von unserem Mitarbeiter Rainer Glissnik

Kronach — Mehr als 100 Eltern sind in die Lucas-Cranach-Grundschule gekommen. Sie erleben hautnah mit, dass ihre Kinder beim Selbstverteidigungsprojekt "Nicht mit mir" kräftig Selbstbewusstsein getankt haben. Eindrucksvoll zeigen die Kids, wie sie in schwierigen und vielleicht gefährlichen Situationen am besten reagieren.
Die mächtigste "Waffe" eines Kindes ist die Stimme. Dann kommen schnelle Beine zum Weglaufen. Bei der Auftaktveranstaltung des Projekts "Nicht mit mir" zeigten Jungen und Mädchen der Kronacher Lucas-Cranach-Grundschule, was sie von ihren Kursleitern Heike Bittner und Fred Busse schon gelernt haben.

"Großartige Aktion"

Rektorin Anita Neder freute sich über die "großartige Aktion", die wesentlich vom Elternbeirat unterstützt werde. Bereits vor einem Jahr habe ein Sicherheitstraining in der dritten und vierten Klasse begonnen. Der Elternbeirat habe sich wegen der guten Erfahrungen entschlossen, dies nun schon mit der zweiten Klasse zu starten. Künftig, so Neder, sollte es sogar schon in der ersten Klasse losgehen.
105 Kinder zeigten in eindrucksvoller Weise, wie sie das bisherige Training bereits gestärkt und verändert hat. Die Lucas-Cranach-Schule ist die erste Schule im Landkreis, die ein Projekt dieser Art durchführt. Es soll in den folgenden Jahren fortgesetzt werden. Die vierten Klassen bekommen eine Auffrischung.
"Es ist wichtig, dass wir unsere Kinder stark machen", betonte Elternbeiratsvorsitzender Johannes Hausmann. "Wir haben uns in den letzten Jahren auf den Weg gemacht und eine Prioritätenliste erstellt", meinte er. Eine Tischtennisplatte, Spielgeräte, Reckstangen und eine Wippe stünden auf der Wunschliste. Dazu kämen Bücher und einige Fahrräder. Das alles koste natürlich Geld, insgesamt rund 10 000 Euro. "Wir brauchen noch Unterstützung", betonte Johannes Hausmann. Spender seien deshalb herzlichst willkommen.

Schreie verunsichern

Mit der Stimme und Haltung könne ein bedrohtes Kind enorm viel erreichen, demonstrierte Fred Busse mit etlichen Jungen und Mädchen. "Die Kinder schreien ihre eigene Angst hinaus, verunsichern damit den potentiellen Täter und machen das Umfeld aufmerksam", erklärte er. Viele "Täter" würden dadurch und verjagt. Ein klares "Nein" helfe ebenfalls oft weiter.
Allerdings fiel es vielen Kindern schwer, einen Mitschüler anzuschreien. Hier eignete sich der Plüschdrache "Juju" bestens als Angreifer. Den Drittklässlern wurde auch vermittelt, wo sie sich im Notfall hinwenden könnten.
Ganz wichtig ist auch ein Fallen, ohne sich selbst zu verletzen. Dies zeigten die Kinder in eindrucksvoller Weise. Für den allerletzten Notfall wurde ein Handkantenschlag demonstriert, bei dem ein Brett zersplitterte. Auch dies gibt Selbstbewusstsein.
Letztlich wurde deutlich, dass selbstsichere Kinder viel besser vor Gewalt und Anfeindungen geschützt sind. Wer sich vor so vielen Zuschauern traut, all dies zu zeigen hat, der hat bestimmt genug Selbstvertrauen, um sich nicht alles gefallen zu lassen.