Matthias Einwag

Das war ein besonderes Jahr. Für die Angehörigen der jüngeren Generationen brachten die Einschränkungen etwas, das sie nicht annähernd erlebt hatten. Die Menschen der älteren Generation, die sich an Kriegs- und Nachkriegszeit erinnern, wurden jedoch ebenso von der Pandemie überrascht wie die jüngeren - das hatte vor Jahresfrist wohl keiner von uns erwarten können. Wir hörten uns bei einigen Menschen im Staffelsteiner Land um, wie sie dieses Jahr 2020 erlebt haben und was sie von 2021 erhoffen.

Bad Staffelsteins Bürgermsiter Jürgen Kohmann (CSU) konnte heuer wegen der ausgefallenen Jahresschlusssitzung des Stadtrates kein öffentliches Resümee ziehen. "Es ist eine schwierige Zeit", sagt er, in der sich die Bürger und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sehr rücksichtsvoll und kooperativ verhalten haben. Allein durch die zweimalige Schließung der Obermain-Therme (die Stadt und der Landkreis sind je zur Hälfte Träger des Zweckverbands) wird es im Haushalt der Stadt wohl eine Delle geben. Die Auswirkungen finanzieller Art ließen sich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorhersagen. Für nächstes Jahr wünscht Jürgen Kohmann sich und allen Menschen, "dass es wieder normaler wird, dass wir uns wieder treffen können".

Gewerbeansiedlung avisiert

Ebensfelds Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) kündigt an, dass es im kommenden Jahr eine positive Überraschung geben werde - eine größere Gewerbeansiedlung komme auf Ebensfeld zu. Was die Pandemie betrifft, habe er persönlich im Frühjahr zunächst nur wenig Probleme mit dem Einhalten der Einschränkungen gehabt. Der zweite Lockdown im Winter falle ihm nun schon schwerer: "Man wird vorsichtiger, aber meine positive Grundeinstellung hilft mir." Für 2021 freut er sich auf den Abschluss der Sanierungsarbeiten am Birkacher Haus der Bäuerin: "Das wird im nächsten Jahr fertig, und es ist wunderschön geworden." Bedenklich stimmt ihn der Zustand der Welt. Sein Literaturtipp dazu: "Der neunte Arm des Oktopus", ein Öko-Thriller von Dirk Roßmann.

Bad Staffelsteins Feuerwehrkommandant Stefan Liebl sagt: "Wir Feuerwehren brauchen jedes unserer aktiven Mitglieder. Auch wenn 2020 der Ausbildungs- und Übungsbetrieb fast in Richtung Stillstand lief - wir brauchen für den Dienst am Nächsten jeden gut ausgebildeten Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau." Wenn der Übungsbetrieb nach dieser präventiv sinnvollen Zwangspause wieder starte, hoffe er auf das Interesse junger Menschen, die bei der Feuerwehr mitmachen möchten. Auch wenn es 2020 mitunter bequem war, abends nicht zur Feuerwehrübung gehen zu müssen und man vielleicht die Bequemlichkeit schön fand, würde es ihn freuen, wenn sich das 2021 wieder änderte: "Geh zu deinen Übungen - denn Übung macht den Meister!"

Gemeinsam sind wir stark

Michael Möslein, Verwaltungsleiter des Bildungzentrums Kloster Banz der Hanns-Seidel-Stiftung erlebte "ein Jahr mit ungeahnten Herausforderungen". 2020 habe "gezeigt, wie wichtig Vertrauen, Zusammenhalt und Zuversicht sind". Nun sei die Zeit, danke zu sagen für das engagierte Miteinander und das Vertrauen ineinander. Dem kommenden Jahr blickt er hoffnungsvoll entgegen: "Wir freuen uns darauf, die vor uns liegenden Herausforderungen gemeinsam anzugehen."

Für der Nedensdorfer Braumeister, Koch und Gastronomen Thomas Reblitz brachten die beiden Lockdowns in diesem Jahr ebenfalls große Herausforderungen: "2020 war und ist in vielfältiger Hinsicht nicht einfach; aber es gab für mich auch sehr schöne Momente während des Jahres - und was mit oder ohne Corona gleich bleibt, ist, die Zukunft mit Hoffnung und Wünschen zu verbinden - das wünsche ich auch all meinen Mitmenschen."

Der pensionierte Förster und Vorsitzende der Kulturinitiative Staffelstein (KIS), Hermann Hacker, blickt sorgenvoll in die Zukunft: "Ich bin nun mal stark von Wissenschaft und Biologie geprägt. Ich empfinde es als nur normal und fast überfällig, dass sich die Erde als Organismus und mit ihr die biologische Evolution als Funktionsmechanismus gegen die Massenvermehrung des Homo sapiens (vernunftbegabter Mensch, d.  Red.) wehrt." Er ist der Meinung, Carl von Linné habe "unsere Art in seiner gut gemeinten Euphorie falsch benannt": Homo stupidus (der dumme, sinnlose Mensch) "wäre angebrachter gewesen".

Mehr gegenseitige Wertschätzung

Bad Staffelsteins katholischer Pfarrer Georg Birkel macht sich folgende Gedanken: "Wenn uns nach der schweren Zeit einmal Jüngere fragen: Was habt ihr damals gemacht, wie habt ihr diese Pandemiezeit bestanden? Dann werden sie staunend hören, was auch ihnen Mut und Kraft weckt für Herausforderungen ihrer Zeit. Jetzt haben wir vor Augen und in unseren Händen: Neue Wertschätzung von Gemeinschaft und Miteinander; Kreativität für mitmenschliche - nicht nur nebenmenschliche Zeichen und Gesten; Solidarität gerade mit den Schwächeren; Entscheidung für die menschenfreundliche Zukunft." Für die Zukunft wünscht er uns allen: "Stellen wir Augen, Herz und Hände auf Empfang, Hoffnungszeichen wahrzunehmen und weiter zu sagen und zu geben - dann wird das Jahr 2021 ein Jahr des Herrn, der Heilung bringt."

Matthias Hagen, der evangelische Pfarrer Bad Staffelsteins: "Ich empfinde im Hinblick auf 2020 großen Respekt und Hochachtung vor den Leistungen der Wissenschaftler aus der ganzen Welt, vor der Vernunft und Einsicht so vieler Menschen bei uns und der unermüdlichen Arbeit der medizinischen und pflegenden Berufe. Für das neue Jahr soll ein Wort mitgehen, das sich lohnt, im Lebensrucksack 2021 dabei zu sein: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furch, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2. Timotheus 1,7)."

Bad Staffelsteins Stadtarchivarin und Museumsleiterin Adelheid Waschka: "Wir durften das Museum nach dem ersten Lockdown im Mai wieder öffnen. Daraufhin hatten wir so viele Besucher wie noch nie. Darunter waren auch viele Einheimische, die Urlaub zu Hause machten - davon haben wir sehr profitiert." Leider seien keine Schulklassen ins Museum gekommen und Vorträge konnten nicht gehalten werden.

Christian Schad, der Geschäftsführer des Grundfelder Logistikunternehmens CS Trans, dessen Unternehmen 2021 nach Michelau umziehen wird: "Ich weiß noch gar nichts Genaues. Die Planung in Michelau ist am Laufen, aber es ist noch nichts entschieden. Wir warten nun die nächste Bauausschusssitzung ab und hoffen, dass unsere Pläne durchgehen." Momentan hat Christian Schad sechs Monate Übergangsfrist zur Nutzung der Grundfelder Hallen ausgehandelt. Sein Unternehmen mit derzeit 43 Mitarbeitern hätte diese nach Ablauf des Mietvertrags eigentlich zum Jahresende verlassen sollen. Christian Schad blickt hoffnungsvoll ins neue Jahr: "Ich möchte Wachstum generieren." Die Tendenz in der Logistikbranche sei steigend.

Ein sehr schwieriges Jahr hat Christine Achtmann mit ihrem Reisebüro Schmidt in Bad Staffelstein hinter sich: "Man kann gerade ganz schlecht etwas dazu sagen, wie es weitergehen wird - das ist alles offen." Es ändere häufig etwas, viele Faktoren spielten ein Rolle. Sie habe jedoch die große Hoffnung, dass der Impfstoff anschlägt, um eine Struktur zu bekommen, die das Reisen wieder ermögliche. Die Kunden hofften auf eine Impfregelung. Gerne animiere sie ihre Kunden auch, Reiseziele im Inland zu buchen - doch auch das sei schwierig, weil sich die Bundesländer oft nicht einig seien, was die Regelungen im Detail betrifft. "Wir sind gerüstet und haben diese Reiseziele mehr im Blick." Im Sommer, nach dem ersten Lockdown, "ging ein bisschen was", sagt sie. Das zeige, dass "das Interesse der Leute am Reisen noch da ist". Das mache sie zuversichtlich.