Besuche am Universitätsklinikum Erlangen sind zurzeit nur in Ausnahmefällen möglich. Der erste Schnee ist gefallen und Weihnachten naht. "Wie können wir denjenigen, die über die Feiertage im Krankenhaus bleiben müssen, eine Freude machen?" Das fragten sich Diätassistent Urban Hetterich und Helmut Wust, Leiter der Speisenversorgung am Uni-Klinikum Erlangen. "Da vermutlich viele Angehörige den Patienten an Weihnachten selbst gemachte Plätzchen mitbringen würden, haben wir uns entschieden, im Corona-Jahr 2020 unser Nudelholz zu schwingen und die Plätzchen für unsere Patienten selbst zu backen", erklärt Urban Hetterich. "Wir hoffen, ihnen den Aufenthalt bei uns damit ein wenig versüßen zu können."

Mit Ausstechformen und Puderzuckersieb waren Bäckermeisterin Karin Deikert und Konditormeisterin Anja Wolf im Einsatz. Normalerweise sind die beiden eher kochend als backend in der Uni-Klinikums-Küche unterwegs. Für die Weihnachtsaktion wechselten sie aber in ihr "altes" Handwerk und zeigten, was sie können. Eine Woche lang backten sie täglich mehrere Stunden. Dabei verbrauchten sie 19 Kilogramm Mehl, zwölf Kilo Zucker, elf Kilo Butter, acht Kilo Haselnüsse, vier Kilo Marzipan, zwei Kilo Mandeln und 100 Eier. Dazu kamen Zuckerstreusel, Lebkuchengewürz, Mohn, Marmelade und weitere weihnachtliche Zutaten.

Nach und nach füllten sich die Backbleche mit duftenden Pflaumentalern, Lebkuchenkonfekt, Fruchtschnitten, Heidesandplätzchen, Butter- und Spritzgebäck, Linzer Plätzchen und Florentinern - 8400 Plätzchen wurden es insgesamt. Auch Vollkornkekse für Diabetiker, vegane und glutenfreie Varianten holten die Bäckerinnen aus dem Ofen. "Wir haben dafür auch unsere zwei Diätassistenten in Ausbildung eingebunden und sie gebeten, spezielle Rezepte zu entwickeln, um den verschiedenen Kostformen unserer Patienten gerecht zu werden", sagt Urban Hetterich.

Von Hand statt vom Band

Karin Deikert und Anja Wolf beherrschen ihr Handwerk, doch neben ihrem Können war auch Improvisationstalent gefragt: Da musste das Spritzgebäck schon mal mit dem Fleischwolf geformt werden. Alle anderen Teige rollten die beiden Bäckerinnen selbst mit dem Nudelholz aus, formten jedes Plätzchen mit der Ausstechform oder von Hand. "Wir sind ja hier keine Großbäckerei und mussten eben hernehmen, was wir zur Verfügung hatten", erklärt Karin Deikert die Herausforderungen. Doch sie und ihre Kollegin sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

"Ich brauche keines der Plätzchen zu probieren, um zu wissen, dass sie hervorragend schmecken", vertraut Küchenchef Helmut Wust seinen Mitarbeiterinnen. "Und für unsere Patienten ist das schon etwas sehr Besonderes, wenn sie anstelle von industriell hergestellten Plätzchen selbst gebackene bekommen."

Jeder Patient, der Weihnachten im Uni-Klinikum Erlangen verbringen muss, bekommt eine Auswahl mit verschiedenen Gebäcksorten - im Porzellanschälchen, ohne Verpackungsmüll. Eine kleine süße Freude am Ende eines turbulenten Jahres. Anja Wolf: "Wir versorgen unsere Patienten nicht nur, wir möchten sie auch umsorgen." red