Nach dem Kosten-Leistungsbericht für das dritte Quartal steht fest, dass die Kreisumlage für 2021 um mindestens einen Punkt gesenkt werden kann. Als Richtwert hat dies der Kreisausschuss auch so beschlossen. Geschuldet ist diese Entwicklung dem überdurchschnittlichen Anstieg der Umlagekraft. Damit hat der Kreis nahezu die kreisfreien Städte in Oberfranken eingeholt.

Deren Anstieg betrug in diesem Jahr über zwölf Prozent, während der Durchschnitt der oberfränkischen Landkreise bei 2,4 Prozent und alle bayerischen Landkreise im Schnitt bei 2,1 Prozent liegen. Schon 2019 stieg der Messwert um elf Prozent. Die Steigerungen rühren von deutlich gestiegenen Gewerbe- und Grunderwerbsteuereinnahmen der Kreiskommunen her.

Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die Entwicklung der Steuereinnahmen in Forchheim. Die Senkung der Kreisumlage kommt aber allen zugute. Das sah besonders Konrad Rosenzweig (CSU) aus Wiesenttal positiv: "Jeder Punkt Senkung bedeutet für die Flächengemeinden außerhalb des Speckgürtels eine große Entlastung." Weiter hat sich der Kreis auf Investitionen von 16,9 Millionen Euro für 2021 festgelegt. Sie sollen möglichst ohne Kreditaufnahme geschultert werden. Können Investitionen nicht umgesetzt werden oder fallen Zuschüsse höher als erwartet aus, soll der Überschuss zur Darlehenstilgung verwendet werden.

Das Controllingteam um Thomas Kotschenreuther legte die Quartals-Kosten-Leistungsrechnung vor. Sie ist die Basis für die Budgetverhandlungen der einzelnen Kreisabteilungen. Demnach ist der Kreis in den meisten Teilbereichen genau im Rahmen.

Besonders angetan war Landrat Hermann Ulm (CSU) vom Ergebnis für die Monate von März bis Mai, in denen "der größte Teil der Mitarbeiter im Katastropheneinsatz" war. Zur Bewältigung der Pandemie hat der Kreis rund 700 000 Euro aufgewendet, vor allem für Einrichtungsgegenstände für bessere Hygiene und Sicherheit. Kämmerin Carmen Stumpf erwartet hier einen hundertprozentigen Ausgleich durch den Freistaat.

Coronabedingte Einnahmenausfälle sind bei der Abfallwirtschaft zu verzeichnen, auf der Deponie wie bei der Abrechnung von Großbehältern. Auch die VHS hat deutlich weniger Einnahmen. Nur scheinbar aus dem Ruder läuft der Sozialbereich. Hier werden Kosten beispielsweise für Heimunterbringung erst zum Jahresende abzurechnen sein.

Unscharf ist das Bild auch bei Straßenunterhalt und -sanierung; von angesetzten 1,2 Millionen sind gerademal 400 000 Euro ausgezahlt. Die meisten Projekte wurde erst vor kurzem abgeschlossen und sind deshalb noch nicht abgerechnet. Irritierend wirkt auch, dass die Sanierung der Ortsdurchfahrt von Heroldsbach mit der Gesamtsumme von 2,8 Millionen Euro schon 2020 angesetzt ist, aber der Baubeginn erst vor einer Woche war. Stumpf erwartet, dass allenfalls 600 000 Euro noch in diesem Jahr gebraucht werden. Das sahen Rudolf Braun und Manfred Hümmer von den Freien Wählern kritisch. Nach Braun kommt die Verwaltung mit der Umsetzung nicht nach.

Obwohl Kulturreferent Toni Eckert schon auf der Zielgeraden zum Ruhestand ist, hat er nochmals ein "Kernprojekt der Regionalentwicklung" angestoßen: die Revitalisierung des Bahnhofsgeländes in Behringersmühle. Er stellte dem Kreisausschuss ein Konzept vor, wie die Gebäude künftig genutzt werden können. Der Bahnhof als Endpunkt der Dampfbahn mit Gastronomie, das Baywa-Gebäude als Standort der Tourismuszentrale, die Freiflächen für Familien und vor allem Radtouristen, als Stärkung des ÖPNV und des sanften Tourismus.

Da derzeit die Deutschen Deutschland neu entdeckten, so Hümmer, sei es eine gute Entscheidung, die Fränkische Schweiz zu fördern und dazu die Strukturen auszubauen. Seine Auffassung teilte das ganze Gremium. Nur Rosenzweig wies darauf hin, dass das Baywa-Getreidelager sehr sorgfältig auf Altlasten zu prüfen sei und hier eventuell hohe Kosten entstehen könnten.

Flächentausch

Der Landkreis Forchheim wird um 297 Quadratmeter größer. Ein förmliches Verfahren der Umgliederung wurde durchgeführt, um eine Tauschfläche für einen Landwirt zu gewinnen. Er hat eine Fläche für den Radwegbau in der Gemeinde Hallerndorf abgetreten. Als Ausgleich erhielt er eine kleine Fläche neben einem anderen seiner Grundstücke bei Schnaid. Doch die lag bereits in der Gemarkung Rothensand.

Auf Anregung aus der Fraktionssprechersitzung beschloss der Kreisausschuss seinen Beitrag zur Aufnahme der 1500 Flüchtlinge aus dem Lager Moria auf Lesbos "im Rahmen der verwaltungsmäßigen Aufgabenerfüllung" zu erbringen. Wolfgang Feeß (SPD) war diese Erklärung nicht ausreichend. Er hätte sich ein deutlicheres Signal gewünscht. Als Sprecher der SPD brachte er am Schluss der Sitzung den Antrag ein, eine interkommunale Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, um Menschen trotz drückendem Wohnungsmangel in den Kreisgemeinden zu halten.