Auch wenn coronabedingt die Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuer einbrechen werden, will der Gemeinderat Knetzgau den Kopf nicht in den Sand stecken. "Wir beschließen heute in schwerer Zeit einen Mutmacher-Haushalt", sagte Bürgermeister Stefan Paulus (CWG, SPD) während der Gemeinderatssitzung am Montagabend.

Die aus der Corona-Krise resultierenden Steuerausfälle dürften sich in den nächsten drei Jahren auf zwei Millionen Euro summieren, schätzt der Rathaus-Chef. Werden alle Investitionen wie geplant durchgeführt, beliefe sich die Verschuldung der Gemeinde ab 2023 auf rund neun Millionen Euro, beziehungsweise 1300 Euro pro Kopf. Der derzeitige durchschnittliche Schuldenstand aller bayerischen Kommunen beläuft sich auf 1060 Euro pro Einwohner. Zum Ende dieses Jahres beträgt der Schuldenstand 485 Euro pro Einwohner. Er erhöht sich um 900 000 Euro für ein Darlehen, das die Gemeinde für den Neubau der Wohnanlage in der Seelohe aufgenommen hat. Diesem Projekt sollen weitere folgen. "Bis ins Jahr 2023 investiert die Gemeinde in Baumaßnahmen und Anschaffungen über 29 Millionen Euro. Im Verwaltungshaushalt muss für den Unterhalt des gemeindlichen Vermögens ein Betrag von 52,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Insgesamt nehmen wir 81,5 Millionen Euro in die Hand", sagte Paulus.

Dass die dafür nötigen Schulden zu Lasten der nächsten Generation gehen, glaubt er nicht. "Wären unsere Nachkommen glücklicher, wenn wir weniger Schulden hätten, dafür aber eine schlechte Infrastruktur und nichts fürs Klima und für die Bildung getan hätten?", fragte der Bürgermeister.

Millionenprojekt in Westheim

Zu den großen Posten, "mit denen wir Mut beweisen" gehören die Sanierung des "Schwarzen Adlers" in Westheim mit einer Investitionssumme von 3,2 Millionen Euro. Mit einem Kostenvolumen von rund zwei Millionen Euro sollen die Parkanlagen und die Terrassengärten des Schlosses in Oberschwappach zum internationalen Event- und Erlebnisort aufgewertet werden. Rund 1,2 Millionen Euro sollen dafür aus EU-Mitteln fließen sowie aus bayerischen Fördertöpfen. Der Eigenanteil der Gemeinde liegt somit bei rund 800 000 Euro. Eine "einmalige Chance" sieht Paulus in dem Projekt, das im Gremium jedoch auch auf Kritik stieß. Man könne die kaputten Treppen eventuell auch auf einfachere Weise sanieren, war zu hören. Paulus sagte, dass nur eine umfassende Sanierung Sinn mache. Am Ende gab der Gemeinderat für die Maßnahme bei einer Gegenstimme grünes Licht.

Für die Errichtung eines Main-Informationszentrums in Knetzgau sind bis 2023 etwa 1,5 Millionen Euro eingeplant. Die Ausgliederung des Bauhofs aus der Dorfmitte soll rund 2,4 Millionen Euro kosten. 3,4 Millionen Euro sollen bis 2023 für eine weitere Kindertagesstätte mit großem Außenspielbereich im Baugebiet Höret II in Knetzgau ausgegeben werden. Der Kindergarten in Westheim soll mit einem Eigenanteil von 400 000 Euro saniert werden. Weitere 400 000 Euro fließen in den Breitbandausbau für die Anbindung von Außenanwesen an das schnelle Internet. Fast 1,3 Millionen Euro gehen bis 2023 in die Erschließung von Wohn- und Industrieflächen. Das Hallenbad an der Dreiberg-Schule muss für rund zwei Millionen Euro saniert werden.

Dem Haushaltsplan für 2020 stimmten alle Fraktionen zu. Für den Finanzplan bis 2023 gaben alle Fraktionen grünes Licht - außer den Grünen. Die Grünen-Sprecherin Nina Köberich wünschte sich "mehr Mut zu neuen Wegen", unter anderem auch bei der Klärschlamm-Entsorgung. Sie schlug den Bau eines Faulturms und eines Blockheizkraftwerkes vor sowie Photovoltaikanlagen auf allen öffentlichen Gebäuden. Dies seien Kosten, die sich amortisieren würden, meint sie.

Standesamt wird aufgelöst

Nachdem bereits in den letzten Jahren mehrere Standesämter zusammengelegt worden sind, beschloss der Knetzgauer Gemeinderat bei fünf Gegenstimmen, ab dem kommenden Jahr die Aufgaben des Standesamtes an die Stadt Haßfurt zu übertragen. Die derzeitige Standesbeamte geht in den Ruhestand. Standesamtliche Eheschließungen sind weiterhin in Knetzgau möglich.

Einstimmig beschloss das Gremium die Errichtung eines Bewegungsparcours an der Dreiberg-Schule mit acht Geräten. Die Kosten betragen knapp 43 000 Euro und werden mit etwa 60 Prozent bezuschusst.