Marco Meissner Bis zu 24-mal am Tag sollen die beiden kleinen, weißen Busse künftig ihre Runden in der Innenstadt drehen und dabei schon bald Passagiere an Bord nehmen. Die autonom fahrenden Shuttles, die zurzeit in der Kreisstadt erprobt werden, zählen dennoch nicht als Linienverkehr; "noch nicht", wie Wolfgang Puff von der Wirtschafts- und Strukturentwicklungsgesellschaft (WSE) des Landkreises am Montag vor dem Sonderausschuss des Kronacher Stadtrats feststellte.

Forschungsprojekt

"Das Projekt dient in dieser Phase lediglich Forschungs- und Entwicklungszwecken", unterstrich der WSE-Geschäftsführer. Puff erläuterte. Die Genehmigung für die derzeit durchgeführten Tests läuft bis Ende November. Anschließend soll eine längerfristige Genehmigung für einen Dauerbetrieb bis Ende 2021 beantragt werden.

"Dann dürfen auch Fahrgäste an Bord", so Puff. Was danach kommt, muss abgewartet werden. Allerdings wird eine weitere Nutzung erfolgen, weil es die Verpflichtung gibt, die Shuttles dann noch drei Jahre in Betrieb zu halten. Wenn in der zweiten Erprobungsphase auch Passagiere unentgeltlich mitfahren dürfen, werden die kleinen Busse sicher noch ein größerer Hingucker, als sie es jetzt schon sind. Davon ist Puff überzeugt. Nicht umsonst wurde deswegen die für die Shuttles anspruchsvolle Route vom Bahnhof über die ansteigenden Pflasterstraßen hinauf zur Festung und wieder zurück gewählt.

Touristisch sei es eine "klasse Sache", wenn sich die Besucher, aber auch Einheimische den Anstieg zu Fuß sparen können und auf dem Rundkurs viel von der Stadt zu sehen bekommen, meinte Puff. Überlegungen zu den Fahrzeiten gibt es auch schon. Von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr (im Winter bis 16 Uhr) lautet der Vorschlag. Bewusst vermeiden die Verantwortlichen damit einen störenden Einfluss der nur 18 Stundenkilometer schnellen Shuttles in der hektischen Schulverkehrszeit zu Mittag.

Sieben Haltestellen

Geplant ist, dass die Fahrzeuge sieben Haltestellen in der Innenstadt anlaufen: Bahnhof, Parkplatz Europabrücke, Kaulanger, Strauer Straße, Rathaus, Festungsmauer und Melchior-Otto-Platz. Dort werden die Fahrgäste keine starren Fahrpläne am Aushang vorfinden. Vielmehr soll ihnen eine elektronische Anzeige live darstellen, wo sich die Shuttles gerade befinden und wie lange es bis zu ihrem Eintreffen dauert.

Pro Umlauf brauchen die beiden Shuttles rund 30 Minuten. Das heißt, jede Haltestelle wird etwa im 15-Minuten-Takt angesteuert.

Bei den Stadträten hinterließ das Projekt schon einen guten Ersteindruck. Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) sprach von einem Zusammentreffen von Tradition und Innovation in Kronach. "Das Projekt erregt Aufmerksamkeit und wird positiv wahrgenommen", ist sie überzeugt. Die Bestätigung dafür lieferte eine erste Umfrage mit 200 Teilnehmern. 74 Prozent erwarten, dass die Shuttles den ÖPNV attraktiver machen, 81 Prozent möchten sie selbst nutzen und 88 Prozent finden es gut, dass die kleinen Busse in Kronach getestet werden.

Eine wichtige Zukunftstechnologie, die gerade dem ländlichen Raum helfen kann, sah Ralf Völkl (SPD) in den autonomen Fahrzeugen. "Die Städte haben eine ausgebaute Infrastruktur mit Nahverkehr rund um die Uhr - wir nicht!", betonte er. Autonome Shuttles könnten diese Situation in Zukunft verbessern.

Problembereich Parkdeck

Tino Vetter (FW) lobte das Vorhaben, wünschte sich aber noch eine bislang an verkehrstechnischen Problemen gescheiterte Haltestelle im Umfeld des Parkdecks. Peter Witton (Grüne) fragte nach dem Funknetz für die Shuttles. Puff versicherte ihm, dass im Rahmen des Projektbetriebs ausschließlich mit 4G-Technologie gearbeitet wird. Er räumte für die Perspektive des autonomen Fahrens aber ein: "Die Zukunft wird 5G heißen - sonst kann man das Ganze gleich sein lassen."