Andreas Lösch

Es soll nicht irgendein 08/15-Main-Projekt werden, hat Bürgermeister Stefan Paulus direkt vorangeschoben, als er am Freitag die Pressekonferenz im Knetzgauer Rathaus begann. "Ein einfaches Museum? Dann lockt es keinen hinterm Ofen vor", sagte er. Erlebbar müsse es sein, veränderbar, gestaltbar, man müsse sich aus dem laufenden Betrieb heraus immer wieder neu erfinden.
Um was geht es? Um die Pläne der Gemeinde Knetzgau, ein sogenanntes Maininformations-/Erlebniszentrum (kurz: MIZ) am Flussufer zu verwirklichen. In dem Bereich, wo jetzt die Franz-Hofmann-Halle steht, soll es entstehen. Die Halle ist seit 2014 für Veranstaltungen nicht mehr nutzbar, in einem Gutachten wurden "schwerwiegende, brandschutztechnische Mängel" festgestellt. Eine Sanierung käme zu teuer, also soll die Halle nach Plänen der Gemeinde abgerissen werden. Und mit dem gestern vorgestellten Konzept eines MIZ böte sich für die Kommune direkt eine umfangreiche neue Nutzung des vorhandenen Areals am Mainufer an, wie Paulus weiter erklärte: "Wir sehen da viel Potenzial und viele Handlungsfelder."


Ein Konzept steht bereits

Eine bloße Idee ist es längst nicht mehr, die Verwaltung hat bereits ein Grobkonzept erstellt, das der Bürgermeister gemeinsam mit Marco Depner, dem Leiter der Finanzverwaltung, gestern offiziell vorstellte. Und es sei auch kein alleiniges Knetzgauer Projekt, der Main sei schließlich "Lebensader" der ganzen Region und darüber hinaus. "Alleine schaffen wir das nicht", stellte Paulus klar.
Ihm zufolge hat es Gespräche gegeben mit den Landräten der Landkreise Haßberge, Schweinfurt und Bamberg, die das Konzept für gut befunden und ihre Unterstützung zugesagt haben. Noch in der ersten Jahreshälfte soll eine Machbarkeitsstudie als ein "Leader-Kooperationsprojekt" der drei Landkreise erstellt werden (Leader ist ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union/EU, mit dem innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden).
Der Main mit seiner "einzigartigen Fluss- und Kulturlandschaft" sei für ein solches Projekt prädestiniert. "Gerade das Element Wasser bietet beispielsweise auch spektakuläre architektonische Ansätze", wie Paulus erläutert.
Und was soll das MIZ bieten? Der Bürgermeister fasst es so zusammen: "Geplant ist ein Ort, der auf breiter Basis über den Main informiert, an dem man Chancen und Potenziale, die der Main bietet, auslotet und der Räumlichkeiten bereitstellt für Begegnungen und Kommunikation zu den Themen Umwelt, Natur, Freizeit, Energiegewinnung und Hochwasserschutz."
Wie die Gemeinde auf die Idee kam, ein so ehrgeiziges Projekt anzupacken? Auf der gesamten Länge von 527 Flusskilometern gebe es keine zentrale Anlaufstelle mit Informationen zum Main. Wie erfolgreich ein Informationszentrum sein könne, zeige das Steigerwald-Zentrum in Handthal (Kreis Schweinfurt) mit dem Baumwipfelpfad in Ebrach (Landkreis Bamberg).


Regierung als Unterstützer?

Die Kosten für ein solches Projekt würden in die Millionen gehen. Paulus erklärte, es müsse gelingen, ein Ministerium für die Sache zu gewinnen, um eine entsprechende Förderung zu realisieren. Und: "Es ist uns wichtig, ab jetzt die Bürger mit einzubinden, vor allem die Vereine werden bei der Erstellung der Machbarkeitsstudie beteiligt werden", sagte Marco Depner.