Die Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Verkehr im Landkreis Kronach entwickelte sich zu einer emotionsgeladenen Veranstaltung, in der sogar Tränen flossen. Vergossen hatte sie der Geschäftsführer der Wiegand-Glas Unternehmensgruppe, Nikolaus Wiegand. Ihm versagte streckenweise die Stimme, er rang mit seiner Fassung. Grund dafür war ein Sachvortrag über die Situation der energieintensiven Glasindustrie im Landkreis.

Und so nüchtern sich dieser Tagesordnungspunkt auch anhörte, so emotional wurde er diskutiert. Die Erhöhung der Energiekosten setzt den Traditionsunternehmen zu. Innerhalb der letzten Monate hätten die sich um rund 500 Prozent gesteigert und das sei auch für die Glasindustrie so nicht mehr zu stemmen. Eine Konsequenz dabei sei, dass die Betriebe die Energiekosten auf ihre Kunden umlegen müssen. Wiegand: „Allerdings wird dadurch das Vertrauen, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde, nun die Toilette runtergespült.“

Und ob das schon alles nicht genug wäre, habe die Branche nun noch mit Headhuntern zu kämpfen, die Fachkräfte und Führungspersonal abwerben. Zusätzlich leide die Belegschaft auch unter den stark gestiegenen Spritkosten. Seine Lösung: „Ich schlage vor, wir lassen das jetzt einfach mal sein mit der Energiesteuer. Es geht hier ums Ganze.“

Landrat Klaus Löffler ( CSU ) formulierte es ähnlich: „Es geht ums Überleben.“ Er pochte vor allem auf Unterstützung von staatlicher Seite, denn die Energiekrise treffe viele Unternehmen. Für sie müsse man Versorgungssicherheit, Netzstabilität und Wettbewerbsfähigkeit garantieren.

„Und es geht um die Kraftstoffpreise , um die Inflation und die Lebenshaltungskosten und somit auch um viele Arbeitsplätze in unserer Region. Deshalb fordere ich den direkten Zugang zu den Entscheidungsträgern, denn wir brauchen jetzt sofort Unterstützung.“

Welches Zeichen setzen?

Dabei setze er auf einen parteiübergreifenden Konsens und auf die Unterstützung aller Fraktionen, die sich dafür in Berlin starkmachen sollten. „Und wir wollen nicht hören, was nicht geht, sondern das, was geht. Er fragte: „Welches Zeichen wollen wir setzen? Weltuntergangsstimmung oder doch eher einen Impuls für die Zukunft und ein optimistisches Signal?“ Bernd Hörauf, der ehemalige Geschäftsführer der Gerresheimer Tettau GmbH, brachte zusätzliche Aspekte in die Diskussion. „Die Ukraine-Krise wirkt wie ein Brennglas“, meinte er beispielsweise. „Dazu kommt die Gasmangellage. Energie war in Deutschland schon immer teurer. Förderungen waren immer kurzfristig angelegt.“

Bisher habe man zwar sehr viel Unterstützung erfahren, gab er zu, aber echte Erfolge, um in der Branche wirklich etwas zu bewegen, habe man noch nicht erzielen können. Dabei sei man Benchmark (Vergleichsmaßstab) in der Produktivität, Marktführer und exportiere auch in Nicht-EU-Länder. „Wir sind erfolgreiche Unternehmen. Wir sind ausgelastet, haben genügend Aufträge und wir sind ein wesentlicher Teil der Lieferkette.“

Letzteres betreffe unter anderem auch den Glasrecycling-Prozess. Den nämlich gebe es dann nicht mehr. Hörauf blieb jedoch realistisch in seinen Forderungen, denn ihm sei klar: „Gas wird man kurzfristig nicht ersetzen können. Und nur durch Sanktionen wird kein Transformationsprozess gelingen. Wir brauchen mehr regenerative Energien und kurzfristig wirkende Gegenmaßnahmen.“ Bisher hätten die Hütten allein diese Sorge getragen, doch nun seien sie auf schnelle Hilfe angewiesen. „Wichtig sind jetzt Begrenzungen und das gilt nicht nur für die aktuelle Situation.“

„Haben noch Hoffnung“

Das „lebende Modell“, das er vorstellte, zielte auf bessere Planbarkeit bis hin zu einer „Todeszone“, in der der Preis die Wettbewerbsfähigkeit widerspiegle und ausgleichend wirke. Komme man nicht zu diesem Ziel, „mag ich mir kaum ausdenken, was dem Landkreis Kronach blühen könnte“.

Hörauf erklärte weiter: „Was wir jetzt brauchen, ist Unterstützung, sind Resultate, alleine schaffen wir das nämlich nicht mehr. Von uns geht aber noch keiner zum Insolvenzgericht. Wir haben Hoffnung und wir haben die Absicht, in dieser Region zu bleiben. Keiner von uns gibt auf“, versprach er am Ende und sprach sogar vom Neubau einer Glasschmelze.

Nachfolgend einige Kommentare der Ausschussmitglieder zu diesem Thema:

Hans Rebhan ( CSU ): „Wir sind übergangslos von einer Preisexplosion in einen Mega-Gau und einer Gasmangellage gerutscht. Die Phase des Prüfens und der Abwägung muss endlich mal abgeschlossen sein, es geht knallhart um die Gefahr einer Deindustrialisierung.“

Ralf Völkl ( SPD ): „Was wir brauchen, ist eine Gesamtstrategie für die Zukunft und ein Notfallplan mit flexibler Preisgestaltung. Außerdem benötigen wir regenerative Energien direkt vor Ort.“

Edith Memmel (Grüne): Man muss Fehler auch mal eingestehen. Es gab Abstimmungsprobleme in der Politik. Wir haben noch viel vor uns.“

Peter Ebertsch ( CSU ): „Wir leben doch nicht auf einer Insel, wir sind global aufgestellt. Diese Betriebe haben es verdammt nochmal verdient, dass man ihnen sofort hilft, sonst gehen die Lichter aus.“