Nur ein Punkt stand auf der Tagesordnung der Sitzung des Stadtrates Königsberg. Es ging um die Energieversorgung im Landkreis Haßberge und in der Stadt Königsberg.

Über die derzeitige Situation und Möglichkeiten der Umsetzung erneuerbarer Energieprojekte wurde das Gremium durch den neuen Ortssprecher von Unfinden, Marco Siller, informiert. Siller ist zugleich Geschäftsführer der GUT, der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte Haßberge mbH. Die Gesellschaft war vor einigen Jahren gegründet worden, um die Energiewende im Landkreis voranzubringen.

Zu Beginn seines Vortrages zeigte der Referent anhand von Zahlen den elektrischen und thermischen Energieverbrauch des Landkreises auf, wobei die Daten auf den Ergebnissen des Energienutzungsplanes aus dem Jahr 2015 basierten. Der größte Anteil an Wärmeenergie wurde in diesem Jahr mit 46 Prozent in den privaten Haushalten verbraucht, gefolgt vom Stromverbrauch mit 29 Prozent. Der Strom seinerseits floss zu 60 Prozent in Gewerbe, Industrie, Dienstleistungen, Handel und Landwirtschaft und zu 35 Prozent in private Haushalte. Insgesamt wurden rund 425 Gigawattstunden elektrische und rund 1000 Gigawattstunden thermische Energie im Landkreis verbraucht.

Diesen Zahlen stellte Marco Siller Möglichkeiten zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien gegenüber. Hierbei spielen vor allem die Photovoltaik und die Windenergie eine Rolle. Damit könnte laut Siller die Versorgung des Landkreises kohlendioxidneutral und eigenständig realisiert werden. In diesem Zusammenhang zeigte Siller aber auch die Schwierigkeiten auf, die eine derartige Energiegewinnung mit sich bringt. So müsste für eine maximale Wertschöpfung mittels Photovoltaik für Königsberg allein eine Fläche von zehn Hektar mit Kollektoren überbaut werden. Der Gewinnung von Energie durch Windräder stehen etliche Vorschriften und Naturgegebenheiten entgegen. Siller ist aber überzeugt, dass nur ein Zusammenwirken von Energieerzeugung durch Windkraft und Photovoltaik zu einer Energiewende im Landkreis und damit auch in Königsberg führen würde, wie er darstellte.

Bürger müssen mitmachen

Siller ist der Auffassung, dass die Umsetzung der erneuerbaren Energieprojekte so bürgernah wie möglich angegangen werden müsse. Das Gelingen der Energiewende hänge entscheidend von der Akzeptanz der Bürger ab. Er warf dazu die Frage in den Raum: "Wollen wir die Energiewende mit Wertschöpfung bei uns haben oder nicht?" Ziel sei es, in jedem Gemeindegebiet Bürgerbeteiligungsmodelle zu entwickeln und auf diese Art und Weise die Energiewende mit größtmöglicher Wertschöpfung im Landkreis zu gestalten.

So wurde zum Beispiel im Juni 2019 in Unfinden eine Diskussion über ein zentrales Heizkraftwerk begonnen, da einige Heizkessel im Ort technisch am Ende sind. Der derzeitige Stand ist, dass das Konzept für eine Nahwärmeversorgung für Unfinden aufgestellt und kalkuliert ist. Das ganze System kann wirtschaftlich sinnvoll auf Basis erneuerbarer Brennstoffe arbeiten, wenn sich etwa 40 Haushalte in Unfinden beteiligen.

Sillers Grundsatz lautet: "Was wir verbrauchen, selbst erzeugen!" Unter dieser Vorgabe stellte er die Planungen für den Energienutzungsplan 2020 für den Landkreis Haßberge und Königsberg vor. Eine Frage nach dem Zeitplan, bis wann er hoffe, dass diese Umsetzung erfolgen könne, beantwortete Siller so: "zehn Jahre".

Nachfragen von Stadtratsmitgliedern berührten verschiedene Bereiche. So wurden die wenig ansprechende Optik der Photovoltaikanlagen und die Energiespeicherung angesprochen.

Bürgermeister Claus Bittenbrünn schlug vor, zur Vertiefung des Themas einen Arbeitskreis zu bilden. Interessenten sollen sich persönlich an ihn wenden.