Eckehard Kiesewetter Kreis Haßberge — Die Resonanz ist durchweg positiv. Internet-Gottesdienste mit Pfarrer Pater Rudolf Theiler sind inzwischen mehr als ein Geheimtipp. Erst recht so kurz vor Ostern. "Der macht das ja so schön und so feierlich", lobt ein Katholik in der Stadt den Eberner Geistlichen und wundert sich, dass sich dieser so gut mit der modernen Technik auskennt: "Der ist ja auch nicht mehr der Jüngste!".

Tatsächlich macht Theiler (69 Jahre) zurzeit manchem jüngeren Kollegen etwas vor, wenn er wegen der Corona-bedingten Schließung der Kirche gemeinsam  mit  Mesnerin   Barbara Thein und Kirchenmusiker Wolfgang Schneider Youtube-Gottesdienste gestaltet. "Wir wollen gerade jetzt die Verbindung zur eigenen Gemeinde erhalten", sagt der Karmelit. Das technische Know-how liefert der 15-jährige Christian Kühnel. Der Gymnasiast ist Regisseur der Internet-Gottesdienste. "Das ist so mein Stil", sagt er zu den gekonnt eingestreuten meditativen Schwenks durch den Kirchenraum und zu den Einblendungen sehenswerter Details der St.-Laurentius-Kirche. Der frühere Ministrant, der schon öfter mal Videos produziert hat, filmt und schneidet die Gottesdienstfilme. "Der Dreh dauert ungefähr eine Stunde", sagt er, "dazu kommen ein paar Stunden Nachbearbeitung." Auch am Karfreitag und am Ostersonntag werden die Christen Gelegenheit haben, unter "St. Laurentius Ebern" auf Youtube Gottesdienste mitzufeiern. 945 Aufrufe belegen, wie gefragt derartige Angebote der Kirche jetzt sind. So viele Gottesdienstbesucher gibt es sonst nicht.

Andachten im Internet

In anderen Gemeinden finden Messen zurzeit zwar statt, erklärt Dekan Stefan Gessner, in der Regel aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Vorschriften wegen des Coronavirus machen vor der Kirchentür nicht Halt. Die Pfarrer feiern die Messen stellvertretend für ihre Gemeinden. Gottesdienste zum Mitfeiern gibt es auf der Internetseite der Diözese unter www.bistum-wuerzburg.de.

Wer sich im Internet auskennt, weiß die evangelische Pfarrerin in Untermerzbach, Sonja von Aschen, der finde viele gut gemachte Angebote an Online-Gottesdiensten, Impulsen für Andachten und Kindergottesdiensten zum Mitfeiern. Für die weniger mit dem Internet Erfahrenen bietet in Untermerzbach ein österlicher Gemeindebrief Anregungen und Texte für besinnliche Andachten, und Kinder gestalten bunte Osterbriefe für die Gemeinde.

Viele Kirchen stehen an den Ostertagen zur stillen Einkehr offen. Osterlichter können mit nach Hause genommen werden. Am Ostersonntag läuten die Glocken in beiden Kirchen in Ebern um 6, 12 und 20 Uhr in einer ökumenischen Aktion. Ab 12.10 Uhr soll auf den Straßen im Umfeld der Christuskirche ein "musikalischer Flashmob" stattfinden. Jeder, der ein Instrument besitzt, sei eingeladen zu Hause am Fenster oder auf den Straßen Osterchoräle mitzuspielen, sagt Pfarrer Bernd Grosser.

Im Eingangsbereich der Maroldsweisacher Kirche kann in den Kar- und Ostertagen ein kleiner Ostergarten aus Naturmaterialien besucht werden, und in der Rentweinsdorfer Kirche wurde ein Kreuzweg gestaltet, der während der Öffnungszeiten (10 bis 17 Uhr) zum Gebet und zum stillen Verweilen einlädt.

Kein Ratschen in den Kartagen

In den Kartagen schweigen traditionell die Kirchenglocken. Diesmal gilt dies auch für die hölzernen Ratschen, mit denen sonst in vielen Orten Ministrantengruppen durch die Straßen ziehen, um die vollen Stunden zu verkünden. In Ebern hatten diesen Brauch seit 35 Jahren die Pfadfinder übernommen.

Bei den Gängen von Haus zu Haus wurden sie in einer Art früher "Baunach-Allianz" jeweils von Pfadfindern aus Baunach unterstützt. Auch eine weitere Besonderheit, am frühen Morgen und am Abend von Turm der Stadtpfarrkirche aus eine 135 Jahre alte Hammerratsche erklingen zu lassen, fällt diesmal - erstmals nach 35 Jahren - flach. Das rund 1,20 Meter große hölzerne Unikum mit acht Hämmern und großer Kurbel "hört man durch die ganze Stadt", weiß Pfadfinderführer Dietmar Hofmann (71).

Zu den Ritualen, die in diesem Jahr ausfallen müssen, gehört auch der Ostereierverkauf für arme Kinder in Chile. "Ist aber auch mal schön, nach 35 Jahren Ostern ohne Stress zu verbringen", findet Hofmann. "Und außerdem ist's in diesem Jahr ja nur eine Verschnaufpause".