Roland Schönmüller

Landkreis Kronach —  Heuer ist rund um den sechsten Januar alles ganz anders. Die Sternsinger werden coronabedingt nicht von Haus zu Haus ziehen, ihr traditionelles Lied zum Besten geben und keine Inschrift (20 C + M + B 21) mit Kreide anschreiben. Im Haus wird es nicht nach Weihrauch und angezündeter Kohle der "geweihten Gäste" riechen. Selbst ein Segensgebet und der obligatorische Neujahrswunsch von den "Ausgesandten" werden fehlen. Hiesige Pfarreien haben 2021 glücklicherweise andere Möglichkeiten gefunden, wie gemeinnützige Spenden der Bevölkerung an die Kinder und Jugendlichen in Not gelangen. Vor der Pandemie war alles anders - auch bei uns.

In Aussendungs-Gottesdiensten, wo auch das sogenannte und heilkräftige Dreikönigswasser geweiht worden war, wurden die Sternsinger-Gruppen seit den 1950er Jahren bereits am Vortag des Epiphanias-Festes feierlich entsandt, beispielsweise in Lahm im Frankenwald. Die eine Gruppe war für den Pfarrort selbst und den Weiler Geschwend zuständig. Die andere Gruppe besuchte zunächst die beiden Mühlen sowie die Einzelgehöfte im Grümpeltal, anschließend Hesselbach. Dafür brauchte man jeweils zwei Tage. Denn die Tradition wollte es und die meisten besuchten Familien bestanden auf einen häuslichen Besuch mit Bewirtung, "Begutachtung" der Weihnachtskrippen und Beräucherung der Zimmer und der Ställe.

"Ich kann mich noch an viele Hausbesuche und Besonderheiten erinnern!", erzählt ein ehemaliger Ministrant und "Dreikönig", der im ersten Jahr als Zehnjähriger den beleuchteten Stern tragen durfte und ein Jahr später der Vorbeter der "heiligen Gruppe" war. Tief verschneit waren in Hanglagen und im Wald die Wege zu den Bauernhöfen. "Die Könige kommen" - so wurden die Sternsinger freudig von Jung und Alt erwartet. Und: Tatsächlich kamen sie in gelben, roten und blauen Gewändern oder Messdiener-Outfit mit selbstgebastelten, goldenen Kronen und Mützen auf ihren Häuptern.

"Es gab Plätzchen, Lebkuchen, Punsch, Tee oder das eine oder andere nicht immer alkoholfreie Getränk sowie für den Nachhauseweg Kräuterbonbons zum Lutschen!", schmunzelt ein ehemaliger Sternsinger. Nachhaltig waren seine Eindrücke: "Jede Familie hatte einen leuchtenden Christbaum und eine Hauskrippe, selten klein und überschaubar, meist riesig mit geschnitzten Figuren, urigen Wurzelwerk-Landschaften und viel Moos zwischen den einzelnen Szenen", erinnert sich der heutige Mittsechziger.

Ein "Heimspiel" war der Besuch der einzelnen Häuser natürlich im eigenen Dorf. Hier kannte man sich aus, hier musste aber der Aufenthalt mit Vortrag und Gesang besonders klingen - auch wenn man schon Stunden unterwegs war und der Januarabend schon angebrochen war.

Geblieben sind die Erinnerungen an die Zeit als Sternsinger. "Wenn ich manchmal nachts noch nicht einschlafen kann, dann gehe ich in Gedanken als ehemaliger König oder Sternträger die Wege im verschneiten Frankenwald und bestaune die strahlenden Christbäume und Weihnachtskrippen in den Häusern" - so erinnert sich der Verfasser dieser Zeilen - "und summe ganz leise das bekannte Lied: Die heiligen drei König mit ihrigem Stern / die kommen gegangen, / ihr Frauen und Herrn! / Der Stern gab ihnen den Schein. / Ein neues Reich geht uns herein!"