"Da stehen Kamele im Garten!" Den Ausruf hörte man in den vergangen Tagen in der Neubausiedlung von Goßmannsdorf mehrfach. Tatsächlich befanden sich dort zwei zwei Kamele - als Botschafter für einen "klimagerechten Garten". Das Kamel gilt nämlich wie kein anderes Lebewesen als Überlebenskünstler in der Wüste. Damit rückt der Verein "Wir gestalten Heimat" die Klimaveränderung in den Mittelpunkt einer Kampagne, mit der er Besitzer von Privatgärten, Gewerbe und Kommunen für das "Blühen und Kühlen" in Gärten und Anlagen mit einem Wettbewerb begeistern will.

Fragen zur Gestaltung

Die Kamele (die richtige Bezeichnung für die Tiere mit ihren zwei Höckern ist eigentlich Trampeltiere) standen auf einem Baugrundstück, auf dem die Hausbesitzer gerade eingezogen sind. Nach dem Einzug stellt sich die Frage: Wie soll der Außenbereich gestaltet werden?

Der Vereinsvorsitzende Oliver Kunkel (Zeil) wagte in diesem Moment den Blick in die Zukunft und meinte: "Wir werden künftig schreckliche Sommer für Hausgärten bekommen, wenn man sich dort nicht mehr aufhalten kann. Die Wirkung von Grün ist nachgewiesen. Jeder Garten, der kein Wasser mehr hat oder keine Sträucher, Bäume und damit keinen Schatten bietet, wird nicht mehr betretbar sein. Es ist also bei den immer extremer werdenden Wetterverhältnissen wichtig, den eigenen Garten an das wandelnde Klima anzupassen."

Und genau für diese Anpassung standen die beiden Trampeltiere auf dem Baugrund. Die Beschaffenheit ihres Blutes erlaubt es ihnen, einen Wasserverlust bis zu einem Viertel des Körpergewichts zu ertragen, ohne Schaden zu nehmen. Für einen Menschen sind zehn Prozent Wasserverlust lebensgefährlich.

Tierische Leistung

Ein durstiges Kamel kann in nur 15 Minuten 200 Liter Wasser trinken und zusammen mit Nährstoffen wird dieses Wasser in drei Vormägen mit 800 Speicherzellen eingelagert. Dort gespeichert, steht es bis zu vier Wochen zur Verfügung. Außerdem sind Darm, Blase und Niere in der Lage, Wasser im Körper zu halten. Dabei ist der Harn konzentrierter als bei anderen Tieren und die Niere zieht sogar Wasser aus dem Harn heraus und führt es dem Körper wieder zu. So gibt das Kamel nur rund einen Liter pro Tag ab, was sehr wenig für ein Tier dieser Größe ist. Zum Vergleich: Ein Pferd sondert durchschnittlich zehn Liter Urin pro Tag ab.

Auch für den Garten der Zukunft sei ein Wassermanagement erforderlich, sagte Kunkel. Es bestehe Handlungsbedarf der Bürger bei der Verwendung neuer Pflanzenarten und veränderter Bewirtschaftungsmethoden. Wasser habe für den Garten eine große Bedeutung, aber man müsse mithelfen, es sinnvoll zu nutzen.

"Gießen ist Regenwasser, das man sammeln kann", lautet eine Forderung des Vereins. Für Fallrohre an Dachrinnen gebe es spezielle Regenwasserklappen, die das wertvolle Nass direkt in die Tonne leiten. Noch effektiver seien Zisternen, die große Mengen an Regenwasser speichern können. Der Wasserverbrauch sollte sich generell möglichst in Grenzen halten, hieß es.

Mit seiner Initiative "Blüh-Karawane" mit Kamel will der Verein "Wir gestalten Heimat" angehende Gartenbesitzer beraten und "anstecken" zu einer biodiversen und klimagerechten Gestaltung der Gärten. Dazu gibt es ein großes Plakat mit den Anforderungen für einen klimagerechten Garten. "Der Garten soll schützen helfen, er soll aber auch mit den Klimaveränderungen funktionieren, soll trockenresistent sein und Kühlung liefern", hieß es bei der Vorstellung der Aktion.

"Kühlen"

Im ersten Punkt spielt das "Kühlen" eine besondere Rolle. "In einem grünen Garten haben wir niedrigere Temperaturen. Auch im Wald ist es sieben Grad angenehmer als in der Stadt und ein entsprechendes Klima sorgt für einen angenehmen Aufenthalt im Freien", betont der Verein. Vorteilhaft könnte deswegen ein Wasserbecken oder ein Wasserlauf sein, aber auch Kletterpflanzen, Büsche und Bäume schaffen "kühlendes Grün" im Gegensatz zu Steinen und dunklen Materialien, die sogar zu Hitzespeichern werden können.

Hier sollen Gartenbesitzer auf die entsprechende Gartenstruktur mit Hügeln und Senken, schattigen Stellen und Sonnenorten sowie auf die Stockwerksgestaltung von der Blühwiese über Stauden und Gehölze bis hin zu Bäumen achten. Die Biodiversität wird durch Artenvielfalt erreicht und natürlich muss man auf die Trockenresistenz von Pflanzen achten. Tiefwurzler wie Rosen, Reben oder Steppenpflanzen sind eben besser geeignet als Flachwurzler wie Birke oder Fichte.

Oliver Kunkel sieht es als Ziel des Vereins an, engen Kontakt zu Bauherren zu bekommen und ein digitales Monitoring im Landkreis aufzubauen, mit dem man den Bestand und gute Beispiele sichtbar machen kann. Dazu soll ein Beraterpool aus Fachleuten und Laien geschaffen werden. "Klimaschutz findet nicht nur im Großen statt, sondern auch im Kleinen und das beginnt in den Privatgärten", meint der Vorsitzende.

Vorbilder

So will der Verein drei gute Beispiele mit Preisen belohnen. Ein Vorbild als klimagerechter Garten könnte die Anlage von Christian Guschker sein - gleich neben dem Grundstück mit den Kameln. Guschker ist Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins in Goßmannsdorf. Sein Holzhaus steht inmitten einer grünen Landschaft, bei der die Pflanzungen in Richtung Klimaveränderung abgestellt wurden, mit Steinmauern am bergigen Gelände und einem "Felsenkeller" außerhalb des Hauses zur Lagerung von Gemüse, Obst und anderen Lebensmitteln. Interessenten können sich im Internet unter Adresse www.wir-gestalten-heimat.de informieren oder Kontakt aufnehmen unter Mail aktionsnetz@wir-gestalten-heimat.de.