer Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Die damals festgelegte Bewährungszeit war noch nicht verstrichen. Allerdings steht er mittlerweile in Arbeit, spricht regelmäßig bei der Suchtberatung und auch bei einer psychiatrischen Beratungsstelle vor. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner schloss sich deshalb auch dem Antrag von Staatsanwalt Christopher Feulner an, der auf ein Jahr und vier Monate auf Bewährung plädiert hatte. Aber: "Wenn jetzt noch einmal etwas passiert, dann ist es vorbei", sagte Richter Berner am Ende zum Angeklagten.