Weilersbach — Oft ist von Städten in der Region die Rede, in denen viele Menschen leben, wie Nürnberg, Erlangen oder Bamberg. Doch welche Fragen sind für kleine Gemeinden drängend, was bewegt Bürger und Funktionsträger auf dem Dorf? Und wie können die kleinen Kommunen sich über ihre Probleme und Erfordernisse austauschen und voneinander lernen?

Dazu stellte die ILE-Managerin Fränkische Schweiz, Nadine Zettlmeißl, im Rahmen der "Integrierten Ländlichen Entwicklung" in der Gemeinderatssitzung Weilersbach vor, welche Möglichkeiten ländliche Gemeinden haben, die sich zusammenschließen, um mehr Selbstständigkeit zu bekommen. "Die kleinen Gemeinden stehen im Fokus", sagt Zettlmeißl. In den Landkreisen Bayreuth und Forchheim gibt es inzwischen zwölf Kommunen mit gesamt 31 000 Einwohnern, die das Angebot des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angenommen haben. Sie haben die Möglichkeit, investive Förderung für Kleinprojekte selbst umzusetzen und können die Entwicklung in ihrer Region eigenverantwortlicher steuern, erklärt die Referentin.

"Man bietet eine Plattform"

Welche Vorteile bringt es? "Die Lebens- und Standortqualität wird gesteigert", so Zettlmeißl. Sie betont die Idee des kommunalen Austauschs, bei dem gute Beispiele im Mittelpunkt stehen sollen, und umschreibt den Nutzen des Projekts für die Gemeinden so: "Man bietet eine Plattform, um lernen zu können". Zettlmeißl spricht von Informations- und Ideenaustausch und von Antworten auf die Frage, "Wie lösen andere ihre Probleme?" Mit dem Regionalbudget soll den ILE-Zusammenschlüssen geholfen werden, Projekte schnell umzusetzen.

Sie erinnerte an etliche Projekte in der Region, etwa an den Genussmarkt 2019 in Ebermannstadt, der Corona-bedingt in diesem Jahr ausfallen musste. Oder an die Öko-Modellregion Fränkische Schweiz mit dem Kernwegekonzept, die Streuobstwiesen und die Dorferneuerung. Und welche Themen sind aus Sicht der Gemeinden die wichtigsten? Auf höchstes Interesse stößt die Frage des verdichteten Bauens im Dorf und wie Siedlungsgrenzen gehalten werden können. Für viele Gemeinden steht die Zukunftsgestaltung und der Aufbau eines Leerstandsmanagements ganz oben in der Skala des Interesses.

Als weitere relevante Herausforderungen werden die Erstellung eines Kernwegenetzes, die verstärkte Vermarktung regionaler Produkte, die Verbesserung des Bahnverkehrs bis Streitberg sowie die Erstellung eines Konzeptes für Wohnmobilstellplätze genannt. Die Finanzierung der Projekte erfolgt über Förderungen und einen jährlichen Beitrag der Gemeinden von zwei Euro je Einwohner. Über einen Beitritt zur ILE wird sich das Gremium in einer der nächsten Sitzungen beraten.

Anbau verzögert sich

Bürgermeister Marco Friepes informierte das Gremium zudem über den Anbau der Kinderkrippe an die bestehende Kita. Der Anbau verzögert sich, berichtet Friepes, da erst noch einmal mit der Regierung von Oberfranken geklärt wurde, ob nicht eine höhere Förderung möglich wäre. Die Kosten für den Anbau belaufen sich auf 950 000 Euro, wovon die Gemeinde einen neuen Zuschuss in Höhe von 69,2 Prozent erhält, das sind 374 000 Euro.

Bereits im August wurden Planung und Kostenschätzung erarbeitet. Nun legte Architekt Thomas Krügel dem Gremium aktuelle Zahlen vor. Nach einer Kostenschätzung von ursprünglich 950 000 Euro geht Krügel nun von 926 917 Euro Baukosten aus. "Dennoch benötigen wir noch Einsparpotenzial", so Bürgermeister Friepes. Welche Möglichkeiten gibt es? Und was könnte man einsparen? Das fragten sich die Räte. Wenn, dann könnten man bei den nicht förderfähigen Kosten Einsparungen vornehmen, erklärte Architekt Krügel und verwies auf Möglichkeiten von Eigenleistungen. Nach reger Suche und Diskussion stellte man fest, dass Einsparmöglichkeiten sich im Wesentlichen auf die Baustellenzufahrten sowie kleinere Ausführungen beschränkten und in Summe 58 400 Euro damit eingespart werden können. Krügel empfahl, die Kostenfortschreibung erst in den Vergaben zu diskutieren.

Krippe zwingend nötig

"Es ist bitter notwendig, dass wir eine Krippe bauen", sagte Bürgermeister Friepes. Insbesondere zeige sich eine intensive Nachfrage nach Plätzen für Kinder unter drei Jahren und verwies auf die Kindernotkrippe im Pfarrhaus, wo der Ausbau in vollem Gange ist. Mit 12:1 Stimmen beschloss das Gremium den Anbau der Krippe mit der Option einer Aufstockung eines weiteren Stockwerks.

Die Gemeinde plant zudem den Ausbau der Weißenbacher Straße. Vor der endgültigen Erteilung des Zuwendungsbescheides fordert die Regierung von Oberfranken den Abschluss einer Kreuzungsvereinbarung zwischen Straßenbaulastträger und der Gemeinde. Darin ist geregelt, dass die Gemeinde die Kosten für den gesamten Ausbau der Weißenbacher Straße trägt. Die Baukosten von 109 000 Euro des Einmündungsbereiches bis 35 Meter in die Weißenbacher Straße für Fahrbahn, Gehweg und Entwässerung tragen die Gemeinde Weilersbach zu 54 Prozent und der Landkreis Forchheim zu 46 Prozent. Das Gremium stimmte der Vereinbarung einstimmig zu und beauftragte Bürgermeister Marco Friepes, die Vereinbarung rechtsverbindlich abzuschließen. Weiter beschlossen die Räte, dass frostsichere Zapfhahnzähler als Gartenwasserzähler zugelassen werden. Für den Verwaltungsaufwand und die Abnahme eines neuen Gartenwasserzählers durch den Wasserwart wird ein Betrag von 80 Euro erhoben. Für die Befüllung von Poolanlagen darf das Frischwasser nicht über den Gartenwasserzähler geleitet werden.