Abriss hat Kulmbacher Stadtbild schwer beschädigt

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Zur Diskussion um den vom Landesverein für Denkmalpflege nominierten Abriss neben dem Kaufplatz-Gelände wird uns geschrieben:Als Autor von Kultur- und Reiseführern und Betreuer von deren Neuauflagen...

Zur Diskussion um den vom Landesverein für Denkmalpflege nominierten Abriss neben dem Kaufplatz-Gelände wird uns geschrieben:

Als Autor von Kultur- und Reiseführern und Betreuer von deren Neuauflagen war ich kürzlich in Kulmbach . Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass ein früher von mir sehr geschätztes, wenn auch halb verfallenes Gebäude in der Innenstadt nahe dem früheren Kaufplatz abgerissen worden war. Es hatte mich in seiner interessanten Komposition aus Stein, Holzverkleidung und Fachwerk interessiert. Mit dem Abriss wurde das Stadtbild schwer beschädigt, wie eigentlich schon vorher durch manche Konstruktionen in der Umgebung, die ich lieber nicht als „Architektur“ bezeichnen möchte.

Viele Menschen unserer Zeit, die Weltkrisen mit zerstörten Städten vor Augen, suchen Trost und Ablenkung in der traditionellen Baukultur, wie sie gerade auch die mitteleuropäischen Stadtbilder zu bieten haben. Da sind auch kleinere, wenig auftrumpfende Häuser von großer Bedeutung. Das kam mir in Kulmbach in den Sinn, und ich dachte an die US-amerikanische Professorin Nina Chruschtschowa, eine Ur-Enkelin von Nikita Chruschtschow und Putin-Gegnerin, welche im vergangenen Jahr die Eröffnungsrede zu den Salzburger Festspielen halten durfte. „Die Welt wird durch Schönheit gerettet werden“, sagte sie unter der Festung Hohensalzburg bei tosendem Applaus.

Niemand käme solches auch nur entfernt am jetzigen „Kaufplatz“ unterhalb der Festung von Kulmbach in den Sinn. Frage: Wer hat eigentlich die Balken, Dielen, Läden, Türen, Scharniere usw. aus dem Abriss-Haus bekommen? – In Zukunft sollte die Stadtverwaltung jedenfalls kein einziges Gebäude in einem Denkmalensemble mehr antasten, und sähe es noch so „alt“ aus.

Andreas Reuss

Bamberg