In Tettau gibt es rund 2000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Mit Ärzten, Apotheke , Sport- und Lebensmittelgeschäften sowie der Gastronomie ist eine gute Infrastruktur vorhanden. Dennoch hatte die Rennsteiggemeinde jahrelang mit Einwohnerverlusten zu kämpfen. Jetzt vollzieht sich ein Wandel: Es wird wieder gebaut – aber es fehlen trotzdem Wohnungen. Bürgermeister Peter Ebertsch hofft nun, einen Investor zu finden, der auf dem Areal des ehemaligen Anwesens Friedhofsweg 4 Wohnraum schafft. Vor wenigen Tagen wurde das Gebäude mit Mitteln aus der Förderoffensive Nordostbayern abgerissen.

„Eigentlich war es ganz anders geplant“, erzählt Ebertsch. „Die Gemeinde hat viel Herzblut, Zeit, Kraft und Engagement in die Planungen dahingehend investiert, wie das über 150 Jahre alte und leer stehende Gebäude , das einst von den Besitzern der Königlich-Privilegierten Porzellanfabrik als Wohnanlage für ihre Beschäftigten gebaut wurde, künftig genutzt werden könnte.“

Verschiedene Machbarkeitsstudien

Es wurden Planungsbüros eingesetzt und Studien entwickelt. Bereits im Juli 2014 präsentierten Architekturstudenten der TU München in Tettau unter dem Titel „Anders wohnen“ vor einer zahlreichen Zuhörerschar ihre Ergebnisse zur Instandsetzung des Gebäudes . Eine wichtige Grundlage bildete dabei die im Semester zuvor entwickelte Studie „Made in Tettau “. Allen Entwürfen gemeinsam war, wie von den möglichen Fördergebern gefordert, ein behutsamer Umgang mit der Geschichte und der soliden Substanz des Hauses . Gleichzeitig wagte man auch Neues: Es ging dabei um die Frage, wie Mitarbeiter der heimischen Unternehmen vor Ort ansässig werden können.

Damals schon wurde der Grundstein für neue vermietbare Wohnformen jenseits des Einfamilienhauses gesetzt. Es wurden verschiedene Machbarkeitsstudien entwickelt. Im Gespräch für die Nutzung des Anwesens waren neben Wohnungen ein Museumsdepot für beide Etagen, gemeinschaftliches Wohnen mit einem großen zweigeschossigen Küchenraum, um den sich alle Bewohner des Hauses hätten gruppieren können, und zuletzt die Errichtung einer Tagespflege durch zwei private Betreiber.

Die Tatsache aber, erzählt Ebertsch, dass der in Tettau ansässige Stephanusdienst im leer stehenden Pfarrhaus eine Tagespflege errichten wolle, habe die möglichen privaten Investoren dazu bewogen, ihr Angebot zurückzuziehen. Sie wollten nicht als Mitbewerber auftreten. Somit hätten sich alle Möglichkeiten einer sinnvollen Nachnutzung erübrigt. Letztlich, sagt Ebertsch, hätte man sich viele Stunden Arbeit und Geld sparen können. Aber im Nachhinein wisse man es immer besser. Und letztlich müsse man auch in Kauf nehmen, dass sich trotz großer Bemühungen manchmal ein Vorhaben nicht realisieren lässt. Jetzt setzt Ebertsch auf einen Investor, der Wohnraum schafft. „Das 4000 Quadratmeter große Gelände eignet sich hervorragend dafür. Gleich nebenan ist man in der Natur. Man hat einen herrlichen Blick über die Gemeinde und ist binnen fünf Minuten im Zentrum von Tettau und bei der neuen Freizeitanlage mit Spielplatz, Kneippbecken, Seniorenspielgeräten und Bademöglichkeit.“

Vision vom Land als Gewinner der Krise

Ebertsch betont, dass für die Schaffung von Wohnraum die Kommune auf private Investoren angewiesen sei. Trotz derzeit noch vorhandener Förderungen durch die Staatsregierung könne eine Gemeinde nicht alles leisten. Zum einen müsse sie sich auf ihre Pflichtaufgaben wie Straßenbau und Wasserversorgung konzentrieren, zum anderen habe sie schon in Wohnungen investiert. Der Bürgermeister ist aber zuversichtlich, einen Privatinvestor zu finden. Denn er ist überzeugt: „In den nächsten Jahren wird eine Flucht aufs Land einsetzen!“ Die Mieten in den Städten seien nicht mehr bezahlbar. Zudem werde es nach der Corona-Pandemie immer mehr Homeoffice-Arbeitsplätze geben. Und das ermögliche Arbeitnehmern, auch mit einer größeren Entfernung zum Arbeitgeber ihren Job ausüben zu können. Ebertsch: „Das Land wird als Gewinner aus der Corona-Krise hervorgehen!“